Der schützende Blick der gütigen Herrin - Des Nachts im Walde

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Der Klingensturm tobt, Golgaris Ernte ist groß. Wenn sich in Praios Antlitz ein Unbekannter zum Anführer erhebt, zerschellen die Chimärenhorden an der Mauer der Tapferen.

~ niedergeschrieben in den Aufzeichnungen der Perainenovizin Ophelia von Ochs im Götterlauf 1039 BF auf der Praiosburg [Urversion sehr gekritzelt, da sie das Schreiben erst lernte, im Götterlauf 1041 BF in Schönschrift nachgepflegt]

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Hartsteener Grafenhof, Praios 1042 BF

"Junge Dame, hast Du meine letzte Standpauke noch immer nicht verinnerlicht?" Rosshilde von Ibelstein, die erste Ritterin am Hofe, ließ der Erb-Baroness Rohaja von Ochs die Leviten. Lautstark und voller Inbrunst stauchte sie die Pagin zusammen. Auch diesen Wildfang würde sie noch gemaßregelt bekommen.

Wie zu oft in letzer Zeit verschwand die Pagin vom Hofe, ohne sich abzumelden, ohne dass jemand wusste wo sie sich aufhielt.

"Strafdienst, junge Dame, genau das wird Dich jetzt erwarten." Mit mahnendem Zeigefinger setzte Rosshilde ihre Maßregelung fort. Sie hoffte innerlich, dass sich das nicht irgendwann rächen würde, wenn sie einstmals ihrem Vater als Junkerin von Ibelstein nachfolgen würde und die kleine Rohaja Baronin zu Bärenau ist.

"Ja, Herrin, es wird nicht wieder vorkommen." Kleinlaut kuschte die Baroness vor der stattlichen Ritterin.

"Und nun noch mal, wo warst Du? Was hast Du angestellt? Und sag nicht schon wieder, du weißt es nicht." Rosshilde blickte das Mädchen scharf an.

"Ich weiß es wirklich nicht." "Rohaja, die Schonzeit ist vorbei. Wo warst Du?" "Ich weiß es nicht." "Gut, Du willst es mir nicht sagen, dann bleibt mir keine andere Wahl." Rosshilde schnürte ihren Gürtel ab und bestrafte ihre ungezogene Pagin. Einen Schlag für jeden der Zwölfgötter. Rohaja weinte und schrie vor Schmerz.

"Geh mir aus den Augen und der Latrinendienst ist Deiner für den nächsten Mond." Wutschnaubend verließ die Ritterin den Raum.

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"Ist Hardan wieder aufgetaucht?" Rosshilde bereitete nicht nur die junge Baroness Kopfzerbrechen.

"Nein, Hohe Dame. Von ihm fehlt jede Spur.", berichtete die Hausritterin Rondria von Greyfentrutz.

"Ist er abgehauen? Er kann doch nicht einfach so vom Dererund verschwinden."

"Möglich, er schien sich bei uns nicht wohl zu fühlen."

"Die Jugend von heute, dann beißt man sich durch und nimmt nicht einfach bei der erstbesten Möglichkeit Reißaus." Rosshilde schüttelte den Kopf. "Lass ein paar Wachen ausschwärmen, sie sollen ihn suchen."

"Mach ich. Ich habe dazu die Eltern informiert, sie sollen sich melden, wenn er zu Hause ankommt. Den erwartet eine Tracht Prügel. Die hat er sich auch verdient, genauso wie diese verzogene Bärenauerin."

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In der Nacht zuvor

"Für den Gesichtslosen." Das Messer fuhr in den Bauch des Jungen.

"Für den Purpurnen." Das Messer schlitzte ihm durch die Kehle.

"Für den Dreizehnten." Das Messer schnitt ihm ein Ohr ab.

"Für den Güldenen." Das Messer trennte ihm einen Zehen ab.

"Für den All-Einen." Das Messer durchtrennte ihm den Finger vom Handrücken.

"Du Allmächtigster aller Götter, nimm diesen Leib als Dein Geschenk. Nieder mit dem Zwölfen. Es herrsche der Dreizehnte."

Rohaja von Ochs - voll in Trance und nicht sie selbst - opferte den jungen Knappen Hardan von Erpelsberg. Sie, oder besser gesagt, dass was von ihr Besitz ergriffen hatte lockte den Knaben in den Wald. Der Dämon in ihr wurde immer stärker.

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Am frühen Morgen

Rohaja wachte vor ihrem Bett auf. Sie fühlte sich müde, als hätte sie nicht geschlafen. War sie überhaupt ins Bett gegangen? Warum war Blut an ihrer Kleidung? Nicht schon wieder fuhr es ihr durch den Kopf. Was passiert bloß mit mir, waren ihre Gedanken. Nicht zum ersten Mal konnte sie sich nicht erinnern, was in der Nacht geschehen war. Irgendetwas hielt sie davon ab, das Wissen aus ihrem Gedächtnis zu rufen.

Sie kniete sich vor ihr Bett und betete zum Götterfürsten. Möge der Herr Praios ihr Erleuchtung schenken.