Der Prinz und das Land – Im Namen des ehrenhaften König Alrik

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Turnierfeld unterhalb der Pfalz Puleth, Anfang Rahja 1040 BF:

Es war später Abend des zweiten Turniertages. Die Granden des Großfürstlichen Fuchsrudels um den rotem Malwarth und den Korgonder Schwertträger Leomar, sowie den beiden Turnierfavoriten Bartel Helmdahl von Stolzenfurt und Glaubert von Eschenrod begossen ihre Erfolge des Tages mit viel Wein und Gesang. Stets im Mittelpunkt des Gelages war Prinz Sigman. Doch zu fortgeschrittener Stunde zog sich der Prinz mit den anderen Knappen und seinen Leibrittern in sein Zelt zurück. Hier fühlte er sich deutlich wohler, war er doch unter Gleichaltrigen und frei von Bevormundung.

Im Vorzelt hatten sich die Leibritter Bran, Barduron, Ardur, Elissa, Ucurian, Mora, Yasinthe und Thallion gemütlich gemacht. Ein Schlauch Wein machte die Runde, während die Fuchsritter ihre Ausrüstung penibel pflegten oder zur Entspannung Karten spielten. Von draußen schallte das Lied der Goldenen Au aus unzähligen Kehlen ins Zelt hinein.

Eine Hand voll Kerzen tauchten das Hauptzelt in schummriges Licht. Prinz Sigman hatte sich auf einem gepolsterten Schemel niedergelassen und blickte auf ein in in Leder gebundenes, kleines Büchlein. Es waren die gesammelten Werke über die Heldentaten des guten Königs Alrik dem Tugendhaften; ein Geschenk von Marnion von Sturmfels. Ihm gegenüber saß Tawil, der seiner Laute ein paar Töne entlockte. Madalieb summte in Gedanken die Melodie mit, während Iriane in ihrem ledernen Beutel kramte.

„Tawil mein Freund, welchen König der garetischen Lande ist für dich der tugendhafteste?“

Der Angesprochene, kaum einen Götterlauf älter als Sigman und Knappe am Hof von seinem Vater, legte sein Musikinstrument beiseite und überlegte. „Früher hat mir meine Mutter immer Geschichten von König Brin erzählt. Wie er mit aufrechten Heldenmut und rondragefälligen Taten die Prüfungen seiner Zeit gemeistert hat. Du weißt schon, Orks, das Verschwinden seines Vaters, Answin und so. Meine Mutter wollte immer so werden wie er als sie noch jung war.“

Ja, König Brin war ein heldenhafter König, doch für Sigman gab es noch jemand anderen, den er für noch tugendhafter hielt. Wieder fiel sein Blick auf das neben ihm liegende Büchlein. „Für mich ist König Alrik der König, der wie kein anderer für die großgaretischen Rittertugenden steht nach denen wir streben. Wahrhaftig ein großes Vorbild.“

„König Alrik war ein tugendhafter und weiser Herrscher“, gab Tawil unumwunden zu. „Nach ihm wurde gar ein Ritterbund benannt.“

„Sitzen diese Alriksritter nicht hier in Puleth irgendwo?“ Iriane hatte das Rumwühlen in ihrem Lederbeutel nun auch aufgegeben.

„Ja, die verwahren auch eine Reliquie von König Alrik“, wusste Madalieb zu berichten. „Das weiß ich von meinem Vater.“

„Seinen Panzerhandschuh!“, antwortete der junge Prinz lakonisch. „Thallion hat mir immer und immer wieder davon erzählt.“

„Vielleicht sollten wir uns den mal ansehen“, schlug Tawil vor.

„Na ob das der Rote Malwarth so toll findet?“, Iriane wirkte auf einmal unsicher.

„Iriane, hole mir bitte Pergament und Tinte!“ Sigmans Blick wirkte entschlossen.

Die Angesprochene tat wie ihr geheißen und so steckten die Vier ihre Köpfe zusammen und verfassten einen Brief.

An den ehrenwerten Schildträger der Alriksritter Felan Rondrik von Schallenberg,
 
 
 
 
ich möchte mich voller Bewunderung für Euren ritterlichen Bund im Namen meines Ahnen Alrik den Tugendhaften an Euch wenden. Schon während ich als Page im fernen Elenvina weilte, waren es die Geschichten über den tugendhaften König Alrik, die mich allabendlich aufmunterten wenn mich das Heimweh plagte. Denn kein König unserer Heimatscholle hat die großgaretischen Rittertugenden so sehr gelebt und so unzählige Ritter und Ritterinnen inspiriert es ihm gleich zu tun.

Viel habe ich schon über Euren hehren Ritterbund vernommen, der das Andenken meines Ahnen nicht nur hochhält, sondern unseren privilegierten Stand auch in die Pflicht nimmt, nach den ehernen großgaretischen Rittertugenden zu handeln. Ein weiser Fingerzeig in unseren Zeiten wie mir scheint. Mit Wort und Tat schritten die Alrikritter voran und zeigten Garetia ihre wahren Helden. Eure heldenhafte, wie entbehrungsreiche Queste in die unwirtliche Wüste Gor wurde gar mit der Wiederentdeckung von König Alriks Panzerhandschuh gekrönt. Welch unschätzbare Reliquie für einen jeden aufrechten Rittermann und jeder aufrechten Rittersfrau.

Lange habe ich auf diesen Moment gewartet, doch nun hat mich mein Weg zum Königsturnier nach Puleth geführt. Es wäre mir daher eine Ehre, wenn Ihr mich als Gast bei Euch empfangen würdet, damit ich die heilige Reliquie des guten Königs Alrik persönlich in Augenschein nehmen kann, um so dem wohl größten Helden Garetias zu Gedenken. Dieses Treffen soll in aller Demut und Bescheidenheit stattfinden, denn ich hege schon lange den Wunsch, mich mit Euch über das Wesen meines Ahnen unter vier Augen auszutauschen.

Mit diesen Zeilen schicke ich voller Zuversicht und brennender Ungeduld auf Eure Antwort meine beiden engsten Vertrauten Madalieb und Tawil samt Bedeckung zu Euch.
 
 
 
 
Gegeben am 5. Tage der holden Rahja im Jahre 1040 nach Bosparans Fall zu Puleth

Sigman von Gareth