Die Faust des Grafen - Auf Wiedersehen!

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Burg Orbetreu, 23. Peraine 1031 BF

„In wessen Namen begehrst Du Einlass?“ ertönte eine Stimme. Brinian von Allingen flüsterte die Losung leise: „Man sagte mir, dass Seginhardt von Schwingenfels einem Ritter stets Gastung gewährt.“ Man ließ ihn und Borstefred durch den Geheimgang ein.

Kurze Zeit später stand er dem Burgherren gegenüber. Im Raum waren weitere Mitglieder der Familie Schwingenfels sowie Offiziere anwesend. Brinian erkannte seine Tante Junivera, welche ihn veranlasst hatte, die Reise nach Orbetreu zu unternehmen. „Willkommen auf Orbetreu!“ sprach Hadrumir zu Brinian. „Dies sind Danaris, Voltan, Ludegar, Wolfhardt und Malmbert von Schwingenfels.“ Die vier nickten Brinian zu. „Und dies meine Korporale Bellenhofer und Karstrand!“ Auch die beiden Männer nickten. „Ich wünschte, ich würde Euch unter anderen Umständen empfangen.“ Brinian nickte. „Man muss die Dinge nehmen, wie sie sind!“ Hadrumirs Blick wurde ernst. „Wenn Ihr dies schon ansprecht, die Lage ist ernst.“ „Was meinst Du?“ fragte Borstefred direkt. Hadrumir schaute ernsthaft. „Seien wir ehrlich. Unser Plan war gut, doch wir haben unsere Ziele nicht erreicht. Wir haben es nicht geschafft, den Feind so zu schwächen, dass er zum Rückzug gezwungen ist.“ Borstefred nickte. Von den übrigen Anwesenden sprach keiner. Brinian schaute fragend. „Und was machen wir jetzt?“ Hadrumir schaute beide nickend an. Er seufzte schwer. „Wir geben die Orbetreu auf.“ Fassungslosigkeit stand allen Anwesenden ins Gesicht geschrieben. „Das können wir nicht tun!“ rief Voltan fassungslos. Hadrumir legte seinen Anderthalbhänder auf den Schreibtisch. „Wir können hier nicht gewinnen!“ Brinian verfluchte sich innerlich dafür, dass er versucht hatte, der Politik zu entfliehen. „Hadrumir hat Recht! Der Krämer auf Feidewald wird keine Ruhe geben, bis er Euch alle erledigt hat! Habt Ihr einen Rückzugsort?“ „Weizengrund!“ sprach Hadrumir. „Und wie wollen wir das bewerkstelligen?“ fragte Ludegar. „Karstrand! Ihr und Eure Männer werdet sofort mit einem Pfeilhagel beginnen! Benutzt alles, was wir noch haben! Und setzt Brandpfeile ein!“ „Zu Befehl!“ „Brinian! Borstefred! Ich muss Euch bitten, noch einmal zu reiten!“ Brinian überlegte kurz, doch dann nickte er. Voltan trat vor Hadrumir. „Du wirst jemanden brauchen, der hier bleibt und die Orbetreuer schützt.“ „Ich weiss, was Du vorhast, aber das kann ich nicht zu lassen!“ „Er ist nicht allein!“ Wolfhardt trat vor, Korporal Bellenhofer ebenfalls. Hadrumir schüttelte den Kopf. „Das ist ein Alveranskommando!“ „Wir werden Euren Rückzug decken.“ „Ich sagte Nein!“ rief Hadrumir, doch Borstefred legte ihm eine Hand auf seine Schulter. „Die Drei haben Recht! Nur so wird Dein Plan gelingen!“ Hadrumir nickte resignierend. „In Ordnung! Machen wir es so!“

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Wütend schleuderte Boraccio Schild und Helm zu Boden. Dem geschundenen Schild des Almadaners waren die heftigen Kampfhandlungen in der Vorburg anzusehen. In Richtung Ulmenbert, der sich zufällig in der Nähe befand, fluchte der Condottiere: „Dieser verdammte Bastard! Seine Reiter haben uns ganz schön abgelenkt. Und unsere Reiterei ist immer noch irgendwo versprengt. Aber dass er seine Vorburg wieder hat, wird ihm gar nichts nützen! Das Tor ist nicht mehr so stark wie zu Beginn und wenn wir wieder durchbrechen, dann sitzen nur noch mehr von seinen Leuten in der Falle. Morgen kommen wir wieder, aber dann direkt durch die Tür.“ „Je eher desto besser. Ich muss den Leichnam meines Schwagers bergen. Niederhöllen nochmal was musste Siglind auch ausgerechnet mit Hadrumir persönlich aneinander geraten!“ Die beiden Hauptleute begaben sich zum Katapult, wo sie bereits vom Geschütz-meister erwartet wurden. „Nehmt das Tor ins Visier! Wir haben die zusätzlichen Verstrebungen runtergerissen, einem ordentlichen Beschuß werden die Flügel auf Dauer nicht mehr Stand halten.“

Ein Trupp Söldner näherte sich ihrem Hauptmann, in ihrer Mitte eine Gefangene. „Verzeihung, Capitan. Wir haben da ein hübsches Mitbringsel aus der Burg, dass wir Euch gerne zeigen wollten.“ Der hochgewachsene Sergeant zeigte grinsend auf die gefesselte Eleona, die ihn finster anstarrte. „Ihrer Kleidung und dem teuren Schwert nach eine echte Domna.“ Boraccio musterte die Gefangene abschätzend. „Nun, schöne Domna, verratet Ihr uns Euren Namen?“ Das eisige Schweigen der Frau schien den Almadaner zu amüsieren. „Bringt sie in mein Zelt, oder was davon noch übrig ist, seit diese Maultiertreiber unserer Lager in Unordnung gebracht haben. Ich werde mich nachher noch näher mit unserem neuen Gast befassen.“ Ulmenbert sah der Frau hinterher und meinte zu Boraccio: „Euer Tag ist wohl glücklicher als der meine. Das ist niemand geringeres als Eleona von Schwingenfels, die Cousine Hadrumirs und die Schwester unseres schweigsamen Ludorands.“

Krachend schlug der nächste Stein auf das Burgtor. Die Flügel wackelten bedrohlich. Zufrieden betrachtete Boraccio das Schauspiel. Plötzlich setzte ein Pfeilhagel von der Burgmauer herab ein. „Alle Mann, die da vorne nichts verloren, zurückziehen oder hinter die Setzschilde!“ kommandierte der Condottiere. „Und der Rest tritt sofort hier an! Falls die Garethyas einen Ausbruch versuchen, werden wir sie gebührend empfangen. Und passt auf unseren Rücken auf, falls diese Eselstreiber wieder angreifen!“

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Brinian schaute die Männer an. „Noch einmal reitet, meine Freunde! Nur noch einmal!“ hämmerte der Satz Hadrumirs in seinen Ohren wieder. Brinian hob seine rechte Faust. Gespannte Ruhe legte sich auf die Ritter. Neben ihm flüsterte Bodebert: „Zeigen wir diesen Pferdeschändern aus welchem Schrot und Korn Hartsteener Ritter geschnitzt sind!“ Brinian nickte und ließ seine Faust nach vorne schnellen. Die Reiter trabten an.

Hadrumir schaute Ludegar an. Auf dem Tisch im Arbeitszimmer lag immer noch sein Anderthalbhänder. Ludegar reichte ihm den Anderthalbhänder, welchen Tanira ihm geschenkt hatte. Hadrumir gürtete sich mit dem Anderthalbhänder Taniras. „Warum lässt Du Deine Dir lieb gewonnene Waffe einfach hier?“ fragte Ludegar. Hadrumir lächelte. „Ich werde sie mir schon zurückholen. Das schwöre ich beim Blut unserer Ahnen!“ Ludegar schüttelte kurz den Kopf, doch Hadrumir klopfte ihm aufmunternd auf die Schulter. „Lass uns gehen!“