Die Katastrophe (Al’Katas Pu’ranuth) – Beerdigungsriten

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Brendiltal, Anfang Efferd 1039

Fassungslos blickte sich Malina das widerliche Schauspiel an. Sie wollte nicht gesehen werden. Die Kriegerin, die zu Aurel dem Säufer gehörte, so wollte sie nicht in Erinnerung bleiben. Angewidert blickte Sie hinüber, wo er inmitten seiner sogenannten Freunde saß und den Tod des Vaters …nun, an sich sollte er ihn draußen mit den anderen Männern rituell und blutig betrauern, aber er betrank sich nur. Wie ein lauernder Berglöwe oder nein, ein Skorpion, stand Martok im Hintergrund und führte immer wieder leise Gespräche mit Bewaffneten. Ihr waren am Vorabend schon böse Blicke zugeworfen worden, als Sie angereist war. Die Kinder waren ganz verschüchtert, später dann aufmüpfig geworden, als ihr Vater, trunken wie er war, sie allen vorgestellt hatte. Sie hatten sich geweigert an seiner Seite zu bleiben. Ihr würde etwas einfallen müssen, wenn sie die zwei Wachen umgehen wollte, die Martok nur „zu Ihrer Sicherheit“ vor Ihrer Kammer abgestellt hatte. Trotz, der altbekannte Freund vergangener Tage, machte sich in ihr breit. Wieso umgehen? Hier galt ja scheinbar das Gesetz des Stärkeren, und wenn sie eines war, dann stark! Entschlossen ging sie in die Räume der Frauen, und holte sich mehrere schwarze Schleier, hinter denen sie wunderbar verborgen bis an die beiden Häscher gelangen würde. Sollte einer dieser Kerle sie aufhalten wollen, dann würde er den nächsten Hahnenschrei nicht mehr erleben.

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Der Ritt im Morgengrauen war schier halbsbrecherisch gewesen, und sie musste für ihre Weiterreise ihre Stute gegen ein anderes Pferd tauschen. Darian war noch müde gewesen, und hatte sich beklagt über die frühe Stunde und das Tempo. Doch die Entschlossenheit seiner Mutter hatte ihn schnell verstummen lassen. Von den beiden Wachen an der Tür hatte er nichts mehr gesehen, darum hatte sie sich schon gekümmert. Endgültig! Der Bursche hatte schon mit seinen 5 Götterläufen ein gutes Gespür für ihre Stimmungen entwickelt, und auch für Gefahr. Sie drückte ihn jetzt liebevoll an sich und betrachtete sein zartes Kindergesicht. Doch was blieb ihr anderes übrig? Wehmütig blickte sie jetzt weiter in die erwartungsvollen Gesichter all der Reshminianer, die hier ausgeharrt hatten. Nachdem sie vernommen hatten, dass ihr Bundesherr, der Herr der Pferde, Herr ihres Hauses, Eslam von Brendiltal tot war.

Sie haßte Lügen, Trug und Schmeicheleien, also besann Sie sich auf die alten Tugenden und sagte:

„Wir werden hier nicht weiter willkommen sein. Nicht in dem Eid, mit dem wir alle unseren Dienst für Perricum geschworen haben. Ich kann Euch nicht hieraus entlassen, noch kann ich alleine entscheiden, wohin uns unsere Aufgabe nun führen sollte. Darum werden wir das Bundeshaus verlassen, und dorthin reiten, wo jener weilt, der den Gedanken eines geeinten raulschen, darpatischen und nebachotischem Perricums noch im Herzen trägt. Wir reiten zum Arvepaß zu Aldron von Firunslicht. Es gilt erhöhte Alarmbereitschaft! In einem viertel Stundenglas ist Aufbruch, nehmt nur das nötigste mit, sowie Verpflegung und Zelte! Ihr könnt weg treten.“

Sie fühlte die verwunderten Blicke einiger Vertrauter, doch sie drehte sich rasch weg. Noch nicht wollte sie ihnen sagen, woher die Gefahr kam. Zu wenig wußte Sie selbst über das, was ihre nahe Zukunft ihnen bescheren würde. Doch im Kreis der Bundesbrüder fühlte sie sich sicher, noch!

Mit Einbruch der Dunkelheit hatten Sie bereits Dergelmund hinter sich gelassen und das Lager auf der anderen Darpatseite aufgeschlagen. Möge Rondra über das Land der Pferde wachen! Dachte Malina, als sie den Wachdienst einteilte, und schließlich Perricum den Rücken kehrte und hoch in das Dunkel der Berge blickte, wo sie die alte Feste aus vergangenen Tagen ahnte. Angareth, wir kommen!

Autor: Nicole R.