Die Katastrophe (Al’Katas Pu’ranuth) - Reden über die Nebachoten, ohne Nebachoten II

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Der bisher ruhig zuhörende Bendan von Zillingen räusperte sich: „Meine hoch verehrten Anwesenden, müssen wir denn wirklich gleich zu solch drastischen Maßnahmen greifen? Die Nebachoten haben bisher ihre Krisen immer selbst gelöst, außerdem ist es nicht seltsam, daß hier keiner derer über die wir reden anwesend ist, weil sie nicht geladen sind.“, mit einem kritischen Blick überschaute er die raulsche Runde, kurz vermeinte man ein spöttisches Lächeln erkennen zu können, als er dann schließlich bei der Gnitzenkuhlerin angelangte, „Und mitnichten würde ich die Situation an meiner Grenze zu Gnitzenkuhl als so drastisch beschreiben wie es die Baronin von Gnitzenkuhl tut. Dort regen sich die Vertreter der ansäßigen nebachotischen Stämme lediglich ein wenig ab, ihrem Gemüt entsprechend. Wohl mehr als gewöhnlich, aber unter Kontrolle, zumindest auf meiner Seite. Vielleicht lasst Ihr, Euer Hchgeboren, Euch doch etwas zu sehr von eurer Abneigung gegenüber unseren tulamidischen Mitmenschen lenken, die – mit Verlaub - nun wirklich kein Geheimnis ist, ebenso wie Eure, Euer Hochgeboren von Löwenhaupt-Berg. Aber ein Vorschlag zur Güte, angenommen, die Sitaution wäre wirklich so haarig wie uns Gntzenkuhl und Vellberg weiß machen wollen und angenommen wir entsenden Markgräfler und meinetwegen Reshminianer, wer garantiert uns das die Nebachoten in deren Reihen nicht ihren Konflikt eben dorthin weiter hinein tragen, wenn wir mit ihnen die Hilfe ersuchenden und markgräflichen Lande stützen?“

"Eure Fürsorge um die Nebachoten ist ja wirklich rührend", erwiderte Wallbrord von Löwenhaupt-Berg sarkastisch, aber offenbar haben wir unterschiedliche Vorstellungen davon, was als 'haarig' anzusehen ist und was nicht. Muß denn erst aus einem Haus- ein Flächenbrand werden, bevor Ihr eine Intervention auch nur in Erwägung zieht? Warum hat sich denn keiner der an diesen - sagen wir 'Unruhen' - beteiligten nebachotischen Adligen, respektive Stammesführer, beizeiten an den Markgrafen und seine Administration gewandt, um eine Entscheidung von autoritativer Seite herbeizuführen und zugleich allen zu zeigen, daß sie ihn, die ihm anvertraute Provinz und das raulsche Recht anerkennen und respektieren? Nein, stattdessen führen sie sich auf, als stünden sie über oder außerhalb jedweden Rechts und jedweder Autorität. Läßt man ihnen dies, wieder einmal, durchgehen, so sagt mir, Hochgeboren Bendan, wie das auf Außenstehende - Pöbel wie Adel gleichermaßen - in Bezug auf die Stärke und Durchsetzungsfähigkeit seiner Erlaucht wirken muß. Und wie schon gesagt: Es ist ja beileibe nicht das erste Mal, daß sich die Nebachoten aufführen, als gehöre ihnen das Land und schuldeten niemandem Treue. Und da wundert ihr euch, warum meine Meinung über sie eine so geringe ist?"

Lange hatte Elissa von Aelderklamm der Zusammenkunft zwar aufmerksam doch schweigend beigewohnt. Es behagte ihr nicht sonderlich, als einfache Hauptfrau, noch dazu von illegitimer Herkunft, in einer solch illustren Runde zu sitzen und eine für die Provinz so wichtige Versammlung zu verfolgen, deren Beschlüsse für das Land weitreichende Folgen haben könnten. Die jüngste Rede ihres Vaters gab ihr jedoch sehr zu denken, sodaß sie, kaum daß er geendet hatte, überraschend selbst das Wort ergriff, zaghaft zu Beginn, aber rasch an Sicherheit gewinnend. "Ich stimme in Vielem mit euch überein, Vater, doch in einem wichtigen Punkt bin ich anderer Meinung. Hochgeboren Bendan hat einen, wie ich finde wichtigen, Punkt angesprochen, den ich für sehr bedeutsam halte: Keiner der Nebachoten ist hier, um sich zu erklären oder auch nur zu rechtfertigen, zwar hat sich niemand von ihnen an die Administration gewandt, anders herum aber ebenso wenig. Warum senden wir den Hauptbeteiligten an dieser Krise nicht ein Ultimatum, in dem wir sie genau dazu auffordern? Am besten für ein Treffen in der Hauptstadt, um allen zu zeigen, daß es um eine bedeutsame Angelegenheit geht, die für die ganze Markgrafschaft von Belang ist und darob auch in deren Capitale - hoffentlich friedlich - geklärt werden wird. Die Streithansel selbst aufzusuchen wäre unsererseits ein Zeichen der Schwäche und daher in meinen Augen unangebracht. Und sollten die Hitzköpfe das Ultimatum ignorieren oder gar zurückweisen, so hätten sie sich vor aller Augen selbst ins Unrecht gesetzt und uns dadurch quasi durch eigene Hand legitimiert, entschlossen gegen sie vorzugehen. Ich hoffe aber dennoch, daß es soweit nicht kommen wird, denn gerade in diesen unruhigen Zeiten können wir uns eigentlich keinen Hader untereinander leisten." Mit einem kurzem Blick hinüber zu Wallbrord endete Elissa in der Hoffnung, sich in dieser erlesenen Runde nicht um Kopf und Kragen geredet zu haben, während ihr Vater ihren Worten mit einer Mischung aus Verärgerung und einem anderen, schwer zu bestimmenden Gefühl gelauscht hatte.

Geshla saß da, und knetete ausgiebig ein Tuch, welches mit einem Duft getränkt war, der ihr zu Pass kam. Doch so sehr konnte jener sie gar nicht bei Laune halten, wie dieser Zillinger und sein Langmut sie in Rage versetzt hatte. Die junge Tochter Wallbrords hingegen hatte Ihr da schon mehr aus der Seele gesprochen, und Sie nickte ihr freundlich lächelnd zu, als Sie geendet hatte, ergriff aber sogleich selbst das Wort. Das Kind wußte nur nicht, das Geshla jenen Vorschlag aus völlig anderen Motiven stützte- aus dem mit Sicherheit grenzendem Wissen, dass die Nebachoten nicht auftauchen würden!

"Welch kluger Vorschlag von bislang ungehörtem Mund!" sagte die Baronin von Gnitzenkuhl dann auch, und setzte nach: "Das würde uns gewissermaßen die Legitimation verschaffen, die uns fehlt, um im Bedarfsfall auch machtvoll durchgreifen zu können, sollten die Nebachoten in diesen schwierigen Zeiten weiter alles daran setzen Unruhe in noch friedliche Baronien zu bringen." Dann drehte Sie sich allerdings erneut in Richtung Bendans um, ganz so, als sei Ihr seine kürzliche Erwiderung wieder eingefallen:

"Ah, und ihr sagtet also, dass die Reshminianer und auch die markgräflichen Truppen nicht ordentlich ausgebildet sind, und fahnenflüchtig werden, sobald ein Konflikt, für den sie eigens ausgebildet wurden, bei der Reitereinheit der Reshminianer möchte ich anmerken, dreut und Sie sich bewähren müssen? Interessante Einschätzung Eurer Leute muss ich sagen. In dem Moment fast ein Trost, dass sie nicht im Aufgebot gen Mendena sind!" Sie schüttelte nur das Haupt und sah ihn deutlich mißbilligend an. "Ihr mögt meine Einschätzung in Frage stellen wie ihr wollt. Ich spreche hier nicht nur für mich, sondern auch mein langjähriger Vogt Roderick von Isenbrunn ist ob der Lage mehr als beunruhigt, und die Kunde über die Lage hier wird weiter getragen. Wenn Ihr es aber vorzieht weiter zusehen zu wollen, werde ich in meinen Grenzen tun, was mir zusteht."

Der Angesprochene setzte ein Lächeln auf, dass der Baronin, in seiner Hintergründigkeit, so gar nicht gefiel. „Nein, Verehrteste, Euer Hochgeboren, ich denke meine Soldaten sind sehr hervorragend ausgebildet und auch die Reshminianer sind eine anständige Truppe; nicht umsonst gehöre ich diesem ehrenwerten Bund an. Doch bestehen ihre Aufgaben vielmehr darin, für ein gutes Miteinander unter den verschiedenen Völkern unserer vielfältigen Provinz zu sorgen und darüber zu wachen und weniger innerhalb dieser Völker. Aber wie dem auch sei, auch wollte ich nicht Eure Glaubwürdigkeit in Frage stellen oder die Eures Vogts, ein guter Mann, der die Markgrafschaft in seiner Funktion mit wichtigen Informationen versorgt. Dennoch ist hier mehr Fingerspitzengefühl gefragt als brachiales Vorgehen, gerade weil es so unruhige Zeiten sind und die Kaiserin ihr gesegnetes Unternehmen gen Mendena führt. Dorthin sollte auch unser größtes Augenmerk gerichtet sein. Die kleinen Zwistigkeiten innerhalb der sonst so geeinten Nebachotengemeinde sollten wir natürlich dennoch nicht herunterspielen. Auch wenn diese Entwicklung sicherlich einigen in diesem Raum gefällt, könnte man die Nebachoten doch nun sicherlich einmal ordentlich in ihre Schranken weisen und das auch noch mit der Haltung der gestrengen Eltern, die ihre Kinder, mit dem Verweis auf das größere Wohl, mit starker Hand erziehen. Wie schon gesagt - ich plädiere aber, eben mit dem gleichen Verweis, für eine besonnenere Lösung: Lasst uns diese „Kinder“ doch mit an den Tisch holen und ihnen die Gegelenheit geben, sich zu erklären und um Hilfe zu bitten. Ihnen diese Hilfe aufzwingen können wir immer noch.“ Bendan von Zillingen schaute mit wichtigem Blick nun in die ganze Runde und nickte der jungen Velbergerin im Besonderen zu, bevor er weiter sprach und weder Geshla noch Wallbrord etwas entgegnen konnten. „Deshalb biete ich mich höchstpersönlich als un- und überparteilichen Überbringer unserer Einladung, ihr dürft es auch gerne Vorladung nennen, an. Eine Aufgabe, die mir schon des öfteren zugedacht war und die ich trotz aller Widrigkeiten auch durchaus schon gut erfüllte.“

Die Baronin von Gnitzenkuhl wollte sich in dieser Diskussion aber nicht völlig das Heft aus der Hand nehmen lassen und hielt dagegen: „Ihr? Nein, das könnte Euch so gefallen. Ihr sprecht von einem neutralen Boten mit Fingerspitzengefühl und stellt dann Euch voran? Doch seid ihr doch weithin als viel zu nachsichtig mit diesen Streithähnen bekannt. Außerdem…“ Der Redeführer Zordan von Rabicum, der sich, wie auch Aldron von Firunslicht und der schweigsame Gast, bisher eher aus der Diskussion herausgehalten hatte, unterbrach sie an dieser Stelle, weil er keinen offenen Schlagabtausch zwischen den Parteien haben wollte. Er sah, dass die Baronin die Ansprache des Zillingers nicht gut aufgefasst hatte und auch der Baron von Vellberg sich anschickte, dazu noch etwas zu sagen. „Meine verehrten Anwesenden, wir müssen schnell handeln, das sehe ich wie die Baronin, doch muss ich dem Reichsvogt ebenfalls zustimmen, daher wird die Markgrafschaft selbst einen Boten aussenden, so dass die Dringlichkeit bei den Nebachoten auch erkannt werden mag, alle anderen bitte ich hier zu verweilen, denn ich erwarte eine schnelle Antwort aus den betroffenen Regionen. Derweil werden Oberst Zillingen nebst Oberst von Löwenhaupt-Berg und der Heermeister über eine sinnvolle Verteilung der Truppen für Hilfesuchende wie Gnitzenkuhl und ebenfalls Perrinmarsch nachdenken und auch über evtl. „Friedenstruppen“ in den direkt betroffenen Baronien, ob sie nun erbeten werden oder nicht, dazu möchte ich ausgearbeitete Vorschläge sehen, was danach mit Gaulsfurt und solcherlei Dingen passiert, wird sich nach einer genauen Aufarbeitung zeigen und der Markgraf wird entsprechend darüber befinden. Alle anderen Dispute und Fragen möchte ich auf später verschieben, da wir nun Dringlicheres zu erledigen haben. Sind alle damit einverstanden?“ Die Anwesenden nickten, auch wenn einige unter ihnen eher ein verdriesliches Gesicht dabei aufsetzten.

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