Die Katastrophe (Al’Katas Pu’ranuth) - Vorladung, Einladung

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Perricum, Ende Hesinde/Anfang Firun 1039 BF, nach dem zweiten Treffen

Zordan saß still da, die unzähligen Sitzungen, Audienzen und Rücksprachen der letzten Tage hatten sich hingezogen. Doch er wäre nicht er, wenn diese nicht letztlich zu einem Ergebnis geführt hätten, welches zwar nicht alle gerade im Nachbarschaftlichen hatte auseinander gehen lassen, aber auch nicht in einem Desaster geendet war, vorteilhaft. Er hatte die Position des Markgrafen gut dargestellt und klar durchgesetzt. Dabei hatte alles denkbar schlecht begonnen. Denn der, in die besonders betroffenen Regionen gesendete erste Bote war, so die Berichte, von Söldlingen oder Strauchdieben überfallen worden. Diese waren allesamt in beinahe klischeehaft anmutende Kleidungsstücke nebachotischen Stils gehüllt gewesen, hatten aber nicht ausschließlich aus solchen bestanden. Zum Glück wurden diese von einer Gruppe tapferer Recken ™ gestellt, die dem Boten zur Hilfe eilten. Anschließende Untersuchungen führten dabei wohl nur dazu, daß es sich wohl nicht um eine zufällig agierende, tatsächliche Diebesgruppe gehandelt hatte, sondern um eine instruierte. Doch deren Auftraggeber konnten nicht ermittelt werden. Zordan selbst hatte erneut Haffax-Agenten vermutet.

Ein Grund mehr, diesen elenden Konflikt unter den Nebachoten endlich beizulegen. Aber auch das hatte nur mit seiner ganzen Autorität und jahrelangen Erfahrung Erfolg gehabt, da die Konfliktparteien anscheinend so in ihre inneren Zwiste verwickelt waren, dass sie zwar die eindeutige Geste oder „Drohung“, wie es einige auch auffasten, verstanden, aber dennoch nur Vertreter sendeten, mit Verweis auf eben die derzeitige schwierige Situation. Ein Umstand, den viele der anwesenden Raulschen als pure Arroganz ausgelegt hatten, seltsamerweise ohne viel Kritik aus Zillinger Richtung, der den Gesprächen auch oft fern blieb und lieber konkrete Truppenbewegungen ausarbeitete, oft zusammen mit Oberst Wallbrord, der sich die direkte Kritik an den Nebachoten allerdings nicht nehmen ließ. Die Nebachoten allerdings konterten mit dem beinahe schon charakteristischen Jammern, wie die Gnitzenkuhler Baronin es nannte, und sahen sich selbst in der Opferrolle, mal von großen Mächten, mal, nur indirekt ausgesprochen, von den Raulschen und der Markgrafschaft. Dennoch hatten sie immer wieder beteuert, die Lage unter Kontrolle zu haben, wobei einige unter Ihnen, z.B. der Haselhainer Delegat, auch vorsichtig andeuteten, sich nicht gegen eine Stippvisite und Übungen markgräflicher Truppen wehren zu wollen. Allerdings hatte er auch die Vorgehensweise Gnitzenkuhls und Gaulsfurts kritisiert, was beinahe zu einem Eklat geführt hätte. Und auch gerade die Brendiltaler Delegaten gaben sich nicht sehr einsichtig, gingen sich aber vorallem untereinander an.

Sowieso hatten alle die recht tiefe Furche und den Zwist unter den Nebachoten hier leibhaftig gespürt. Ein Umstand, der sogar deren Kritiker beunruhigt stimmte, hatte man die perricumer Tulamiden doch noch nie so uneins erlebt. Eine Situation, die, zeitlich so nahe an einem Krieg mit dem Erzfeind, unbedingt behoben werden musste und zwar schnellstens. Weshalb die Raulschen, beeinflusst durch Zordan, mit der Zeit auch mehrfach zu Kompromissen bereit waren, selbst Baronin Geshla und zu Teilen auch Baron Wallbrord, so sehr war die Dringlichkeit doch gegeben.

Letztendlich, nach Tagen, in denen die Konflikte andauerten und teilweise sogar noch einen Höhepunkt erreichten, war man zu einer Übereinkunft gekommen, die auch der Markgraf, der gerade mit den Kriegsvorbereitungen beschäftigt war, abnickte, hatte Zordan doch wieder einmal ganz in seinem Sinne gearbeitet. So hatten alle Beteiligten, selbst die Brendiltaler und Korbrunner, letztlich „Stippvisiten und längerfristig angelegten Übungen“, die Raulschen nannten es leise Friedenstruppen, kleinerer Kontingente der Markgräflichen Truppen in ihren Gebieten zugestimmt, zusätzlich zu den Hilfstruppen in Gnitzenkuhl und Perrinmarsch. Oberst Zillingen, der in Gerbenwald keine Truppen benötigte, und Oberst von Löwenhaupt-Berg hatten persönlich einen Umgruppierungsplan vorgelegt und einige Teile auch schon während der Gespräche in Bewegung gesetzt.

Dafür sollten alle bisherigen Ansprüche auf Lehen gewährt werden, um schnell Ruhe einkehren zu lassen. Alrik von Korbrunn sollte Vogt des Brendiltaler Südens werden und damit Aurel unterstützen. Martok wiederum bekam den Brendiltaler Norden zugesprochen, bis der Verbleib von Caihyn endgültig geklärt war. Eine Teilung, die für beide, nach entbehrungsreichen Kämpfen, wohl der schlechteste aber auch einizige mögliche Kompromiss war. Zumal sie auch mit Schlimmerem hätten rechnen können, vor allem der Korbrunner, der an der Seite eines Reichsverräters in den Konflikt eingegriffen hatte, allerdings, wie sein Delegat und Bürgungsschreiben für ihn beteuerten, immer nur in besten Gedanken für Nebachoten, Baronie und Markgrafschaft. Weswegen dieser auch gegen Mitte des Konflikts den Bund mit Hamar aufgekündigt hatte, nachdem dieser sich als unverbesserlich und vermutlich noch schlimmeres herausgestellt hatte. Aufgrunddessen, der Bürgschaften und weil er bereitwillig seine Informationen dazu zur Verfügung stellte sowie weil man auf jeden Fall den Konflikt nun beenden wollte, sah man ihm einige Dinge nach.

Was Haselhain, Gnitzenkuhl und Gaulsfurt anging, so hatte Zordan darauf bestanden, dass Gaulsfurt auch bis auf weiteres dem Protektorat von Gnitzenkuhl unterstünde, weil Haselhain seiner Schutzflicht nicht nachgekommen sei und Gnitzenkuhl schnell und besonnen reagiert hatte. Leichte Beschneidungen der nebachotischen Sonderprivilegien sowie kleinere weitere Belehnungen mit treuen Vasallen innerhalb der Baronien Haselhain und Brendiltal, behielt sich der Markgraf noch vor, müsste man dies doch genauer beschauen. Umstände, die Zordan gefielen, denn so waren damit die zwei größten und somit mächtigsten Baronien Perricums und die Nebachoten als genereller Machtfaktor beschnitten worden, was dem Markgrafen – und ihn -deutlich an Einfluss gewinnen ließ. All diese Entscheidungen hatten natürlich nur wenig Einfluss auf die weiteren Zwiste innerhalb der Nebachoten um die Würden und Ämter als Stammesfürsten und die höchsten Ämter, die nun von mehreren beansprucht wurden. Doch dies würden die „Friedenstruppen“ regeln, die man zwar blumig nett so benannte, doch war den Nebachoten klar gewesen, dass es auch undiplomatischer hätte laufen können,doch war letztlich keine der Parteien an einer Eskalation interessiert. Haselhain und Südbrendiltal waren sogar schon mit einem groben Plan zur Behebung dessen angereist.

Jetzt stand Zordan auf und wandte sich gen Fenster seines Residenzarbeitszimmers und beobachtete, wie weitere kleinere Truppenverbände die Stadt verließen, endlich würde die Markgrafschaft wieder zur Ruhe kommen und die Machtverhältnisse sich verändern, dafür hatten sie, dafür hatte er gesorgt.

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1. Fir 1039 BF
Vorladung, Einladung
Das Beste

Kapitel 52

Saubermachen II
Autor: Jan