Die Lanze des Löwen - Kein Nordmähnenhof

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Schule der Hohen Kriegskunst zu Eslamsgrund, 27ter Peraine 1036 BF

„Praiosmond ist Prüfungsmond“, stöhnte Heidrik von Sturmfels und legte seufzend das Buch über Srategien und Taktiken der Eslamiden beiseite. Seufzend rieb er sich die Augen und fuhr sich mit den kräftigen Händen durch das rotblonde Haar. „ Kaum mehr zwei Götternamen, und wir müssen uns der Abschlussprüfung stellen.“

„Nun sei kein Frosch, Heidrik“, gab Rinaldo di Helametto, der sich mit Heidrik das Zimmer in der Akademie teilte und gerade faul auf seinem Bette lag und wohl in Gedanken von seiner Liebsten im Albenhusschen träumte – vielleicht aber auch von der kleinen kecken Greifenfurterin oder der vollbusigen Schönheit aus Ragath oder… - , flachsend zurück. „In wenigen Tagen haben wir vier Wochen Ferien, und dann haben wir noch immer den gesamten Rahjamond Zeit, uns vorzubereiten. Und so die Zwölfe wollen, hast Du in drei Monaten Deinen Kriegerbrief in Händen.“

Heidrik erschauderte zusehends und griff abermals nach seinem Buch. „Das ist viel zu wenig Zeit, Rinaldo. Wie soll ich das alles nur in meinen Kopf bekommen?“

„Was Du in acht Götterläufen nicht gelernt hast, das lernst Du jetzt eh nimmermehr, Du Memme.“ Rinaldo sprang von seiner Bettstatt auf und gab seinem Kameraden eine saftige Kopfnuss. „Außerdem ist das ganze Wissen bereits alles hier drin in Deinem Oberstübchen. Jetzt Dir in blinder Panik die Hosen einzunässen, bringt niemandem etwas.“

Just wollte Heidrik zu einer Erwiderung ansetzen, als beide Kadetten erschrocken zusammenfuhren, denn ohne vorheriges Anklopfen war die Tür zu ihrem Zimmer aufgeflogen, und Davina Paligan stürmte herein. Obschon die schlanke, dunkelhaarige Kadettin als äußerst zäh galt, war sie außer Atem; sie musste sich ziemlich beeilt haben, und Heidriks Mine verfinsterte sich. Ihm schwante Schlimmes und sah seine Befürchtungen sogleich bestätigt, als Davina ohne weitere Umschweife verkündete: „Eilt Euch, Jungens. Der Dom will uns sehen.“

Der Dom nun war kein geringerer als Dom Konnar vom Berg, der Akademieleiter der Hohen Schule der Kriegskunst, und zu ihm zitiert zu werden, bedeutete für Gewöhnlich nichts Gutes.

„Wer ist uns?“ fragte Heidrik, obgleich er die Antwort eigentlich kannte, konnten doch nur die vier verbliebenden Abgänger des kommenden Götterlaufes gemeint sein, die anders als ihre zwei weiteren Mitkadetten des gleichen Jahrgangs noch nicht in die Ferien aufgebrochen waren.

Auch Davina war nicht sonderlich angetan von der zur Schau gestellten Begriffsstuzigleit ihres Kameraden. „Na UNS eben, Fruma ist bereits zu ihm unterwegs. Er erwartet uns in seinem Salon.“

„Vielleicht möchte er uns ja nur schöne Ferien wünschen“, mutmaßte Rinaldo mit einem zynischen Lächeln, während er sich seine zerlegene Kleidung zurechtzupfte.

„Das glaubst Du doch wohl selbst nicht“, seufzte Heidrik, erhob sich von seinem Stuhl und ergab sich in sein Schicksal, Davina und Rinaldo hinterdreintrottend.

Nur wenige Minuten später standen sie zu viert dem Akademieleiter gegenüber. In der Tat war Fruma von Ehrenstein bereits eingetreten gewesen und hatte auf ihre Mitkadetten gewartet. Das ungeduldige Rollen ihrer großen blauen Augen zeigte den drei Neuankömmlimgen, dass sie sich besser noch ein wenig mehr beeilt hätten.

Konnar vom Berg, wie nahezu stets in einfache graue Beinkleider und ein weißes Leinenhemd gekleidet, stand kerzengrade neben einem der drei Tischchen, die seinen Salon zierten und auf denen Materialien für allerlei Spiele – von Boltankarten über einige schlichte Brettspiele bis hin zu einem aus Edelsteinen gefertigten Rote-und-weiße-Kamele Spiel – aufgebahrt waren. Mit finsterer Miene blickte er die angehenden Krieger aus eisgrauen Augen an.

„Die noch in der Akademie anwesende Kadetten des Abschlussjahrganges des Tausendsiebenunddreißigsten Götterlaufes sind vollzählig angegreten, Euer Wohlgeboren“, verkündete Fruma, nachdem sich alle vier Kadetten in einer graden Reihe vor dem Akademieleiter aufgestellt hatten.

Konnar vom Berg nickte nur knapp und kam dann, wie es seine Art war, augenblicklich zum Punkt: „Eure Ferien sind gestrichen, Kadetten. Statt Euch kurz vor Euren Abschlussprüfungen in der Weltgeschichte herumzutreiben, werdet Ihr mit mir eine kleine Reise unternehmen.“

Diese Offenbarung verschlug selbst dem sonst so schlagfertigen Rinaldo die Helametto fast die Sprache. „Gestrichen?“, presste er ungläubig hervor. „Unsere zwei Mitrekruten sind schon vor einer Woche frühzeitig in die Ferien entlassen worden. Und ich wollte meine Schwester in…“ Die Faust Konnars, die auf das Tischchen zu seiner Linken donnerte und dafür sorgte, dass einige Spielfiguren der Schlacht von Jergan zu Boden polterten, ließ Rinaldo augenblicklich verstummen.

Dem Akademieleiter war die aufgebrachte Selbstbeherrschung, den vorlauten Kadetten nicht anzubrüllen, förmlich an seinen mahlenden Kiefern anzusehen, als er zischte: „Wenn Ihr nicht wisst, dass man Familienangelegenheiten und Freizeitvergnügen hinter die von Vorgesetzten aufgetragenen Pflichten zurückstellt, solltet Ihr Euch vielleicht noch einen weiteren Götterlauf Zeit nehmen, um Eure Prüfungen erfolgreich absolvieren zu können, Signor di Helametto. Das Leben als Krieger ist kein Nordmähnenhof.“

Rinaldo erbleichte… und tat das einzig Richtige, indem er einfach nur „Verzeiht, Euer Wohlgeboren“ murmelte.

Die blonde Fruma hatte sich als erste der vier Kadetten wieder gefangen. Einen zackigen Schritt nach vorne machend erklärte sie mit einem kurzen Kopfnicken: „Selbstverständlich stehen wir Euch zu Diensten, Euer Wohlgeboren.“

Konnars Gesichtszüge entspannten sich und seine Stimme wurde merklich sanfter. „Ausgezeichnet. Wir brechen in vier Tagen auf. Drei Tage lang seid Ihr von allen Pflichten an der Akademie entbunden. Am Morgen des dreißigsten erwarte ich Euch alle zurück. Ein jeder von Euch Vieren möge sich mit derjenigen Bewaffnung ausrüsten, mit der er sich am besten während seiner Ausbildung geschult hat, und dasjenige Pferd aus den Ställen wählen, mit dem er am Besten zurechtkommt. Reiterschilde und Reiseumhänge werde ich persönlich stellen.“

„Sehr Wohl, Euer Wohlgeboren“, antwortete die junge Ehrensteinerin für ihre ganze Gruppe und fügte nach einer kurzen Pause hinzu: „ Wird uns sonst noch jemand begleiten, wenn ich die Erlaubnis habe zu fragen? Und wohin wird unser Weg uns führen?“

Für einen Moment schien es so, als würde der Akademieleiter die Notwendigkeit einer Antwort erwägen, bevor er schließlich seine Replik gab. „Es wird uns nur eine einzige weitere Person begleiten. In die Heimat.“

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Texte der Hauptreihe:
K1. Kein Nordmähnenhof
27. Per 1036 BF
Kein Nordmähnenhof

Kapitel 1

Quecksilberkind