Der Stachel des Mantikors - Ein neues Ziel...

Aus GaretienWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Auf der Suche nach keinem Kaiser

Langsam verschwand die Sonne hinter dem Horizont, und der Tag neigte sich dem Ende entgegen – dennoch, der Abend war heuer im Tsa noch zu jung, als daß man zu Bett gegangen wäre, doch er wollte die Tore der Stadt noch vor Einbruch der Dunkelheit erreichen, bevor sie geschlossen würden. So gab er seinem Pferd die Sporen und trieb es zur Eile an, auf des es die letzen Meilen schnell überwände.

Am Stadttor angekommen waren die Büttel derweil schon damit beschäftigt, die Tore zu schließen. Zunächst erschraken sie ob der schwarzgewandeten Gestalt im roten Umhang und griffen hastig zu den Waffen, doch als sie den neunfach gezackten Spieß erblickten, beruhigten sie sich wieder. »Die Leuin zum Gruße!«, schallte es ihm entgegen.

»Und Ihrem Sohne!« entgegnete er, während er seinen Rappen zügeltete.

»Wohin so spät?«

»Bin auf der Suche nach einer Kameradin, die sich hier aufhalten soll. Brauche aber zuvor noch ein Nachtquartier. Könnt Ihr mir eines empfehlen?«

»Kommt darauf an, was ihr zahlen wollt. Der Uslenhof ist sicher nicht Eure Kragenweite, mich dünkt, dort seid ihr nicht wohl gelitten. Versucht’s im Dukatenmaul; ist nicht weit vom Marktplatz, und auch nicht so teuer wie der Hof.«

»Dann will ich einmal sehen. Ach, noch eins: Kennt ihr eine Jessa Al Tern

Der Büttel schüttelte mit dem Kopf. »Nein, nie gehört.« Der schwarzgewandete Reiter ließ sich nicht anmerken, daß er bemerkt hatte, wie der Büttel bei der Nennung des Namens zusammengezuckt war...

Kaum dass der Reiter verschwunden war eilte der Büttel in die Wachstube am Tor. »Lauf hinauf zur Burg und berichte, dass ein Reiter nach der Korporalin Jessa gefragt hat«, beauftragte er seinen jungen Kameraden, der sich noch in der Lehrzeit befand. Jener erhob sich, griff nach Mantel und Laterne und eilte hinauf zur Burg Greifenklaue. Er ahnte jedoch nicht, dass er zu spät kommen würde...

Rupian Holdinger marschierte, ein fröhliches Liedchen pfeifend, vom Söldnerquartier in die Stadt hinauf. Der Baron hatte Freigang erteilt, nachdem das dritte Rudel seinen letzten Auftrag mit Bravour ausgeführt hatte. Nun saßen die anderen in der warmen Stube beim Bier zusammen, doch ihm war nach anderer Gesellschaft zumute. Also stiefelte er hinauf zum Marktplatz, um sich im Spielhaus "Zum Becher" einen gemütlichen Abend zu machen. Vielleicht war ja auch die dralle blonde Schankmaid wieder da, auf die er bei seinem letzten Besuch ein Auge geworfen hatte.

Hinter ihm ertönte mit einem Mal Hufgetrappel. Neugierig blickte er sich um und sah den schwarzen Reiter im roten Umhang, und der Spieß war im letzten Licht des vergehenden Tages gerade noch gut genug zu erkennen. Er nahm Haltung an. »Kor zum Gruße, Euer Gnaden«, sagte er, als der Reiter sein Pferd an ihm vorbeilenkte, denn er hatte ihn an seiner Waffe unschwer als ein Priester des finsteren Rondrasohnes erkannt.

»So sei es«, entgegnete jener und ließ sein Pferd halten. »Könnt Ihr mir wohl den Weg zum Dukatenmaul weisen?« Holdinger nickte und wies mit der Hand die Straße entlang. »Einfach hier die Straße weiter, am Marktplatz vorbei, und dann zweimal links herum.«

»Seid bedankt. Halt, noch eins: Kennt Ihr eine Jessa?«

»Sicherlich, wenn ihr eine Söldnersfrau meint. Der Baron hält große Stücke auf sie. Zumeist schläft sie auch auf der Burg...« entgegnete der Söldner.

»Ich denke, das ist sie. Auf der Burg, sagtet Ihr?«

»Jaja.« Mehr murmelnd fügte er hinzu: »Dann ist es also doch wahr...«

Der Reiter stutzte »Was ist wahr?«

»Man munkelt, das die Jessa zu Euresgleichen gehöret...«

»Soso, das munkelt man also. Nun, es könnte die Wahrheit sein!« Er versuchte, diese Auskunft wie eine Bemerkung klingen zu lassen, doch es hörte sich eher nach einer Feststellung an. »Nochmals Dank!« sagte er und lenkte sein Pferd weiter. Der Weg zur Burg, die man von weither sehen konnte, war leicht zu finden, und jene würde sein nächstes Ziel sein...