Der Machtmensch – Neuordnung

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Schloss Perringrund, Ende Firun 1040 BF:

Die Reichsstadt begann wieder ein Eigenleben, das spürte er. Dieses war nicht nur durch den kurzen Winter verstummt, sondern vor allem nach dem schändlichen Verrat und dem unsäglichen Fall. Doch langsam machte sich eine eigenartige Aufbruchstimmung breit, die nun trotziger war und auch etwas anderes mischte sich darunter. Doch Zordan, so feinfühlig er für solche Dinge war, konnte es noch nicht greifen – dafür war es noch zu früh. Er würde das im Auge behalten, wie immer. Er konzentrierte sich jedoch bis es soweit war auf etwas anderes – Brendiltal, die vor Krise und Haffaxinvasion gar so mächtige Baronie, die nun nur noch ein Abbild dessen war. Zerrüttet durch die Krise der Nebachoten, die ihm in die Hände gespielt hatte. So war der Machtfaktor der Nebachoten und vor allem Brendiltals schon immer ein Dorn im Auge für die Position der Grafschaft, ob nun Edel-, Land- oder Markgrafschaft. Und somit auch für seine Position.

Doch die Macht Brendiltals war bereits seit Beginn der Nebachotenkrise im Niedergang, denn die einst bevölkerungsreichste Baronie Perricums war in zwei Teile zerfallen, deren Anführer sich erbittert bekämpften.

Weder während der Nebachotenkrise, noch nach dem Einfall von Haffax oder danach gelang es einem der beiden Kontrahenten die Macht über ganz Brendiltal zu erlangen – politisch oder kriegerisch. Die Nord-Süd-Spaltung hatte sich verfestigt, wofür auch Zordan im Hintergrund gearbeitet hatte. Und hier wollte er ansetzen, diese endgültig zu machen, um diese mächtige Baronie ein für alle mal zu zerschlagen.

Der Seneschall und vom Markgrafen neu ernannte Baron von Bergthann wandte sich ab vom Fenster seines prächtigen Audienzzimmers, hin zum großen Wappen aus Stahlstreben seiner Familie, das mit den Bildnissen der Götter umringt war. Es würde nicht leicht werden dem Markgrafen die Sache schmackhaft zu machen, doch es würde ihm wie auch Zordan von großem Nutzen sein. Denn ein erneutes Machtvakuum wie aktuelle der Fall, oder aber die vorherige Machtkonzentration in einer so großen Baronie wie Brendiltal hatte sich mehr als deutlich als Gefährdung für die territoriale Integrität der Markgrafschaft erwiesen. Das bewies nicht zuletzt die Nebachotenkrise, wie auch die Haffaxinvasion. Zu dem wäre es eine pragmatische Anerkennung des faktischen: Der eigentliche Erbe galt als verschollen wenn nicht sogar tot, verschwunden oder umgekommen in der Krise. Und wenn nicht, machten der Junge und sein Gefolge keine Anstalten dies zu ändern. Die Geschwister des Erben waren von der Mutter ins ferne Albernia verschleppt worden und konnten der Markgrafschaft somit keinen Dienst tun, außerdem waren sie noch Kinder, was sich in der jüngsten Vergangenheit ebenfalls als problematisch erwiesen hatte, da viele der Nebachoten, solch junge Herrscher als schwach empfanden. Und, das war viel wichtiger, weder Martok von Brendiltal, noch Alrik von Korbrunn würden es über kurz oder lang schaffen die ganze Baronie unter Krontrolle zu bringen. Um wieder praiosgefällige Ordnung zu schaffen, müsste mit den gegebenen Umständen pragmatisch umgegangen werden.

Noch viel schlagender für die Teilung wäre aber, die Bindung beider Kontrahenten an den Markgrafen durch Erhebung zu Baronen, die ihm dann viel verdanken würden. Was gerade bei Martok anschlagen würde, er sich derzeit ohnehin an die Raulschen anbiederte. Ein seltsamer Schachzug, wenn man den Martok von Brendiltal von vor der Krise kannte, aber dieser war auch noch nie ein Politiker gewesen.

So sortierte Zordan seine Argumente, die den Markgrafen sicherlich zu dieser schwierigen aber notwendigen Entscheidung bewegen könnten. Zumal dieser dann seine eigene Position stärken würde, da ein endgültig uneines und geteiltes Brendiltal deutlich weniger Eigenmacht haben würde. Außerdem würde es die Nebachoten noch mehr entzweien, zugenommen zu ihren internen Macht- und Religionskonflikten nach der Krise wäre dieser Machtfaktor deutlich zusammen gestutzt.

Zordan lächelte sanft, sein ohnehin schon edler Blick bekam die eine Note von Überlegenheit. Diese Sache sollte bald vom Tisch sein, er hatte bereits einige andere Würdenträger und Adlige mit dieser Idee beflüstern lassen und auch wenn es Protest geben würde, viele sprachen dem zu. Der Markgraf, ohnehin kaum Vorort, würde dem zustimmen, letztlich war es auch in seinem Sinne. Das geheime Fach, hinter der Praiosdarstellung am Wappen, das die Pläne für die exakte Aufteilung und Grenzziehung beherbergte, schloss Zordan sorgfältig zu, dafür war jetzt noch nicht die Zeit. Erst die Arbeit dann der Lohn.

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Texte der Hauptreihe:
K2. Neuordnung
20. Fir 1040 BF
Neuordnung
Nachwehen und Vorboten

Kapitel 2

Autor: Jan, Bega