Die Jagd in Breitenhof - Teil 1

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Greifenfurt, Baronie Greifenhorst, Junkerngut Breitenhof

Bleierne Schwärze hing über der einsamen, dunklen Gestalt, die regungslos auf dem breiten Bett saß. Eine absolute Stille, die wohl der in Borons Hallen ähnlich sein musste, hüllte den Raum ein. Die Gestalt streckte sich vorsichtig, es war erst wenige Stunden her, dass sie den Atem Golgaris gespürt hatte.

Ein zartes Klopfen an der Tür ließ den Kopf der Gestalt herumfahren.

„Herein,“ erklang die harte Stimme des Mannes. Die Tür öffnete sich einen Spalt breit und helles, warmes Kerzenlicht schnitt durch die Finsternis. Der Kopf eines in ein einfaches dunkelgrünes Kleid gewandetes Mädchens schob sich durch die Öffnung.

„Herr. Es ist soweit.“

Müde erhob sich der Mann und nickte kurz. Dann folgte er ihr, noch einmal die schmerzenden Rippen und den verletzten Arm betastend, der nun in einer weißen Schlinge ruhte.

Dumpf hallten die schweren Schritte der nun wieder sauberen Stiefel auf dem Steinboden des Herrenhauses. Die Magd öffnete die Tür zum Esszimmer, welches prächtig dekoriert war. Die alten Holztische waren in Hufeisenform angeordnet, Weinpokale, Bierkrüge und zahlreiche Karaffen standen bereits auf den Tischen. Ein blutrotes Leinentuch war als Tischdecke über die Tafel gespannt und verlieh dem Anblick der Festtafel eine ernste Note. Noch war viel Platz auf den Tischen, doch schon bald würden sich die Balken biegen, wenn Brot, Gemüse und saftiger Braten kredenzt würden.

Der Junker von Breitenhof lächelte müde und drehte sich zu seiner Magd um. Er zuckte kurz zusammen und verzog das Gesicht, denn die linke Körperseite schmerzte höllisch. Das heilkundige Kräuterweib hatte seine Sache gut gemacht und die Haut wieder zusammen genäht. Die gebrochenen Rippen jedoch, mussten von selbst heilen.

„Enara, geh und gib den hohen Herren Bescheid, dass alles für den Festschmaus gerichtet sei. Und lass den Koch dann das Essen auftragen.“

Das Mädchen knickste artig und entfernte sich mit einem leisen: „Jawohl, Herr.“ Schon kurz darauf waren alle versammelt und Rondrigo händigte jedem seiner Gäste persönlich einen schweren, prall gefüllten Weinpokal aus.

Eslam von Brendiltal war dankbar, dass es endlich etwas zu Essen geben würde, denn der Tag war anstrengend genug gewesen. Während Yendor sich noch mit Grimmwulf, dem Forstmeister, über den neuen Bogen, den der Baron von Gallstein als Gastgeschenk erhalten hatte, unterhielt, hob der Junker von Breitenhof seinen Pokal.

Baron Otwin tat es ihm sofort gleich und rief: „Ja, lasst uns anstoßen!“ Die anderen Edlen hoben ebenfalls ihre Trinkgefäße. „Danken wir dem eisigen Herrn Firun für das Jagdglück und danken wir ebenfalls Rondra, dass sie uns beistand.“

Bei diesen Worten lächelte Yendor spöttisch und murmelte: „Jagdglück ist genau das richtige Wort.“

„Kommt, setzen wir uns, man wird sogleich mehr Speis und Trank bringen, auf das wir uns nach all diesem Unbill laben können.“ Rondrigo schritt auf die Tafel zu und nahm nach seinen Gästen Platz.

Wenige Augenblicke später begannen die Küchenbediensteten damit, dampfende Platten und Spieße herein zu bringen. Schnell füllte sich die Tafel und der würzige Duft von frischem Wild stieg den Adeligen in die Nase.

Mit großen Messern wurde das Fleisch geschnitten und auf die besten Teller verteilt, die in ganz Breitenhof existierten.

Man konnte wahrlich nicht behaupten, dass der Koch des Junkers ein versierter Könner war, der sich mit den Maîtres aus dem Horasreich messen konnte, aber er bereitete solide Mahlzeiten zu, die auch schmeckten.

„Wuos für ain Tag.“ Eslam setzte seinen Trinkpokal ab und lächelte breit. „Isch kann misch nicht ärinnärn solch ainä Jagdt schon ainmal ärläbt zu habä’n. Obwohl, zu Hausä habän wir die Färkinas...“

Otwin dachte kurz nach. „Ihr meint diese Wilden aus den Bergen, nicht? In gewisser Weise sind die wie Orks, nur etwas menschlicher, denke ich. Ich hatte früher auf meinen Reisen schon einmal das Vergnügen mit diesen Bergräubern, konnte damals die Sache aber für mich entscheiden, mit Rondras Hilfe.“

Eslam lächelte gefällig und nickte respektvoll, auch wenn bei den letzten Worten des Barons sich sein Gesicht zu einer Grimasse verzog.

Yendor stimmte seinem Freund aus dem Süden zu. Der Herr von Gallstein wirkte ernst und in seinen Augen blitzte kurz eine Eiseskälte, die Rondrigo einen unangenehmen Schauer über den Rücken jagte. „In der Tat Eslam. Es fing alles so harmlos an, aber ich verspreche euch allen, dass nach dem, was sich heute zugetragen hat, einige unserer Freunde,“ dieses Wort betonte er besonders und zog es mit verachtendem Spott in die Länge, „nicht mehr so ruhig schlafen werden!“

Der Junker lehnte sich zurück und brachte seinen vor Schmerz pulsierenden Arm in eine Position, die vorübergehend Linderung versprach. Yendor von Limpurg hatte Recht. Die Jagd hatte begonnen, wie der Junker es seit einigen Wochen sorgfältig geplant hatte ...