Der Page - Der Brief oder Der Alltag eines Pagen

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Dramatis personae:


Gareth, Schloß Hohenlinden, Mitte Phex 1034 BF

Ajax war jetzt schon einige Monde hier auf Hohenlinden und Anfangs hatte er sich recht schwer getan, mit all den neuen Eindrücken und Aufgaben. Vor allem der Haushofmeister hielt ihn immer noch ordentlich auf Trab. Aber mittlerweile wusste er wo und wann er sich eine Verschnaufpause gönnen konnte ohne dafür vom Eberfang, wie ihn hier alle nannten, erwischt zu werden. Das war am Anfang einige male in die Hose gegangen und er hatte hartes Lehrgeld zahlen müssen dafür. Denn meist bekam er dann dafür noch mehr Arbeit aufgebrummt und kam Abends erst spät ins Bett oder aber ihm wurde dafür ein Teil seines Taschengeldes entzogen, dass er am Ende jeden Monats erhielt. Aber das juckte ihn nicht sonderlich, denn wurde dieses ohnehin vom Eberfang verwaltet und würde ihm erst zum Ende seiner Pagenzeit ausgezahlt werden. Also sah er es eh nicht wirklich. Einmal hatte er den Haushofmeister um etwas davon gebeten um sich in der Stadt etwas kaufen zu können, doch hatte dieser ihn nur mit einem strengen Blick wieder weg geschickt. Nunja, was sollte es. Alles in allem lief es mittlerweile sehr gut hier und vor allem die Kampfesübungen, die seiner Meinung nach etwas spärlich gesät waren, bereiteten ihm große Freude.

Er hatte sich mittlerweile auch ein wenig mit Rufus und Larissa, den Kindern des Junkersohnes Gerion angefreundet. Allerdings waren diese tatsächlich noch recht jung und er konnte nicht immer etwas mit ihnen anfangen. Zudem hatte er auch nicht wirklich oft Zeit mit ihnen zu spielen, da es immer etwas zu tun gab und gab es das mal nicht, fand der Eberfang schon was, wenn er Ajax beim "Rumlungern" erwischte.

Außer Praiostags, denn da hatte Ajax am Vormittag immer frei, damit er einen Tempel besuchen konnte. Aus reiner Gewohnheit besuchte er meistens den Tempel des Götterfürsten. Die dortigen Prädigten erinnerten ihn aber eher an die seiner Tante Falcoria als an die von Raulafan Brauhus bei ihm zu Hause in Raulsknochen. Deswegen besuchte er in letzter Zeit immer öfter den Tempel der donnernden Rondra, wo er sich eh viel wohler fühlte und er dort auf viele verdiente Recken und Helden traf, mit denen er sogar schon des Öfteren ins Gespräch gekommen war und die ihm viel über die göttliche Leuin zu berichten wussten. Dort gefiel es ihm. Mittlerweile durfte er sogar alleine dorthin gehen, am Anfang hatte er seine Tempelbesuche immer in Begleitung gemacht.

Als er das erste mal die Innenstadt Gareths betrat, war er zutiefst beeindruckt von der Größe der Gebäude und der Pracht, die hier zu finden war. So hatten hier sogar etliche Tempel Kuppeln aus reinem Gold, die Türme und Gebäude waren bis ins kleinste Detail mit Fresken geschmückt oder die Parks hatten die Größe, wie andernorts ganze Dörfer. Und die Plätze waren überfüllt von Menschen. Und Ajax konnte sogar Wüstenkrieger oder Thorwaler in der Stadt sehen.

Doch musste er die Nachmittage nach den Tempelbesuchen dann meist bei Tisch auf dem Schloss bedienen, was ihm nicht so gefiel, aber er gab sich Mühe und das wurde von den meisten auch anerkannt, auch wenn er sich nicht immer gut dabei anstellte und dabei des Öfteren vom Haushofmeister gerügt wurde. "Dieser elende Eberfang", dachte sich Ajax um im gleichen Moment aber innerlich wieder abzuwinken, wusste er doch, dass der Haushofmeister zwar streng aber nicht ungerecht war.

Und auch sonst kümmerte man sich hier sehr gut um ihn. Sein Herr behandelte ihn immer freundlich, aber erwartete auch stets die tadellose Erledigung seiner Aufgaben. Gerion, der adrettgekleidete Kampfmagus, sah ihn zwar eher als eine Art Diener, aber behandelte ihn immer mit Respekt, damit konnte er leben. Gerne mochte er die Köchin Herdgard, die ihm öfter mal ein paar Süßigkeiten oder andere Leckereien zusteckte. Aber am meisten konnt er sich für den sehr jungen Stallburschen Adran begeistern, mit dem er sich oft unterhielt und den er sehr mochte.

Sonst passierte hier nicht sonderlich viel Aufregendes, stand das Schloss ja auch im ländlich geprägten Stadtteil Gareths, in der Nähe des Villenviertels. Das einzig widerwillig spannende war dieser riesige Splitter, aus der Schlacht in den Wolken, wie Ajax erfahren hatte, der beinahe direkt neben einem der Gebäude des Schlosses aus dem Boden ragte und eine gespenstische Aura hatte, aber von dem sich Ajax fernhielt, sollte er doch direkt von der Fliegenden Festung Galottas stammen. Ajax fragte sich oft wann dieses unheimliche Ding wohl endlich entfernt werden würde.

Und dann war da noch was. Denn einmal, es war sohl so Mitte Efferd gewesen, da hatte ein recht finsterer Geselle das Schloß betreten und Ajax war beim Anblick dessen bösartigen, schwarzen Augen nicht recht wohl gewesen. Dieser gefährlich wirkende Mann hatte ein schweres Schwert an der Seite getragen und nur noch eine Hand. Ajax hatte gedacht sein Herr würde ihn gleich wieder mit dem Schwert hinaus befördern, doch kam es anders. Denn er finstere Mann wurde eingelassen und verschwand für Stunden in den Räumlichkeiten des Junkers. Als Ajax den Raum betrat um ihnen Getränke zu bringen warf er dem Finsteren kritsiche Blicke zu. Ajax nahm an, daß er zum Bedienen bleiben mußte, und so hätte er den Gesprächen der beiden lauschen können, doch schickte ihn Balrik wieder hinaus.

Nachdem der Mann wieder gegangen war, nahm Balrik seinen Pagen zur Seite, denn er hatte die Neugier des Jungen mitbekommen, und gab einige Antworten auf dessen Fragen: "Einen edlen Mann kann man nicht immer an seinem Äußeren erkennen, sondern an seinen Taten. Manch andere wiederum können äußerlich edel wirken, aber ihre Herzen können schwarz sein." Und dieser finstere Mann gehörte eben zu seinen Tauristar und war wohl der beste unter ihnen, den er hatte. Dem folgte eine abendfüllende Unterrichtung über die Tauristar, was Ajax wissbegierig aufsaugte, dies war sein Thema.

Nach diesem Abend wurde die Anzahl Ajax' Kampfes- und Leibesübungen noch einmal erhöht und jetzt auch vermehrt von einigen Tauristar mit ihm durchgeführt, die Ajax immer neugierg löcherte, aber immer nur wenig aus ihnen herausbekam. Und ab und an unterrichtete ihn dann noch sein Herr selber, der aber kurz darauf, zu Anfang der Herbstzeit, für lange Zeit verreiste, nach dem ihn ein Magus namens Refardeon besucht hatte, der sehr freundlich zu Ajax war und ihm sogar eingie Zaubertricks zeigte, was Ajax anfangs etwas befremdlich empfand, später aber genoss.

Den gesamten Herbst bis in den Winter hinein war sein Herr dann nicht mehr auf Schloss Hohenlinden anzutreffen. Und so bewegte sich Ajax durch den Alltag mit all seinen Aufgaben.

Bis im späten Boron eine sehr schöne Magierin, Balriks Tochter Asamandra, zu Besuch in das Schloss kam. Leider hielt sich diese aber meist im Burgfried auf, in dem auch Chroniken und Schriften gelagert wurden. Als die Magierin Ajax sah, fand sie ihn total süß, wie sie sagte, und Ajax durfte ihr bei ihren Recherchen helfen, auch wenn es letztendlich darauf hinauslief, daß er Papierstapel hinterhertrug oder aus den beziehungsweise in die Regale beförderte, was Ajax etwas aufstieß, aber die Abwechslung zu seinen üblichen Tätigkeiten überwog letztendlich.

Mit der Zeit bekam Ajax dann auch raus wonach die Magierin eigentlich suchte: eine Familienchronik, forschte sie doch nach einem alten Familienzweig aus dem Horasreich, wie er in einem Gespräch der Geschwister Gerion und Asamandra mitbekam. Und einmal durfte er sie sogar in die Stadt zum garether Magistrat begleiten, wo sie sich ebenfalls einige Chroniken besah. Ajax hätte nie für möglich gehalten, wie groß das garether Archiv war ...

Das ging so einige Wochen, bis im Firun, sein Herr Balrik wieder zurückkehrte. Allerdings nur für kurze Zeit, da er dann mit Asamandra und Gerion wieder abreiste, in Richtung Halsmark, zur Belehnung der neuen Burggräfin. Dort würden auch Ajax' Eltern anwesend sein und Ajax hatte Balrik darum gebeten mitreisen zu dürfen, dieser verwies aber auf dessen Pflichten und Ajax zog mit einem beleidigten Gesicht davon.

Als sie im Tsa wiederkehrten, war Balrik nicht dabei. Dieser war zum Hofe der Kaiserin weitergereist, so berichtete Asamandra. Balrik kehrte erste einige Wochen danach zurück und brachte ein Schreiben von Ajax' Eltern mit. Allerdings bekam er das Kurzschwert, von dem im Brief die Rede war, nicht. Er sollte es erst bekommen, wenn er das Knappenalter erreichen würde. "Aber du darfst beim Duell dabei sein, das ich im Peraine fechten werde", sagte Balrik um Ajax wieder ein wenig aufzumuntern, als dieser enttäuscht blickte, wußte er doch von Ajax' Vorliebe im Schwertkampf.

Und so nahm der Alltag auch wieder Einzug in Ajax' Pagenleben und jetzt, gerade, es war gerade Mitte Phex, half er gerade seinem Freund Adran, dem Schtallburschen, dabei das Pferd seines Herrn zu pflegen ehe er sich wieder den Aufgaben im Haus widmen würde. Die beiden Jungen kabbelten sich gerade als ein Botenreiter auf den Hof geritten kam und direkt auf Ajax zu ritt und vor ihm zum stehen kam. "Hier, mein Junge, nimm das und überreiche es deinem Herren." Dann ritt er wieder davon.

Ajax schaute auf das Schreiben in seiner Hand. Auf ihm prangte ein Siegel mit dem Wappen Raulfelds und daneben stand geschrieben: "Höchste Dringlichkeit".