Der Prinz und das Land - Füchse sind gar keine Rudeltiere

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Irgendwo zwischen Garetien und Greifenfurt, Peraine/Ingerimm 1041 BF

Selo ließ sich die Sonnenstrahlen des späten Frühlings auf das breitgrinsende Gesicht scheinen, während er, einen Weinpokal gefährlich lapidar in seiner Hand balancierend, die Beine ausstreckte. Ach, die Ritter- und Tuerneyfahrt, was für eine wahrlich inanitäre und doch so erquickende Beschäftigung. Während das eigentliche Turneigehabe, samt Schwert und Lanze, so gar nicht in seinem Fokus lag, vergnügte er sich viel lieber beim Bogenschießen oder dem noch viel amüsanteren Flanieren, Debattieren, Brüskieren und derlei Gehabe. Vorallem hielt er sich gern im Kreise seiner Entourage auf und natürlich im Dunstkreis "seiner Großfürstlichen Majestät" auf. Welch prächtiger Bursche nun schon, innerhalb nur eines schnöden Götterlaufes, aus dem Spross seines Alten Freundes und Bücherwurm geworden war. Ein Knappe, ein Ritter, ein Großgaretier, ein Großfürst, der einem so edlen Rudel Vorbild und Hoffnung zugleich war. Seinem Vater als Spieler des großen Spiels nur zum Wohlgefallen, wie konnte es anders sein? Der gockelhafte Baron grinste schelmisch-xeledonisch. Sigman, an dessen Ohr er stets nur so von Tugend, Rittertum und Größe sang, würde ein wahrlicher Lichtschimmer am Himmel seiner Familie werden. Gut, das könnte natürlich letztlich zu ein paar Konflikten mit dem Herrn Vater etc. führen, aber wie konnte der stattliche und doch immer graue Alarich letztlich schon gegen den Glanz seines eigenen Blutes in strahlender Ritterrüstung anstinken, wenn Sigman erst einmal so weit war? Überall war der Name des Jungen schon im Munde des einfachen Volkes, als neuer König Alrik im großfürstlichen Gewand. Dafür hatte das Rudel und sein Anhang bereits gesorgt, mit pompöser Ritterlichkeit, Edelmut, Barden, Turnieren und all diesem Zeug. Auch Selo hatte seiner Gemahlin im fernen - neben seiner Obsession längst verblassten - Haselhain aufgetragen, im nächsten Jahr ein Turnier zu Ehren des Füchsleins auszutragen, dazu wollte man organisieren, dass er die neue Brücke mit einweihte und natürlich dem Rothandfelsen - als Heroldsort Korgonds - einen Besuch abstatten. Perricum - nur selten spürte er Wehmut, nicht wegen dem Landstrich, der ihm schon immer undankbar war, seine Familie war es, doch musste sie hinter dem hier zurückstehen. Dieses Werk, in all seinem Spott war das Wichtigste.

Das einzige was den Witz schmälerte waren diese nervigen, besonnenen und verzweifelt tugendhaften Mitfüchse, die dem großfürstlichen Füchslein vermeinten noch etwas über die wahren Rittertugenden und Heldenmut beibringen zu können, als würde er diese nicht schon verinnerlicht haben, gerade das war doch der Steigbügel, den er erklomm. Ein kurzes, ungewolltes, etwas krächziges Lachen entfuhr dem Gockel, so dass er sich selber erschrak und er sich umschaute ob es auch niemand mitbekommen hatte, solche Peinlichkeit. Doch alle schienen mit sich selbst beschäftigt, natürlich, das war es ja, dachte er, als er den heruntergefallenen Weinpokal aufhob.

Denn die Szenerie erinnerte ihn, mit einem lachenden und einem weinenden Auge einer Theatermaske, an sein früheres Leben, in Gareth und der Sighelmsmark, als Geschöpf des Hauses Gareth-Sighelmsmark. Doch dieses Mal war es anders, er hatte nun seine eigenen Geschöpfe - Sigman, Obarin - alle spotteten sie ihren Ahnen, weil sie über diese hinauswachsen würden. Dies verlieh dem Baron von Haselhain Genugtuung, die seine tiefvergrabenen Zweifel überstrahlte. Ohnehin war der Zweifel etwas für diejenigen die an die Vollkommenheit glaubten, ein Hohn war sie. Doch wo der Spott war gab es keinen Zweifel, nur den Moment. Leise vor sich hinkichernd, schwang Selo sich theatralisch auf und bahnte sich einen Weg zum Zelt seiner Entourage und dem des großfürstlichen Prinzen, während sich sein breitgrinsendes Kichergesicht wieder in das des Perricumer Edelmannes formte. Er liebte es.