Die Faust des Grafen - Gen Feidewald

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Cavans Steg, 7. Peraine 1031 BF abends

Efferd erfreute das Land die letzten beiden Tage besonders großzügig mit seinem nassen Segen. Ulmenbert und seine beiden Begleiter kamen daher auch recht durchweicht im heimischen Kastell an. Ein Umstand, der die Laune des Junkers von Cavans Steg nicht sonderlich hob. Nach der zügigen Abreise hatte er noch eine ganze Weile lang innerlich gekocht und in Gedanken diesem aufgeblasenen Werdomar den Hals umgedreht. Hoffentlich hatte seine Familie die Schar der Waffentreuen bereit gemacht. Er wollte schon am nächsten Tag gen Feidewald aufbrechen.

Er sah in die Gesichter der versammelten Familienmitglieder. „Ihr habt euch sicherlich alle den Kopf zermartert über das Ziel, gegen das Graf Geismar losschlagen will. Nun, ihr werdet ebenso überrascht sein wie ich: Hadrumir von Schwingenfels auf seiner Burg Orbetreu soll mit oder ohne Waffengewalt nach Feidewald gebracht werden.“

„Der Schwingenfelser?“ echote seine Tochter Siglind ungläubig.

„So überraschend kommt das nun auch wieder nicht. Ewig konnte sich es Geismar nicht mehr bieten lassen, dass Hadrumir seine Befehle ignoriert“, erwiderte Ulmenberts Gattin Audora.

„Wie auch immer. Der Graf schickt uns unter anderem, um dem ein Ende zu bereiten“ erwiderte der Junker von Cavans Steg ein wenig ärgerlich.

„Wen hat er denn noch zu den Fahnen gerufen?“ wollte Siglind wissen.

„Nur diesen Almadaner Boraccio D’Altea mit einigen Bannern seiner Söldlinge. Ihr wisst schon, der der für die Einnahme des Guts Hohenkamps verantwortlich war und letztes Jahr einen guten Teil der gräflichen Truppen stellte, als die Erscheinung Gräfin Thuronias – Boron hab sie selig! – eine Schlacht verhinderte. Ach ja, Ludorand von Schwingenfels wird uns begleiten.“

„Na da wird dein verlotterter Haufen aber armselig daneben aussehen mein Sohn!“ sagte seine Mutter Irmine, die kurz zuvor durch die Türe geschlurft war.

„Danke Mutter, ohne dich wäre mir das niemals aufgefallen“, erwiderte Ulmenbert bissig und erntete einen missbilligenden Blick dafür.

„Ich hoffe, ihr habt alle Vorkehrungen getroffen?“ wandte sich Ulmenbert wieder fragend seinen restlichen Angehörigen zu.

„Natürlich die Ausrüstung und Vorräte sind vorbereitet, die Waffentreuen zum Dienst gerufen und sollten morgen früh abmarschbereit sein“, antwortete Siglind sofort eifrig.

„Wie viele werden es sein?“ wollte ihr Vater wissen. „Nun wie immer fallen natürlich einige wegen unterschiedlichster Gründe aus und alle konnten wir schlicht nicht einziehen… Es sind aber immerhin 37 dazu Edo, Rank und Doride als Waffenknechte zusammen mit Onkel Kunrat und mir. Für 9 davon ist es das erste Mal, die anderen haben zumindest schon einmal einen Heerbann begleitet.“

„Gut. Teile unverzüglich allen mit, dass morgen pünktlich zu Sonnenaufgang aufgebrochen werden soll!“

Zum Glück hatte es zu regnen aufgehört. Das hätte noch gefehlt, dass alle bis auf die Knochen durchnässt sind, noch ehe der Kriegszug richtig losging. Begeisterung war trotzdem in keinem der Gesichter zu sehen. Selbst diejenigen, die das erste Mal zu den Waffen gerufen wurden, hatten aufgrund der Ereignisse schon mehr Kontakt mit dem Krieg gehabt, als den meisten lieb war. Früher hätten wenigstens die noch so getan, als würden sie auf ihren ersten Kampf brennen. Da könnte auch Odilbert mit seinen abendlichen Liedern am Feuer wenig dran ändern. Auf jeden Fall schien das Ganze jetzt in Fahrt zu kommen. Ulmenbert gab seinem Hengst die Sporen und setzte sich an die Spitze des Zuges gen Feidewald.