Die Katastrophe (Al’Katas Pu’ranuth) - Reden über die Nebachoten, ohne Nebachoten I

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Reichstadt Perricum, Markgräfliche Verwaltung, Mitte/Ende Hesinde 1039 BF

Dramatis Personae:

Auch der Letzte unter Ihnen war vor wenigen Stunden eingetroffen, Bendan von Zillingen hatte sich offenbar Zeit gelassen für seine Anreise und so hatten die anderen 2 Tage auf ihn warten müssen. Zu aller Verärgerung, vorallem zu jener der Baronin von Gnitzenkuhl, die den Reichsvogt von Gerbenwald in den letzten Tagen ohnehin nicht mit vielen guten Worten bedacht hatte. Angesichts seiner Tatenlosigkeit, oder wie er es nannte Neutralität, beim zu besprechenden Konflikt. Und wie sie immer wieder betonte, war dies eine neue Neutralität des Gerbenwalders, anders als seine steten Bemühungen die Markgrafschaft zu einen. Sie war gleichgültiger, mutmaßte sie stets. Wo ihr aber vorallem der Baron von Vellberg widersprach, aber auch die anderen, in der Vehemenz wie sie die Gnitzenkuhlerin an den Tag legte. Trotzdem war man glücklich endlich beginnen zu können und empfing den Reichsvogt und Obristen mit guter Miene. Denn es wurde auch Zeit, seit den Schreiben des Seneschalls hatte sich die Situation wahrlich nicht verbessert. Es gab Gerüchte um den Tod, ja sogar die brutale Hinrichtung Hamar Cherk’avars, als unverbesserlichen Erzverräter, während vor allem Haselhain und Brendiltal noch immer im Ausnahmezustand waren. Und damit alle anderen nebachotisch geprägten Landstriche mit sich zogen und die Konflikte sich verhärteten, wenn auch die Resourcen der Parteien zu Grunde gingen und das die Härte des Konflikts nicht aber den Konflikt ansich etwas dämmte.

Deshalb kam man gleich nach dem üppigen Mahl und einer kleinen Verdauungspause im Salon auch gleich zum Thema. Der Seneschall eröffnete somit den hochoffiziellen Teil des Abends: „Verehrte hohe Gäste, wir sind leider nicht nur zum Vergnügen in diesen alterwürdigen Räumen unser gloreichen Hauptstadt eingekehrt, sondern es ist Dringliches zu besprechen, welches nicht länger Aufschub duldet. Denn zu lange haben wir gewartet und daran geglaubt unsere nebachotischen Nachbarn würden ihre Krise allein bewältigen. Eine Krise die nicht von ungefähr kommt, wir alle kennen die Umstände. Deshalb habe ich dieses Treffen einberufen. Ein Gesuch der Baronin von Gnitzenkuhl gab hierfür den allerletzten Ausschlag. Deshalb bitte ich zu aller erst Euch, Euer Hochgeboren, Bericht zu den Umständen zu erstatten und Eure Einschätzung abzugeben.“ Dabei deutete er bedeutungsvoll und mit gewohnt wichtiger Geste in Richtung der Angesprochenen und ihres Gastes, den Junker von Gaulsfurt.

Geshla deutete eine kleine, ehrerbietige Verbeugung an, bevor Sie sich überraschend schnell den Versammelten zuwandt.
"Der Brief, von dem Seeneschall von Rabicum hier sprach wurde von mir bereits am 3. Hesinde auf den Weg gebracht. Seitdem hat sich die Lage nicht wirklich entspannt. Unter großem Aufgebot unser vereinten Waffenfähigen haben der Junker von Gaulsfurt, sowie die Baronie Gnitzenkuhl dafür gesorgt, dass nun die Reichsstraße auch wieder sicher genutzt werden kann, in dem Bereich, den wir kontrollieren. Es kam zu einigen Kampfeshandlungen, die unschön, aber nötig waren um klare Grenzen aufzuzeigen und die praiosgefällige Ordnung wieder durch zu setzen. Behauptungen von waffenstrotzenden und lächerlich bemalten Nebachoten, flüchtenden Anhängern Borbarads auf den Fersen zu sein, oder "Besuche" bei der nebachotischen Verwandschaft absolvieren zu wollen, sind nur einige Beispiele von alltäglichen Vorkommnissen an den Grenzen. Ähnlich kompromissloses Handeln von Haselhainer Seite wäre zu begrüßen, ist aber in keinster Weise zu beobachten. Hier fraternisiert man sich nach wie vor mit den Nebachoten und versucht durch Ruhe und Besonnenheit, manche würden auch Nichtstun dazu sagen, den Sturm zu überstehen. Gleiches gilt, in abgemildeter Form übrigens für Gernwald. Ich fürchte nur, dass dabei vergessen wird, dass der Baron Haselhains nur ein Kind ist. Wenn die Gerüchte stimmen hat der selbst ernannte Nachfolger des Brendiltaler Barons wenig Skrupel unmündige Adlige einfach zu entmachten und sich selbst auf den Thron zu setzen. Wie lange wollen wir diesem Treiben noch tatenlos zusehen? Wir machen uns damit zum Gespött des Mittelreiches, wenn wir diese...diese... Personen derart agieren lassen! Sie treten geltendes Recht mit Füßen und bringen zur Unzeit Unfriede. Wir müssen handeln!"

Wallbrord hatte Geshlas Worten mit unbewegter Miene gelauscht, bevor er, um einen betont sachlichen Tonfall bemüht, selbst das Wort ergriff. "Ihr habt den Sachverhalt sehr gut auf den Punkt gebracht, werte Geshla. Oder noch einfacher gesagt: Die Lage im Süden unserer Provinz droht außer Kontrolle zu geraten und in eine Art nebachotischen Bürgerkrieg umzuschlagen. Wenn wir nicht schnell handeln wird aus diesem Feuer nur allzu schnell ein Flächenbrand, den wir so schnell wohl nicht gelöscht bekämen, zumal wir mit dem verderbten Haffax noch jemanden vor der Tür stehen haben, dem dieses Chaos, gewollt oder nicht, wunderbar in die Karten spielt. Wer von diesen Nebachoten was warum tat oder nicht tat, sollten wir später klären, jetzt gilt es rasch im Namen des Markgrafen und im Sinne Perricums zu handeln und eine markgäfliche Streitmacht gen Süden zu schicken; vielleicht genügt ja schon deren schiere Präsenz, um diese Verrückten dort zur Räson zu bringen. Vier oder fünf Banner sollten hierfür genügen. Was meint Ihr?" Mit diesen Worten blickte der Baron zu Vellberg nacheinander die übrigen Anwesenden an.

"Und dann?" Auf der Stirn des Heermeisters hatte sich einmal mehr seine charakteristische Falte gebildet. In diesem Fall war der Grund offenbar ein gewisser Unmut. Aldron von Firunslicht wirkte müde und war während des Essens selbst für seine Verhältnisse recht kurzangebunden gewesen. Wer ihn kannte, konnte die Anspannung deutlich erkennen. "Tatendrank in Ehren, Wallbrord. Aber so einfach ist es nicht. Ohne formales Gesuch der Barone müssen wir abwägen. Die Nebachoten haben ihre Privilegien, was Ihre Angelegenheiten angeht. Fünf Banner sind kein Fall für einen eifrigen Leutnant!" Der Firunslichter betonte die letzten Worte deutlich. Den Anwesenden kam so schnell der Vorfall um den wasserburger Baron in den Sinn, die unter seinen Standesgenossen für einigen Unmut gegenüber markgräflichen Offizieren geführt hatte. Und dann war da auch noch der letzte Versuch des Vellbergers, in Brendiltal zu intervenieren, jener Vorfall, der überhaupt erst zur Bestallung eines Heermeisters geführt hatte und in dem das Bombardenregiment eine unrühmliche Rolle gespielt hatte.
Nach einer nur kurzen Pause fuhr er versöhnlicher, aber auch mit Zweifel in der Stimme fort. "Wenn die denn reichen, mehrere hundert potentielle Aufrührer in Raison zu halten. Leichte Kavallerie ist mit Infanterie und Geschützen im offenen Feld schwer zu behindern. Potentielle Ausgangspunkte für diese Aktionen können wir gegen die örtlichen Vasallen des Markgrafen auch nicht einnehmen und kontrollieren. Von einem Hilfegesuch aus Brendiltal oder Haselhain weiß ich nichts." Er sah kurz zum Seneschall hinüber, der ebenfalls ein leicht säuerliches Gesicht machte. "...und hinzu kommt, dass die Lage ausreichend unklar ist. Wer ist denn der Gegner? Wir können ja schlecht ein Drittel der Untertanen seiner Erlaucht angehen..."
Ein kurzes Räuspern, dann setzte er noch versöhnlicher an: "Was wir können, ist, die zu stützen, die um Hilfe ersuchen." Dabei sah er zu Geshla hinüber. "Und wir können natürlich die Lande des Markgrafen schützen. Perrinmarsch teilt zum großen Teil Haselhain von Brendiltal. Nichts spricht dagegen, den Edlen von Peirrish samt seiner Schwadron und einigen Verstärkungen nach Hause zu schicken. Bislang jedenfalls zeigt er kein Anzeichen, dass auch sein Blut mit ihm durchgeht."

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