Der Page - Der Geburtssegen oder Die große Politik am Tische

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Dramatis personae:


Gareth, Schloß Hohenlinden, 6. Efferd 1034 BF

Die Geweihte hob das Kind gen Himmel. "Sieh, oh Praios, dieses schutzlose Kind, geschenkt durch die Gnade der ewigjungen Tsa. Herr, ich bitte dich, schütze dieses Kind mit deiner göttlichen Kraft, auf daß es in seiner Unschuld nicht dem Bösen anheim falle, sondern den Weg zu dir und deinen göttlichen Geschwistern findet." Anschließend zeichnete die Geweihte auf die Stirn des Kindes mit Sonnenblumenöl das Zeichen des Götterfürsten.

Am 28. Rondra ist das dritte Kind Gerions und Arinyas geboren, ein Mädchen mit dem Namen Junivera. Etwa eine Woche später, an einem Praiostag, bekam Junivera nun diesen Geburtssegen im garether Praiostempel. Zu diesem Anlaß waren auch Arinyas Vater Odilon und Valyria von Baerfarn, das Oberhaupt des darpatischen Hauses, angereist.
Anschließend fand sich die Gesellschaft wieder in Schloß Hohenlinden ein und es wurde zur Feier des Tages ein reiches Bankett aufgetischt.
"Ich denke noch immer, daß Firun die bessere Wahl gewesen wäre", brummte Odilon. "Ihr wißt ja, daß ich mit diesem Praioskult nicht so viel anfangen kann. Immer dieses Überhebliche und 'Du mußt das oder jenes machen' oder 'Die Hexe soll brennen'." Der bärenhafte Hühne wandte sich an seinen Schwiegersohn. "Sag, Gerion, wieso ehrst du denn nicht eher Hesinde? Du bist doch ein Magier. Praios sieht doch Magiekundige nicht gern."
Der hohenlindener Page Ajax, der gerade zufällig in der Nähe der Gesprächsrunde stand rümpfte kurz die Nase ob dieser kritischen Worte, so stand er doch dem Praios-Glauben von Haus aus sehr nahe, und wartete nun gespannt auf die Antwort Gerions.
"Das ist die hiesige Auffassung", stimmte Gerion zu. "Doch im Horasreich wird Magie keineswegs schädlich angesehen. Staryun Loriano ist sogar der Überzeugung, daß Magie praiosgefällig eingesetzt werden kann. Magie ist ein Werkzeug, daß man für das Gute wie für das Böse einsetzen kann. Rondra verbannt ja auch nicht das Schwert, weil dies viele Mörder ohne Ehre im Leib verwenden."
Eine sehr interessante Sichtweise wie Ajax fand, er würde sich darüber Gedanken machen und spitzte weiter die Ohren.
"Staryun Loriano? Wer ist das?", fragte Valyria und ließ sich von Ajax neuen Wein einschenken.
"Der Wahrer der Ordnung. Der höchste Praiosgeweihte im Horasreich", antwortete Gerion. Das machte diese Sichtweise noch interessanter und Ajax nahm sich vor den Sohn seines Herren einmal darauf genauer anzusprechen.
"Vater", begann Arinya. "Wie sieht es denn in der Heimat aus?"
"Nun", brummte Odilon, "viel verändert hat sich nicht. Die Thronräuberin hält weiterhin Gallys besetzt. Aber die Stadt ist für die Darbonia eher Gefängnis als Residenzstadt, denn außerhalb der Stadtmauern, in der Heide, den Wäldern und den Bergen, haben wir das Sagen. Die Trutzburg Edorlys jedenfalls ist sicher."
"Nun, wie auch immer", sagte Balrik. "Wir wollen hoffen, daß unser verehrter Ludalf die Wildermark entgültig befrieden kann. Doch was mich interessiert, was unternimmst du bezüglich Haffax' Ultimatum, Odilon?"
Oh, Ajax war ganz hingerissen von der Gesprächsrunde, denn jetzt ging es auch noch um die ganz große Politik und er versuchte das Gespräch weiterzuverfolgen und beeilte sich mit der Bedienung der umstehenden Herrschaften.
"Sollte ich etwas unternehmen? Ich meine, wir haben zwar die Baronie so halbwegs unter Kontrolle, aber was können wir gegen Haffax tun... mal abgesehen davon, dass die Nachrichten aus dem Herzen des Reiches eher spärlich fließen, und ich über Haffax und sein Ultimatum zwar viele Gerüchte, aber wenig Fakten gehört habe. Und du?", fragte Odilon zurück.
"Ich selbst habe Cordovan ein Militärposten vermittelt, damit seine Talente nicht ungenutzt bleiben, wenn das Ultimatum abläuft. Ich hatte mir auch überlegt, ob ich ihn in meiner Nähe behalten soll, wenn ich dann mit der Kaiserin auf Kriegszug gehe. Er hätte mir bestimmt behilflich sein können."
"Du und Hilfe in Heeresführung, Balrik? Du kommst doch hervorragend ohne Rat aus", lachte Odilon. Ajax war stolz auf seinen Herren ob solcher Schmeicheleien diesem gegenüber auch wenn er jetzt langsam Schwierigkeiten bekam das Gespräch zu verfolgen, verstand er doch nicht alle Zusammenhänge und musste er sich ja auch um die Bewirtung kümmern.
"Da bin ich mir nicht so sicher. Ich habe bemerkt, daß Cordovan ein herausragender Stratege ist. Jedenfalls hatte er schon öfters gute Ideen auf die ich nie gekommen wäre."
"Na, dann schlag ihn doch der Kaiserin als neuen Reichserzmarschall vor", meinte Odilon scherzhaft.
"Das wird wohl kaum gehen, wie du weißt", schmunzelte Balrik. "Davon abgesehen ist er bereits im Stab des perricumer Heermeister untergebracht."
"Aha. Na, da wird er sich bestimmt hervorragend machen. Ach habt ihr noch etwas von dem wunderbaren Ogermet?" Odilon hob seinen Becher und schaute fragend in die Runde. Ajax eilte sogleich dienstbeflissen herbei und schenkte ihm neu ein. "Ein herrlicher Geschmack. Schmeckt anders, aber besser."
"Ich habe eine neue Mischung ausprobiert", sagte Arinya ihrem Vater.
Man erklärte den Gästen noch die Umstände, was es sich genau mit Haffax' Ultimatum auf sich hatte, was auch Ajax wissbegierig aufsog, doch den Rest des Abends wurde nur noch über Belanglosigkeiten geredet - man lobte die anderen beiden Kinder Gerions und Arinyas, wie groß sie doch schon geworden sind, man erkundigte sich über ein gewisses Untier am Darpat und man lachte über Anektoten.