Der Prinz und das Land – Zwiesprache unter Gleichgesinnten

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Burg Aldengrund, Baronie Aldenried, Anfang Rahja 1040 BF:

Licht flutete durch die großen Fenster rechts und links der Bücherwand in den Raum. Sie waren weit geöffnet, denn draußen waren milde Temperaturen und so sollte die stickige Luft des Raumes entweichen können. Lauscher von draußen waren nicht zu fürchten, denn außerhalb der Fenster ging es steil mehrere Meter hinab bis zum Graben an der Außenseite der Burg. Felan Rondrik von Schallenberg hatte seinen Gast in den Raum geführt und freundlich mit einer Geste in einem der beiden eichenen Sessel nahe des nicht entzündeten Kamins Platz angeboten, während er selbst noch bei einem bereit gestellten Tablett mit zwei feinen Gläsern und einem tönernen Krug stand. Er schenkte aus dem Krug in beide Gläser und trug sie zu seinem Gast, um eines anzubieten und das andere selbst an die Lippen zu führen, wie als wolle er deren Ungiftigkeit beweisen.

"Almadaner...leider kein Yaquirtaler, aber das Beste was dieser Keller noch zu bieten hat und ich hoffe er mundet dennoch.", scherzte der Baron über die bekannte Ärmlichkeit, die nach wie vor sprichwörtlich war für Hartsteener Rittergeschlechter. Dann trank er. "Nun, Hochgeboren...Ihr hattet auch um ein persönliches Gespräch abseits vieler Ohren gebeten und hier sind wir nun.", meinte er dann und schaute seinen Gast erwartungsvoll an.

Freundlich nickend nahm der junge Prinz das kristallene Glas entgegen und führte es mit Bedacht an seine Lippen. Er nippte nur kurz. "Ich danke für Eure Gastfreundschaft, Hochgeboren. Meine Ritterschar und ich sind Euch sehr dankbar. Ich wollte diese Gelegenheit am Schopfe packen und die Stätte des Gedenkens an den ehrenvollen König Alrik mit eigenen Augen betrachten. Wahrlich, ein erhabener Moment." Der Spross aus zwiefachen Kaiserhause setzte in einer bedachten Bewegung das Glas wieder ab. "Lange schon habe ich über die Heldentaten des guten Alrik gelesen und sie haben mich in ihren Bann gezogen. Welch ein Edelmut, welch Weisheit aus seinen Taten spricht. Ihr, als Mitglied im Bund der Alriksritter, müsstet eine ebenso besondere Nähe zu meinen Ahnen spüren. Höfische Etikette und Repräsentation sind mir in die Wiege gelegt, doch ist mir nach ehrlichen Austausch mit einem Gleichgesinnten. Daher bat ich um ein Treffen mit Euch. Was ist es, was Euch für König Alrik gar in die ferne Gor pilgern lässt?" Ein besonderer Glanz lag in den Augen des jungen Prinzen. Seine Stimme war ruhig und klar.

Felan ließ kurz die Augen sinnierend abschweifen, ehe er sein Gegenüber wieder ins Auge fasste. "Hoffnung, Hochgeboren. Schlicht und einfach: Hoffnung. Als wir aufbrachen waren noch viele Wunden im Hartsteen besonders frisch und gleichzeitig die Schlacht gegen die schwarzen Horden noch nicht gewonnen. Gleichzeitig schien mir, als wären viele unseres Standes sich ihrer wahren Aufgaben nicht mehr bewusst: Blut ist nur so lange edel, wie es sich seiner Pflichten bewusst ist. Und das heißt eben Schutz und Prosperität des einfachen Volkes, Ehrung der Zwölfe, Dienst an Reich und Königin und vor allem: Wahrung von Ehre und Anstand. Gerade letzteres schien zu der damaligen Zeit verloren gegangen und die Erinnerung daran, dass es auch andere Zeiten gegeben hat, ist wie Balsam für die Seele. Denn wenn es sie einmal gab, dann kann es sie wieder geben und dafür diente die Suche nach diesem Artefakt als Symbol. Dass man etwas erreichen kann, wenn man nur fest glaubt und ehrlich strebt, ohne Hinterlist und ohne den Zweck die Mittel heiligen zu lassen, wie es auch heute noch so oft geschieht. Und als ich ihn damals das erste Mal in meinen Händen hielt....", fuhr Felan mit beinahe entrückter Stimme fort."...es war als könnte ich seine Anwesenheit spüren, seinen Blick auf uns, wie er richtet über die Taten derer die nach ihm hier in unserem Garetien über Macht und Lehen gebieten und als würde er gleichsam selbst seinen Segen geben dafür alles zu tun, um auf dem richtigen Wege diese Ziele, die ich nannte zu erreichen. Hochgeboren, es ist nicht nur wichtig was wir erreichen, nein, auch WIE wir es erreichen ist von höchster Bedeutung. Der größte Sieg, die höchste Macht können schal und leer sein, wenn man sie nicht aufrechten Sinns erringt, sondern zu persönlichem Ruhm und eigenem Vorteil. Deswegen zog ich aus und ich fand mich bestätigt." In Felans Augen schien beinahe der Glanz eines wahrhaft Gläubigen in verklärter Weise zu leuchten und Sigman zu fixieren.

Der junge Prinz hing beinahe andächtig, als würde er einer Predigt lauschen, an den Lippen des Alriksritters. Immer wieder weiteten sich staunend und bewundernd seine tief blauen Augen. "Ihr wurdet wahrlich vom Schicksal geküsst, Hochgeboren. Ich kann nicht verhehlen, ich beneide Euch für Eure Erlebnisse. Ihr wart meinem Ahnen ganz nahe, habt ihn gespürt. Ich kann gar nicht in Worte fassen was ich dafür geben würde, ihm so nahe zu sein. Denn Ihr habt ja so recht, unter König Alrik blühte unsere heilige Mutter Garetia wie niemals zuvor und niemals danach. Nicht nur von der Größe her, sondern auch von der inneren Reinheit. Der ehrenhafte König hat die Rittertugenden, wie wir sie kennen, in die großgaretischen Lande gebracht und sie erblühen lassen. Vom Finsterkamm bis an den Golf von Perricum, vom Großen Fluss bis um die Zacken, vom Ochsenwasser bis zur Almadaner Pforte. Doch was ist geschehen? An unserer heiligen Mutter wurde gezerrt und gezogen, der Adel hat seine wahre Bestimmung verloren und achtet die ehernen Gesetze nicht mehr. Die Herrschenden müssen auf den Pfad der Tugend zurückgeführt werden, auf den Pfad des guten Königs Alrik."

"Das ist etwas in der wir uns beide offenbar absolut einig sind. Ich sehe in meinem Amt, als Verwalter dieses Lehens, als Hartsteener Ritter, als Schildträger der Alriksritter und als Vater ein Vorbild zu sein, eine der wichtigsten Möglichkeiten andere zu inspirieren. Wollt Ihr selbst diesem Pfad folgen ein Vorbild zu sein, dann solltet Ihr als erstes Eure Ritterausbildung beenden, Hochgeboren.", führte Felan sofort die Ausführungen Sigmans fort. "Und zugleich würde ich gerne hören wie Ihr zu diesen anderen Dingen steht..." Der Aldenrieder machte eine unbestimmte Handbewegung. "Ihr wisst schon, was es mit dieser eurer Ausrufung zum Großfürsten auf sich hat. Zumal das mehr als nur etwas Unruhe in die fragile Ordnung Garetiens bringt, wenn Ihr versteht was ich meine. Ich wüsste gerne ob ihr darüber bereits mit unserer Königin gesprochen habt?"

"Ja Hochgeboren, im Geiste König Alriks schlagen unsere Herzen gleich." Sigman lächelte seinen Gegenüber freundlich an. "Es ist nun höchste Zeit für mich einen geeigneten Schwertvater zu finden, der die großgaretischen Ideale lebt und mich zu einem wahrhaften Ritter Garetias reifen lässt. Doch ist meine Person vom Blute zweier Kaiserhäuser ein Politikum und viele meinen zu wissen was das Beste für mich ist. So wollen die edlen Burggrafen für meine ritterliche Erziehung sorgen, die königlichen Kronvögte ebenso. In dieser Hinsicht ist also das letzte Wort noch nicht gesprochen." Ein spitzbübischer Ausdruck lag in den Gesichtszügen des Jungen. Es ließ einen seine Jugend in Erinnerung rufen. "Korgond war für uns alle eine Inspiration, eine Rückbesinnung auf die alte Größe Garetias. Viele Adlige sehen mich als ebensolches, als ein Symbol. Sie nennen mich Prinz der großgaretischen Lande, großfürstlicher Prinz oder gar Großfürst von zwiefach kaiserlichen Blute. Vielen gibt dies Hoffnung, wie Euch das Andenken an meinen Ahnen Hoffnung brachte und Euch zu Heldentaten inspirierte. Mir ist es einerlei wie ich genannt werde, ich möchte dem Land dienen, es inspirieren den Pfad des Ehrenhaften wieder aufzunehmen. Ich möchte die großgaretischen Lande bereisen, von Turnier zu Turnier und von neuer Größe künden. Mein Ansinnen richtet sich nicht gegen unsere Kaiserin. Auf ihren Schultern liegt die Last des ganzen Reiches. Ich kann dem Land hier dienen und den Adel treu hinter mein Haus, das auch das Haus der Kaiserin ist, scharen."

"Nun, ist es nicht an Eurem Vater zu entscheiden, wer Euch mit den ritterlichen Fähigkeiten vertraut machen soll? Was sagt er denn dazu, wo Ihr eure Ausbildung erhalten sollt? Auch mein Vater hat das für mich entschieden und so war es immer schon in Garetien, dass die Väter oder Mütter dies entscheiden." Auf die Anmerkung zu Korgond hin verzieht Felan das Gesicht. "Ich hoffe Ihr verzeiht, aber ich halte nicht viel von diesem aufgekommenen Korgond-Mystizismus. König Alrik verließ sich auch nicht auf irgendwelche Mystik. Das mag ja schön und gut für die Geweihten sein, aber wir müssen uns auf das Hier und Jetzt konzentrieren. Das Land ehrt diejenigen, die gut regieren. Es hat nie irgendwelche besonderen Verbeugungen gebraucht, denn schließlich ist es älter als selbst die Elfen und Zwerge. Mein Vater pflegte zu erzählen, dass mein Großvater immer sagte 'Das Land ehrt diejenigen, die hart arbeiten, die Gebote der Zwölfe achten und sich nicht mehr vom Land nehmen, als sie bereit sind zurück zu geben', und ich glaube das auch. Und auch wenn Euer Blut bedeutend ist, so werden Taten immer gewichtiger sein. König Brins erinnert man sich nicht wegen seines Blutes, sondern wegen seiner Tapferkeit, seines guten Herzens und seiner gerechten Herrschaft. Den einfachen Menschen und dem Land wird es egal gewesen sein, dass er von kaiserlichem Blute war. Ob einfach oder zweifach. Aber gerade bei denen von Stand müsst Ihr noch mehr Acht geben: wie Ihr selbst angedeutet habt, wollen diese mehr Eure Position für sich nutzen, als Euren Idealen folgen. Lasst Euch nicht verführen zu glauben es wäre einfach selbst ein Symbol zu sein. Ich sah schon gute Männer daran zerbrechen, unter der Last der Verantwortung. Wenn Ihr von Eurem Haus sprecht, dann denkt daran, dass das in Eurer Position nicht nur Eure Familie ist. Jeder Mensch in diesem Reich ist Euer Haus. Das ist die Bürde, die die Königin jeden Tag, den Herr Praios werden lässt, trägt. Denn sie ist die erste Dienerin dieses Reiches und hat die schwerste Last von allen. Auch ich war auf Turnieren und deshalb sage ich: nicht auf Turnieren findet ihr die Größe Garetiens. Ihr findet sie in jeder Burg, jedem Dorf, jedem Gutshof und jeder Stadt: und zwar bei den Menschen dieses Reiches. Ihr wollt die Leute für das Reich gewinnen? Dann beweist, dass auch Ihr dienen könnt, so wie die Königin dient. Das ist die Prüfung, die Ihr bestehen müsst. Erhaltet den Ritterschlag nach der Ausbildung, verwaltet Euer Lehen, zeigt die Tugenden der Ritterschaft. Das wird lange dauern, länger als es ungeduldige Ränkeschmieden lieb sein kann. Doch dadurch erkennt Ihr, wer Euch und dem Reich wirklich treu ist und wer Euch nur ausnutzen will. Ich bin ein treuer Diener Garetiens und der Krone und ich werde der Erste sein meiner Königin zu raten Euch für höhere Weihen, und meinetwegen als Großfürst vorzusehen, so ihr diese Prüfungen meistert, Sigman von Gareth." Felan sprach in der für ihn üblichen, ein wenig hochtrabenden, aber ehrlichen Weise und gerade die letzten Worte und die persönliche Anrede verdeutlichten aus seiner Sicht heraus, dass er sich dieser Idee verbunden fühlte, doch dass er Beweise sehen wollte.

"Ja, mein Vater wird über meine ritterliche Ausbildung entscheiden, so wie es alter Brauch ist. Er ist Politiker durch und durch und wird somit genau abwägen was am politisch Besten geeignet zu sein scheint. Er wird diesbezüglich sicherlich ein offenes Ohr haben." Nach einer kurzen Pause erhob der junge Prinz seine Stimme wieder. "Korgond ist der Ursprung unseres Landes und es ist kein geringerer als Euer Nachbar der nun am Altar der gerechten Herrschaft seine Wacht hält." Sigman ließ sich nicht davon abhalten, ließ Felan dabei durchaus seine Meinung diesbezüglich. "Nun, so unwichtig wie ihr andeutetet scheint Euch das Blut nicht zu sein, zumindest wenn ihr ein echter Alriksritter seid, wovon ich von tiefsten Herzen überzeugt bin. Denn berufen sie sich nicht auf eine Abstammung aus Zeiten des ehrenhaften Königs?" Ja, dem jungen Prinzen waren die Statuten des Bundes durchaus bekannt. "Ihr tragt Euer Herz auf der Zunge, ein Wesenszug den ich schätze, denn es bedarf Mut. Die Zeit wird kommen in der ich mich für das Wohle Garetias beweisen werde. Es hat bereits begonnen, das spüre ich. Das Herz des Reiches muss zusammenstehen. Nur ein starkes, pulsierendes Herz kann ein starkes Reich hervorbringen. Einige sagen, es bedarf eine Stärkung Garetias. Wenn es der Kaiserin gefällt, wird sie mich auch schon vor der Zeit zu Höherem berufen."

"Hochgeboren, bei allem Respekt für die Königin und die Wahl wen sie zum Kronvogt bestellt, aber er und seine Handlungen in der Hartsteener Fehde waren mit Gründe, warum die Alriksritter gegründet wurden. Was er einer ehrenhaften Familie in Hartsteen antat hat mich mit Trauer erfüllt. Es war alles andere als eine Freundschaft, die mich mit dem neuen Wächter Korgonds verband. Und was das Blut angeht: wir glauben, dass es nicht ohne Grund unseren Stand gibt und dass Fehler gemacht wurden darin, wer in den hohen Stand des Adels berufen wurde in den vergangenen Jahrzehnten. Zu oft haben Krämerseelen unseren Stand nur als Sprungbrett zu Macht und Ansehen betrachtet und die Pflichten sträflich vernachlässigt. Alte Blutlinien hingegen sind sich auch immer mehr ihrer Verantwortung bewusst, da sie durch die langen Zeiten auch vielerlei Gelegenheiten hatten Ehrenhaftes zu leisten. Und wir bestehen lediglich auf die alte Herkunft, worin aber nicht bestimmt ist, dass derjenige auch damals schon in Garetien heimisch war. Also auch alte Weidener oder Lieblichfeldische Geschlechter sind uns willkommen. Doch genauso wichtig ist der gute Leumund und die eigenen Taten eines angehenden Alriksritters. Wenn Ihr also unsere Richtlinien kennt, so erinnere ich Euch daran, dass man nur durch Fürsprache Mitglied werden kann und das bei untadeligem Ruf. Und wer den Schwur des Bundes tut, der sollte sich gewahr sein, dass auch dieser selbst eine Ehre wie auch Bürde ist, da man sich darüber bewusst sein muss bei allem was man tut, dass man höheren Ansprüchen genügen muss als andere gleichen Standes.", meinte er und nickte Sigman dann wohlwollend zu. "Aber ich stimme euch zu. Ich trage mein Herz auf der Zunge, weil andere zu viel schweigen oder nur sagen, wovon sie denken, dass man es hören will. Das will ich nicht, auch wenn mich einige deswegen weniger freundlich betrachten. Gleichzeitig stimme ich auch wieder zu: nur ein starkes Garetien ist ein Garant für ein starkes Reich Rauls des Großen. Denn nur wenn der König eine starke Hausmacht besitzt kann er den doch sehr partikular interessierten Fürstentümern Ordnung und Wohlstand bringen. Wohin uns zu viel Unabhängigkeit und eigene Ansprüche bringen, hat uns Albernia sicher zur Genüge gezeigt! Auch Darpatien braucht eine starke Hand und vielleicht wäre es besser es gehörte wieder zu Garetien..." Mit diesen Worten leerte er sein Glas. "Sollte es Eurem Vater gefallen und Ihr es nicht ablehnen böte auch ich mich an Euch zum Ritter auszubilden. Zumindest könntet ihr hier gewiss sein, dass ich weit genug weg bin von der hohen Politik des Reiches." Er schmunzelte selbst bei diesen Worten, war doch Hartsteen unter den garetischen Grafschaften oftmals als das hinterwäldlerischste verschrien. Das war aber derzeit auch der Tatsache geschuldet, dass Graf Luidor nicht bei bester Gesundheit war und die Geschicke weniger am kaiserlichen Hofe oder bei politischen Stammtischen als tatsächlich vom Stammsitz der Hartsteens aus lenkte.

"Wie ihr zu Euren Nachbarn standet und steht; ist wohlbekannt und ihr tut recht mit Euren Worten. Die Gelehrten am Hof meines Vaters kamen auch zu diesem Schluss. Doch ist es auch ein Zeichen dafür, dass sich vom rechtschaffenen Weg Abgekommene wieder auf die großgaretischen Rittertugenden besinnen können und dadurch geläutert werden." Der junge Prinz blickte kurz in Richtung seines noch gut gefüllten Glases, wandte sich dann aber wieder dem Baron von Aldenried zu. Ein klarer Kopf war ihm wichtiger. "Unsere Herkunft bestimmt unser Schicksal, doch sind es unsere Taten die dieses letztendlich erfüllen werden. Auch hier sind wir einer Meinung. So war es auch bei Alrik dem Tugendhaften. Und ja, Garetia muss zu alter Größe geführt werden. Die großgaretischen Marken des gescheiterten Darpatiens gehören heim in Königreich, genauso wie die Lande am Golf von Perricum und die Greifenfurter Mark. Das Land unseres Ahnen König Alrik muss wieder unter einer Krone zusammengeführt werden." Sigman schaute seinen Gegenüber erwartungsvoll an. Jugendlicher Elan sprach aus ihnen. "Ich schätze Euch sehr, überzeugt meinem Vater, dass ihr meiner würdig seid. Ich meinerseits habe keinen Zweifel daran."

"Besonders Perricum brütet schon zu lange im eigenen Saft und ich habe das Gefühl dort ist man schon aus Prinzip allem garetischen feindlich gesinnt. Diese Nebachoten klopfen sich zu gerne selbst auf die Schulter. Das muss sich ändern." *meinte er und nickte schon wieder zustimmend. Dann lachte er. "Wenn ich wohlfeil genug sprechen würde, könnte ich vielleicht Euren Vater überzeugen, aber ich bezweifele, dass ihm gute Absichten als Abwägungen gegenüber großer Politik genügen werden. Dazu hat er das große Spiel schon viel zu lange gespielt als sich so einfach von alten Gewohnheiten abzuwenden, fürchte ich. Und mir selbst würde schon genügen, wenn kommende Generationen den richtigen Weg erkennen. Wenn Ihr Euren Vater nicht selbst überzeugen könnt dann wüsste ich nicht wieso er auf mich, einen kleinen Baron, hören sollte?"

Der junge Prinz lächelte süffisant. "Die Nebachoten, ja, sie kennen unser großgaretisches Rittertum nicht, doch können auch sie auf den rechten Weg geführt werden. Ein alter Gefährte meines Vaters, nun mehr Baron in Perricum, folgt nun auch der Idee eines vereinten Garetiens. Nahezu anmaßend jedoch sind die neusten Allüren aus Rommilys, wie mir berichtet wurde. Dort versucht man Adelsleut wie Bäuerlein auf die Untugenden eines längst versunkenen Königreich einzuschwören, nur um alles garetische auszumerzen. Welch Frevel! Welch Verrat am Reich und am Haus Gareth! Unser Blick sollte wachsam gen Osten sein." Der Gesichtsausdruck Sigmans war nun wieder deutlich ernster. "Ja, mein Vater wird mit anderem Maß messen, da habt Ihr recht. Doch noch hat er sich nicht entschieden. Die tugendhaften Alriksritter, so wie Ihr einer seid, sollten zum Maß einer neuen, ritterlichen großgaretischen Generation werden. Nur so werden wir die Wunden unserer heiligen Mutter Garetia heilen."

"Im Osten droht immer noch Gefahr...der schwarze Herzog ist noch nicht vernichtet. Und auch Maraskan muss wieder ins Reich gebracht werden. Am besten nachdem wir die Insel brandgerodet haben... aber auch Euer anderes kaiserliches Blut wird in meinen Augen zur Gefahr. Es kam nie was gutes aus dem alten Bosparan. Dessen sollten wir Garetier uns besonders bewusst sein. Und je mächtiger die sogenannten Horas werden, um so größer sollte unsere Wachsamkeit sein." Er neigte dabei gewichtig den Kopf. "Nun, ich kann es versuchen, ihn anzuschreiben und es anzubieten. Vielleicht erwägt er es sogar. Und wenn es ansonsten etwas gibt, womit ich helfen kann die guten Ziele zu erreichen so wendet Euch an mich. Ihr kennt meine Ansinnen dabei nun gut genug, um zu entscheiden, ob das für euch richtig ist.", schloss Felan lächelnd.

"Garetien und seine Marken sind umgeben von Feinden oder zu wohlwollenden Freunden wie der alte Sturmfels immer zu sagen pflegt." Der junge Prinz lächelte dabei, als er an Marnion dachte. "Habt Dank, ich werde diese Stunden für alle Zeit in meinem Herzen tragen, denn solche Momente sind kostbar für unsereins. Es wäre mir eine große Freunde Euch bald wiederzusehen, vielleicht schon bei der Langen Jagd in der Mark? Wie ich vernahm, ist der Adel Großgaretiens geladen um sich im firungefälligen Wettkampf zu messen. Würdet Ihr mir diesen Gefallen tun? Wir könnten abends zusammensitzen und Ihr könntet mir dabei mehr von Eurer Queste in die Gor berichten." In Sigmans Augen war nun wieder dieser jungenhafte Glanz zu sehen. Seine Zuneigung zu Felan wirkte aufrichtig.

"Ich hatte ohnehin vor dem Gott der Jagd meine Referenz zu erweisen. Also gut, bei der langen Jagd werden wir uns wiedersehen, mein Wort darauf. Dann kann ich Euch auch gleich etwas darüber beibringen wie ein Ritter jagt. Oder wie mein Vater immer zu sagen pflegte: ein Ritter ist nur dann ein Ritter, wenn er sich auch mindestens zwölf Tage alleine nur vom Waidwerk selbst ernähren kann. Dann sehen wir, was bei mir dahingehend noch nicht eingerostet ist!"

Sigmans Augen leuchteten hell auf und weiteten sich. Fast wäre er vor Freunde von seinem Sessel aufgesprungen. "Oh ich wünschte die Zeit würde schneller vergehen, Ich kann es kaum erwarten mit Euch durch die Wälder der Mark zu ziehen. Ich danke Euch sehr!" Etwas hibbelig rutschte der junge Prinz auf seinem Platz auf und ab.

"Nun, ich freue mich ebenso...aber es ist spät geworden. Da Ihr morgen früh aufbrechen wolltet, wäre es wohl angezeigt nun die Gabe des Herrn Boron entgegen zu nehmen. Ich hoffe Euer Zimmer ist zu Eurer Zufriedenheit und untersagt Euch nicht nach einem Dienstboten zu rufen, sollte es Euch an etwas mangeln.", sagte der Baron und erhob sich dabei schon, um seinen Gast zu seinem Zimmer zu geleiten. "Ich möchte noch sehen, ob auch unseren anderen Gäste gut versorgt sind, wenn Ihr erlaubt." Der junge Prinz nickte zustimmend und beide verließen den Raum.

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Texte der Hauptreihe:
K3. Zwiesprache unter Gleichgesinnten
9. Rah 1040 BF
Zwiesprache unter Gleichgesinnten
In Aldenried kündigt sich hoher Besuch an

Kapitel 3

Unter Getreuen
Autor: Bega, Lichtbote