Deutung von Elissas Traum - In Vellberg

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Baronie Vellberg, 20. Tsa 1040 BF

Deutlich später und unausgeglichener als sonst verließ Elissa vom Berg ihr Bett. Ihr Schlaf war sehr unruhig gewesen, doch war es nicht dieser Umstand, der sie übermüdet und etwas fahrig wirken ließ, sondern ein ungewöhnlich intensiver Traum.

Darin stand sie unter einem purpurnen Abendhimmel an einem Steilhang in ihrer Baronie an der Küste des Perlenmeers. An einer merkwürdig aussehenden Gruppe aus 20 Felsbrocken, unweit von Elissas Standort, brach sich das Meer mit schäumender Gischt. Ein lebloser Körper im Wasser unterhalb ihrer Position weckte ihre Aufmerksamkeit, woraufhin sie – unter großen Anstrengungen aufgrund ihrer fehlenden linken Hand – den Hang hinabkletterte, um mehr erkennen zu können. Unten angekommen stellte die Baronin fest, dass es sich bei dem Körper um ein nacktes Kind handelte, dessen Gesicht mit ihr unbekannten Zeichen bedeckt war. Rasch zog die Adlige es aus dem Wasser, doch anscheinend zu spät: Das Leben entwich bereits aus dem schlaffen Körper des Kindes.

Plötzlich befand sich Elissa im Herzen einer großen Stadt, das leblose Kind in den Armen, Furcht und Sorge im Herzen. Zahllose Menschen standen um sie herum, doch niemand schien von der Baronin Notiz zu nehmen. Ihre Hilferufe wurden ebenso ignoriert wie ihr Griff nach der Kleidung vorbeilaufender Passanten, um jene dadurch auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Selbst als die Offizierin fester zupackte und die Kleidungsstücke einiger Umstehender regelrecht in Fetzen riss, reagierte niemand auf sie. Dann entdeckte sie plötzlich zwei bekannte Gesichter: ihren Vater Wallbrord und ihren Halbbruder Ugdalf. Sofort eilte sie auf die Beiden zu und versuchte, sie durch Rufen auf sich aufmerksam zu machen. Doch als sie ihre Verwandten letztlich erreichte, standen an deren statt plötzlich zwei finster dreinblickende Nebachoten vor ihr.

Doch dann hatte Elissa eine Eingebung. So laut sie konnte, schrie sie ein einzelnes Wort in die Menschenmasse und abrupt wandten sich ihr alle Augen mit eindringlichen Blicken zu. Erfüllt von neuer Hoffnung wiederholte sie das Wort: „Korgond!“

Den ganzen Tag über – und auch die folgende Nacht – ging der Baronin dieser höchst eigentümliche Traum nicht aus dem Kopf, sodass sie oftmals unkonzentriert und abwesend wirkte, sehr zur Überraschung ihrer Umgebung, die ihre Herrin so bisher nicht gekannt hatte. Das letzte Mal, dass sie ein solches Ereignis dermaßen umgetrieben hatte, war nach ihrer Vision vom Berg Vellberg gewesen. Sich sicher, dass es auch in diesem Fall um weit mehr als nur einen wirren Traum gehen musste, überlegte die Adlige, wer ihr wohl bei dessen Deutung helfen könne, denn sie selbst wusste sich dieses Mal keinen Reim darauf zu machen. Naheliegend waren natürlich die Diener des Herrn Boron, von denen jedoch keiner in der Baronie weilte. Blieb also nur eine Reise nach Perricum, wo Elissa noch am ehesten Rat und Hilfe finden konnte. Und da sie sowieso in den nächsten Tagen eine Reise in die Capitale der Provinz geplant hatte, entschloss sie sich kurzerhand dazu, diese Unternehmung auf den folgenden Tag vorzuziehen, zumal Neugier und Ungeduld bezüglich der Bedeutung ihres Traumes immer größer wurden.

Am Tage nach ihrer Ankunft in der Stadt begab sich die Baronin gleich nach dem Frühstück in den Tempel des göttlichen Raben, wo sie ihr Anliegen schilderte und an Bishdharyan von Tikalen, einen Hüter Bishdariels, verwiesen wurde. Der Geweihte, so hatte man ihr gesagt, lebe und wirke im Kloster des Vergessens, unweit der Stadt. Umgehend suchte sie, in der Hoffnung, nun endlich Antworten zu erhalten, den Hüter auf.

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Texte der Hauptreihe:
K2. In Vellberg
20. Tsa 1040 BF zur morgendlichen Firunstunde
In Vellberg
Elissas Traum

Kapitel 2

In Perricum
Autor: Wallbrord