Deutung von Felans Traum - In Perricum

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Reichsstadt Perricum, Anfang Phex 1040 BF, Kloster des Vergessens

Felan von Schallenberg ließ das Pergament mit dem Antwortschreiben des Geweihten sinken und rollte es wieder zusammen. Zum wievielten Male, das wusste er nicht, aber es konnte wohl ein Dutzend Mal gewesen sein, seit er auf dieser steinernen Bank im Radgang des Klosters Platz genommen hatte.

Vor ihm erstreckten sich im Halbrund des Gartens ordentlich angelegte Beete. Auf diesen arbeiteten mehrere Frauen und Männer, deren Tracht sie als Schutzbefohlene der Noioniten auswiesen. Keiner von ihnen beachtete Felan. Auch die Rothaarige nicht, die unweit von ihm kniete und konzentriert Heilkräuter zwischen dem Unkraut jätete, während sie einem unsichtbaren Gesprächspartner detailliert von ihren Erlebnissen und Heldentaten erzählte.

Trotz der friedlichen Szenerie im Schein der Frühlingssonne wuchs Felans Ungeduld. Wie lange war es her, dass die heftig stotternde Frau – ebenfalls eine Insassin dieses Seelenhauses – losgegangen war, um Seine Gnaden Bishdaryan zu holen? Ob der Entschluss, ausgerechnet diese als Botin einzusetzen, eine absichtsvolle Entscheidung war, um die Geduld der Besucher zu prüfen?

Als der Baron kurz davor stand, sich zu erheben und sich seine Beine zu vertreten, tat sich endlich die schmale Pforte auf, durch die die Frau scheinbar vor Äonen entschwunden war. Eine Wolke schien sich vor die Praiosscheibe zu schieben, das Geräusch der Vögel und Insekten leiser zu werden, selbst die Stimme der Rothaarigen sank ab. Aus einem unerklärlichen Impuls heraus stand Felan nun doch auf.

Erst sah er nur die blau-schwarze Geweihtenrobe, dann das silberne Boronsrad auf der Brust, schließlich das kantige Gesicht mit den freundlichen, grauen Augen, die seinen Blick festhielten. Ein Gefühl der Ruhe und Zuversicht umfing und durchdrang ihn und verließ ihn auch nicht, als der Noionit direkt vor ihm stand und ihm die Hand zum Gruß reichte: „Seid willkommen, mein Sohn. Es ist schon eine Weile her, seit wir auf Perlenblick beim Bankett beisammen saßen.“

Bishdaryan wies auf den mit Küstensand bestreuten Weg, der in gedachten Speichen zwischen den Beeten verlief: „Lasst uns einige Schritte tun. Niemand wird uns stören. Und dabei erzählt mir, was Ihr in Eurem Traum gesehen habt.“

Felan folgte der Hand und ging auf den Weg. Er war so feine Art von Streugut nicht gewohnt, und er vermisste die glatten Fliesen und das Stroh von Burg Sturmwacht seiner Kindheit. Dennoch versuchte er sich nichts anmerken zu lassen, während er neben dem Geweihten ging und nach den rechten Worten suchte.

"Es fällt mir schwer, es richtig zu fassen, Euch zu erzählen… aber ich versuche es so schlicht wie möglich zu halten, ohne die Details auszulassen", begann er und räusperte sich dann nochmals, um die Stimme frei zu bekommen, die ihm jetzt schon belegt schien. "Habt Ihr von der Feidewalder Fehde gehört? Liegt ja nun schon einige Zeit zurück, aber es schien mir, als wäre es im Traum wieder wie damals gewesen. Meine alten Freunde, Bodebert von Windischgrütz und Peridan von Allingen sind an meiner Seite und wir reiten, um Geismars Anhänger zu jagen, jeder ein Schwert in der Hand. Allerdings..."

Er hielt kurz inne, als würde ihm erst jetzt auffallen, was so merkwürdig war. "Allerdings sind unsere Schwerter altertümlich. Nicht so, wie sie heute geschmiedet werden, aber fragt mich nicht nach dem rechten Zeitalter. Jedenfalls sind wir im Wald, in dem wir uns aufteilen, um den Feind einzukreisen, doch bald kann ich sie nicht mehr hören oder sehen, und ich finde nicht die Flüchtenden, und fühle mich gleichzeitig unwohl. Als würde ich beobachtet. Irgendetwas ist hinter mir. Etwas folgt mir und es scheint mir zu gefährlich, um mich ihm alleine zu stellen."

Felan umschrieb es mit Worten, die ihm nicht so unangenehm schienen wie das Eingeständnis, auf der Flucht zu sein. "Plötzlich bin ich zu Fuß, ich kenne die Gegend, denn neben mir fließt die Natter und am Hügelkamm zu meiner Linken ist die Stammburg der Schallenbergs, Sturmwacht zu sehen. Aber die Felsen… es ist… sie sind merkwürdig, purpurn, irgendwie krank, wenn Ihr versteht, was ich meine. Dazu erheben sich acht Gipfel über dem Natterntal und legen alles in Schatten. Meine Verfolger, es müssen mehrere sein, sind mir auf den Fersen. Der Untergrund ist nass und ich weiß ich kann ihnen nicht entkommen, also stelle ich mich zum Gefecht."

Felan blieb stehen, als würde ihm das helfen, sich besser zu erinnern. Er senkte den Blick zu Boden, auf die Spitzen seiner Stiefel konzentriert.

"Es sind Elefanten, aber irgendwie mit Stacheln, und große Minotauren. Sie stampfen schnell in meine Richtung. Ein schrecklich verstümmelter Ork auf einer Wolfsechse mit einem blutigen Hammer… und ich… ich rufe etwas… 'Korgond!'… und aus der Natter stürzen dutzende, hunderte geflügelte Echsen hervor. Und dann erwache ich stets."

Felan räusperte sich und blickte dann auf, um den Geweihten anzuschauen: "Euer Gnaden, was hat das zu bedeuten? Dazu sei gesagt, dass ich diesem Kult um dieses Korgond nicht viel abgewinnen kann. Ich glaube an die ZWÖLFgöttlichen Geschwister, wie die Kirchen es lehren, aber nicht, dass das Land sich irgendwie erhebt. Die Giganten sind doch weiter weg… in den Sicheln, nicht wahr?" Felan unterbrach sich. "Aber die Echsen… Ihr kennt die alte Sage vom Heiligen Nadrian? Hat es damit was zu tun? Ich… Ihr wisst auch, das unserer Familie Burg Sturmwacht verlustig ging, weil… egal, nur fürchte ich deswegen Schreckliches." Felan war ganz ungewohnt kleinlaut. Gerade weil der Boroni nicht viel sprach, wie es sich für einen Diener des Schweigenden geziemte, doch schien Felan dadurch selbst ins Plappern zu geraten, sodass er zuletzt den Mund hielt und auf Antwort wartete.

Vater Bishdaryan hatte aufmerksam gelauscht. Je länger Felans Bericht dauerte, desto langsamer waren seine Schritte geworden. Nun hielt er ganz an, direkt bei einer der steinernen Bänke im Klostergarten: „Bemerkenswert“, was das erste Wort, das er sprach. Dann nahm er auf der Bank Platz und bat Felan an seine Seite.

„Vorweg: Ihr tut recht daran, in Eurem Glauben an den Herrn Boron und seine göttlichen Geschwister standhaft zu bleiben. Durch die Zwölfe ist nichts verbindlich vorherbestimmt, vielmehr haben wir Menschen einen freien Willen, uns für das Gute zu entscheiden - oder dagegen. Vor solchen Entscheidungen könntet Ihr in naher Zukunft stehen, Hochgeboren. Welcher Art diese Entscheidungen sein könnten, davon vermittelt Euch euer Traumbild Eindrücke. Doch, und damit schließe ich diese Vorbemerkung, die guten Götter werden Euch durch ihre Lehren beistehen, die Ihr als Gläubiger verinnerlicht habt, den richtigen Kurs zu steuern, und so Euren Beitrag zu leisten, die in diesen Tagen noch immer geschundene, göttliche Ordnung wiederherzustellen.“

Als der Noionit eine Pause einlegte, bemerkte Felan, dass er ihm fast atemlos gelauscht hatte. Ein Teil der Last, die ihn seit dem Traum auf der Seele drückte, schien dabei zur Seite gerückt. Doch was bedeutete dieser?

Bishdaryan schien seine unausgesprochene Frage zu kennen: „Das zu verstehen, was Ihr im Traum gesehen habt, will ich Euch helfen. Bedenkt aber, dass ich dabei lediglich Euer Lotse sein kann: Traumbilder entstehen aus den dunklen Wassern Eures Unterbewusstseins. Sie verwenden Wissen, dass Ihr selbst bereits habt, um Euch etwas darzustellen, das ihr selbst interpretieren müsst.

Die altertümlichen Klingen, die Ihr im Traum gesehen habt, könnten ein Hinweis auf die zeitliche Ordnung des Erlebten sein. Fraglos bewegt Ihr Euch dabei in einer lange vergangenen Epoche, möglicherweise jener Zeit, in welcher der von Euch erwähnte Nadrian lebte und starb. Die Heiligenlegende ist mir wohlbekannt - doch dazu später mehr Überlegungen.

Dann die purpurne Färbung der Felsen, auf denen Eure Stammburg steht. Ihr wisst, dass dieser Ton mit dem Dreizehnten, dem Widersacher, verbunden ist. Da Ihr ein götterfürchtiger Mann seid, dürft Ihr das wohl als erst noch drohende Gefahr verstehen, nicht als bereits begonnene Korrumpierung. Gleichwohl kann dies auch eine Warnung sein, dass bevorstehende Entscheidungen, die Ihr selbst treffen müsst, schlechten Einfluss über Euer Land bringen könnten - viel weniger auf den ersten Blick offensichtlich als die dämonische oder echsische Bedrohung, die später in Eurem Traum erscheint.

Indes scheint Euch das Bild auch dies zu vermitteln: Die acht Gipfel tauchen Euer Heimattal in Dunkelheit, sodass Ihr noch nicht erkennt, was in Nadriansfurt und anderen Dörfern der Gegend geschieht - die Zukunft ist also offen und formbar. Die Zahlenmystik ist mir vertraut - und die Acht ist die Zahl des Herrschers, vier für die Herrschaft und vier für die Krone. Wer herrscht – vielleicht ganz wörtlich über das Tal zu Fußen Eures Burgbergs? - wird bestimmen, wie dessen Zukunft sich im Licht darstellt. Ist die Regentschaft über das Land um Burg Sturmwacht umstritten? Wer wird über das Trutzwerk und die umliegende Gegend herrschen – und in welcher Götter Sinne?

Dann sind da noch die Monstren und die Echsen. Falls ich die regionale Geschichte Eurer Heimat gut genug kenne, ist dies das Nachbild lange vergangener Schrecken: Hat nicht Nadrian gegen Chimärenmacher und deren Kreaturen gekämpft? Eine mögliche Deutung wäre, dass Euch selbst, als dem Träumenden, ähnliche Gefahren bevorstehen wie einst dem Heiligen – dessen Schicksal Ihr ja selbst mit dem Gesehenen in Verbindung gebracht hat. Eine andere Deutung könnte viel konkreter sein: Dass die Schrecken aus der Vergangenheit einst nur verbannt, doch nicht besiegt wurden – und wiederkehren könnten, falls sich schädlicher Einfluss über Euer Land senkt. Was davon erscheint Euch als wahrscheinlichere Möglichkeit?

Wie nun das im Traume von Euch selbst gesprochene Wort 'Korgond' in all dies passt?“ Bishdaryan holte tief Luft und rieb sich mit dem Zeigefinger über die dunklen Augenbrauen, ehe er fortfuhr: „Da bin ich noch unschlüssig. Das, was Ihr mir bislang beschrieben habt, lässt keinen Aufschluss darauf zu, in welchem Zusammenhang diese Legende mit Eurem sehr persönlich geprägten Traum steht. Wie versteht Ihr das? Und beschreibt noch einmal die Herausbrechen der geflügelten Echsen und den Moment, in dem Korgond gesprochen wird, möglichst genau.“

Mit jedem Wort des Mannes Borons wurde Felans unruhiger und, was er sonst nie tat, knetete nervös die Hände. Ein Mann, der sich freudig in die Schlacht warf für Götter und Kaiserin, schien selbst hilflos angesichts einer ungreifbaren Gefahr, die ihm zu bedrohen schien. Dass die Erläuterungen Vater Bishdaryans auch keineswegs eindeutig waren und gleichzeitig Entscheidungen abzuverlangen schienen, die ihm in ihrer Richtung nicht klar waren, machte es noch schwieriger für ihn. Aber natürlich horchte er besonders auf, als es um die Stammburg Sturmwacht ging.

"Euer Gnaden, es ist Euch bewusst, dass wir derzeit in der misslichen Lage sind, dass Rondradan von Rommilys-Nettersquell das Junkertum genommen hat und das heißt auch die Burg? Und er trägt eine Schlange, die Natternkönigin, im Wappen, was alleine schon in meinen Augen keine gute Sache ist, aber noch ungünstiger, wenn man sich eben jener Geschichten erinnert, die besagen, dass ein Schallenberger die Wacht über Burg Sturmwacht inne haben sollte, wenn nicht Schlechtes passieren soll. Außerdem gibt es mittlerweile seltsame Gerüchte über die Burg. Man hört vor allem kaum noch etwas über das dort eingesetzte Vogtpaar. Als hätten sie sich zurückgezogen aus der Öffentlichkeit. Ihr versteht, dass ich ein persönliches Interesse daran habe. Und was Eure letzte Frage angeht: Im Traume hebe ich die Arme, wie es wohl ein Beschwörer tun würde, und rufe das Wort 'Korgond' wie einen Zauber, worauf aus brodelndem Wasser die Echsen stürzen. Nicht dass es wirklich koche, sondern dass ich annehme dass es so viele Echsen sind, dass das Wasser so aufgepeitscht wird."

Wieder hielt er kurz inne, aber sprach weiter, bevor der Noionit etwas sagen konnte. "Wie ich das verstehe? Mir scheint, es hätte das Junkertum niemals an diesen Nettersqueller gehen dürfen. Warum auch immer und ob er daran mittut oder nicht, liegt Gefahr dort, wenn ich es nicht schaffe es zurückzuerhalten und die Gefahr abzuwehren, wie es einst der Heilige tat... und ja ich glaube auch tatsächlich, dass es wie damals eine reale echsische Bedrohung sein muss. Doch ich habe nicht die Macht, das Junkertum zurückzubekommen. Das Recht ist da nicht auf meiner Seite und solche politische Macht, es zurückübertragen zu bekommen, besitze ich nicht. Was soll ich nur tun?" Jetzt begann Felan hin und her zu laufen,, wohl ohne dass er es selber merkte und schaute den Geweihten bittend an, als würde der ihm handfesten Rat geben können.

Vater Bishdaryan zeigte keine Gefühlsregung. Seine Ruhe schien unerschütterlich zu sein, er wirkte fast ein wenig entrückt. Doch seine Stimme blieb klar und nüchtern: „Einen einfachen Rat, was Ihr tun sollt, kann, darf und will ich Euch nicht geben, Hochgeboren Felan. Als Diener der Zwölfe, der jenen helfen will, die an Geist und Seele leiden, habe ich eine höhere Agenda als die weltliche, und zugleich eine einfachere als die der Lehnsherrn. Ihr seid dazu berufen, zu entscheiden, zu führen und zu kämpfen – möglichst im Sinne Eurer schutzbefohlenen Untertanen und der zwölfgöttlichen Ordnung. So Ihr dementsprechend handelt, werdet Ihr nicht falsch tun, selbst wenn die Gefahr groß sein sollte.“

Der Geweihte legte seine Linke auf Felans ineinander gekrampfte Hände. Angenehm kühl war die Berührung, und sie nahm etwas Anspannung aus dem Baron. Einen Moment lang überlegte der, warum dieser Mann, dessen Schwielen an den Händen darauf schließen ließen, dass er einst gewohnt gewesen war zu fechten, dem Waffenhandwerk entsagt hatte.

„Zuerst erschien mir Euer Traum merkwürdig disparat, die alte Korgond-Legende nur lose in Eure Familiengeschichte gewoben. Aber Eure genaue Beschreibung seines Endes könnte folgendes nahelegen: Angenommen, es besteht keine temporale und kausale Abfolge zwischen Eurer Geste und dem Wort, dem unausweichlich scheinenden Gefecht sowie der angedeuteten Rückkehr echsischer Schrecken? Oder gar eine umgekehrte? Dann wäre es vielleicht so, dass Ihr selbst Euch mit der Legende befassen müsst, um die Möglichkeit zu erhalten, Euch dem zu stellen, was direkt mit Euch und Eurem Haus zusammenhängt.

Ihr sagt, Euch fehlt die Macht, das Junkertum Sturmwacht zurückzugewinnen. Ich sage, Euch fehlen noch die Mittel, das zu tun, was Euch nötig erscheint, um für das Wohlergehen jener einzutreten, die in jener Domäne leben, die wohl bis vor nicht langer Zeit Eure Familie beherrschte. In den Details der Ortsgeschichte bin ich nicht sonderlich gut unterrichtet“, räumte er ein. „Sie ist aus Sicht eines Geweihten auch nicht von hervorgehobener Bedeutung“, kam er von Schallenberg zuvor, der schon zu einer Erklärung ansetzte.

„Wenn Ihr weder mit Macht noch mit Recht das erreichen könnt, was für die Wohlfahrt der Menschen in dem Land sinnvoll erscheint, das Ihr als Euch zustehend betrachtet, so gibt es andere Wege. Womöglich zeigt Euch Euer Traum einen davon auf.

Ihr sagt, Ihr könnt dem „Kult“ um Korgond nicht viel abgewinnen. Indes, andere tun es – und auch in deren Träumen taucht das Wort auf – wenngleich unter anderen Vorbedingungen. Vielleicht müsst Ihr Eure Zweifel in dieser Sache eine Zeitlang ruhen lassen – diesen „Gläubigen“ Eure Hand zur Hilfe reichen, auf dass sie das erlangen, was ihnen wichtig ist. 'Hilf, so wird Dir geholfen', sagt die Heilige Mascha. Wenn Eure Standesgeschwister erkennen, dass Ihr sie unterstützt, wenn es notwendig wird, so sollten sie umgekehrt bereit sein, Euch bei Eurem Anliegen zu unterstützen. Das mag Euch bislang verschlossene Tore öffnen, die beim lauten Anrennen dagegen geschlossen bleiben würden.“

Felan runzelte die Stirn bei den Worten des Geweihten. Er gehörte einfach zu den Menschen, die zwar Praiostags in den Tempel gingen und überall im Tagwerk die Götter priesen, doch war er noch nie derart mit dem Wirken der Götter konfrontiert worden. Schon gar nicht mit dem BORons, dessen Hand er hier wirklich über den Geweihten auf sich zu spüren schien. Doch zugleich WOLLTE er daran glauben. Unter der beruhigenden Hand Vater Bishdaryans ballte er die Rechte entschlossen zur Faust.

"Ihr habt Recht, Vater. Es fällt mir schwer, es zu begreifen, doch ich weiß, dass ihr Recht habt. Ich fühle es. Und schwer wird es mir auch fallen andere um ihre Hilfe zu bitten", gestand er mit zu einer Grimasse verzogenem Gesicht. "Ich war nie gut darin das Knie zu beugen, wo auch das Schwert oder mein Willen die Dinge so biegen konnte, wie ich es brauchte. Doch ich denke ich weiß, was ich jetzt tun muss. Es wird nicht leicht, aber ich habe die Zwölfe immer verehrt und jetzt ist der Zeitpunkt, das Leben der Bürger Nadriansfurts und des ganzen Junkertums Sturmwacht über mein eigenes zu stellen, so wie wir einst bei Rondra und Praios schworen sie zu schirmen, so wie es ein Ritter tun soll. Und Euer Gnaden, Ihr sollt wissen, dass ich Euch dankbar bin. Wenn es irgendetwas gibt, was ich für die Kirche tun kann, dann will ich sehen was ich tun kann, um Eurem Wunsch zu entsprechen, gleich was es sei", fügte der Baron an und man konnte den beinahe heiligen Ernst in seiner Stimme hören, die seine Worte einem Schwur gleichkommen ließen.

Bishdaryan zeigte ein verstehendes Lächeln: „Wenn es mir gelungen ist, Euch ein Stück Weges zum Verstehen und göttergefälligen Handeln zu geleiten, so soll das vorerst Dankes genug von Euch sein.“

Er stand auf und wies auf den Durchlass, durch welchen er zuvor gekommen war: „Das Stundenglas füllt sich bereits. Falls Ihr in dieser Nacht ruhig und ohne Sorge schlafen wollt, so seid Ihr als Gast des Klosters willkommen, und ich lasse Euch eine Zelle zuweisen. Falls es Euch jedoch sogleich zurück auf Eure Burg zieht, so mögt Ihr unter dem Segen Bishdariels reisen.“ Der Geweihte schlug das Zeichen des gebrochenen Rades mit den Schwingen über Felan von Schallenberg.

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Texte der Hauptreihe:
K4. In Perricum
Phe 1040 BF
In Perricum
Korrespondenzen

Kapitel 4