Der Lauf der Zeit - Rückkehr aus der Fremde

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Rückkehr aus der Fremde

Der Baron hatte den halben Vormittag auf den Zinnen seiner Burgmauer gestanden und gen Firun Ausschau gehalten. Die inzwischen immer zahlreicher werdenden Gäste denen aufzuwarten eigentlich seine erste Pflicht als Gastgeber gewesen wäre hatte er der Obhut seines Vogtes und seiner Braut überlassen. Kurz vor der Mittagsstunde meinte er dann endlich jene Gruppe erspäht zu haben auf die er so ungeduldig wartete. Vier Reiter waren es, wie mit der letzten Brieftaube am gestrigen Tage angekündigt, ein Ritter mit dem Banner des Reiches vorneweg. Schnell verließ Ardo seinen Beobachtungsposten und ging zurück in den Wohnbereich der Burg seinen Vogt und das Gesinde zu alarmieren. Nicht das wegen der zahlreichen Hochzeitsgäste aus nah und Fern sowieso schon alle in heller Aufregung gewesen wären, aber eben jene Neuankömmlinge hatte er mit besonderer Ungeduld erwartet.

Eine knappe halbe Stunde später stand Ardo mit Phexian am Brunnen hinter dem Burgtor, als die Reiter endlich in Sicht kamen. Die Burgwachen gaben augenblicklich das Tor frei und an der Spitze der kleinen Prozession ritt Reichsritter Balrik von Keres auf den Burghof. Hinter ihm folgten Ardos Knappin Mechthild auf seinem Schlachtross BOROMIL, dann sein Page Firnwulf und am Ende, auf der zahmen Elenviner-Stute seiner Knappin, ein sich neugierig umschauender Mann in Magiergewändern. Auf Ardos Wink hin eilten drei Stallknechte herbei um die Pferde in Empfang zu nehmen, wobei sie dem Magier behilflich sein mussten, damit er ohne Unfall vom hohen Pferderücken kam.

Ardo gestattete sich seinem Vogt gegenüber ein Lächeln und trat dann mit ausgebreiteten Armen zu den Heimkehrern. „Praios zum Gruße! Seid mir in Travias Namen herzlich willkommen Balrik. Ihr wisst gar nicht zu welch großem Dank ich Euch verpflichtet bin, dass ihr meine Schutzbefohlenen heil zurück gebracht habt. Willkommen zu Hause Kinder.“ Ardos Erleichterung war nicht nur in den Worten, sondern auch in seinem ganzen Gebaren zu erkennen. Er umarmte jeden einzelnen der drei, wobei vor allem seiner Knappin die Geste und die Anrede als Kind deutlich peinlich war.

Der Reichsritter tat es mit ein paar knappen Worten als Selbstverständlichkeit ab und trat dann zu dem Magier um ihn vorzustellen. “Dies hier ist Magister Igor Wasjeff aus Norburg, von dem ich Euch bereits geschrieben habe. Ich denke alles Weitere besprecht Ihr selbst mit ihm.“

Der Magier verneigte sich kurz vor dem Baron, wobei sein blauer Spitzhut leicht wippte. „Eier Hochjeboren, es ist mir ejne Ehre, Eich kennenzularnen.“ Der breite bornische Akzent mache es Ardo im ersten Moment fast unmöglich den Mann zu verstehen und einen Augenblick lang war er sprachlos. Seine Knappin lies ein leises Kichern vernehmen. Sie hatte sich offensichtlich bereits auf der Reise mit der eigenwilligen Sprechweise des Magus vertraut gemacht. Diesem entging Ardos Entgeisterung jedoch völlig. „Bitte verzeijet mir mejne Unverfrorenhejt, wann ich für unseren anstejhenden Disput um jene jepolsterte Sitzjelejenhejt bitte. Ich bin het ejnfach necht jewohnt, so lange Strecken auf dem Ricken ejnes Pfardes zurickzulejen.“

„Ja nun, dann tretet ein Meister Wasjeff, und natürlich auch Ihr Balrik.“ Der Baron berappelte sich und kam wieder in sicheres Fahrwasser. „Es geht auf der Burg im Moment zu wie in einem Bienenstock und überall verlangt man nach mir, deswegen muss ich euch kurz wieder verlassen. Aber Meister Ugrimm hier wird Euch Euer Zimmer und sobald ihr Euch frisch gemacht habt, den Weg zum Speisesaal zeigen.“ Ardo deutet auf den Zwerg in feinen Gewändern der stoisch auf der nahen Treppe stand und zu warten schien, dass er gebraucht wurde. „Mechthild, Firnwulf, ihr kennt die Wege. Phexian und ich erwarten Euch in einer halben Stunde im Kaminzimmer.“

Bald darauf saßen Ardo und seine Gäste vor dampfenden Schüsseln in einer gemütlichen Kammer auf der Nordseite der Kressenburg, von wo man einen herrlichen Ausblick auf die Straße, den Elfenpfad, gen Greifenfurt hatte. Allenthalben sah man Reiter, Kutschen und andere Fuhrwerke der Stadt zustreben und zu Füßen des steilen Burgberges hatte sich in den letzten Tagen eine kleine Zeltstadt gebildet.

„Guter Ardo, ich hatte ehrlicherweise nicht erwartet, dass es auf Eurer Burg ein Kommen und Gehen gibt wie im Kaiserpalast", sagte Balrik nach einem Blick aus dem Fenster. "Ich nehme an, dass es hier sonst ruhiger zugeht? Zumindest wirken einige eurer Mägde zu gestresst, als dass es sich hierbei um den Normalzustand handeln kann.“

„Gut beobachtet, werter Freund.“ Mit einem Grinsen schlag Ardo weiter die warme Fleischbrühe in sich hinein. Er war seit dem gestrigen Abend nicht mehr zum Essen gekommen und dementsprechend hungrig. „Ihr könnt es noch gar nicht wissen, aber ich werde in wenigen Tagen den Travia-Kreis beschreiten.“

Ein lautes Klappern am unteren Ende des Tisches machte alle darauf aufmerksam, dass Mechthild vor Überraschung ihren Löffel in den Zinnnapf hatte fallen lassen. Verschämt hob die Knappin ihn wieder auf, sah ihren Schwertvater dann aber fragend an. „Wer ist sie denn? Kenne ich sie? Du hast uns gar nichts von ihr erzählt!“

Ardo hob lachend und abwehrend die Hände. „Gemach Mädchen, gemach. Ich konnte euch nichts erzählen, weil ihr wohl gerade in Punin wart als über die Verlobung entschieden wurde. Zumindest habt ihr im Ingerimm einen Brief von dort an mich gesendet.“

„Ingerimm?“, meldete sich Balrik zu Wort. „War da nicht die große Schlacht von der wir auf dem Weg hier her gehört haben? Auf den Straßen hört man nur Gerüchte oder unvollständige Geschichten. Wir waren schon in Sorge gewesen, ob es euch gut ergangen ist, nachdem wir von den schrecklichen Verlusten erfahren haben.“

„Ihr habt ganz recht gehört. Es war ein gar grausames Gemetzel mit Verrat und Brudermord. Niemals hätte ich dergleichen hier in Greifenfurt für möglich gehalten. Doch ich kann von großem Glück sprechen, denn nicht nur ist die Greifin zu uns zurückgelehrt, nein ich habe praktisch noch auf dem Schlachtfeld Travias Wille erlebt und meine Braut gefunden.“

„Ja, aber wer ist sie denn nun?“, fiel Mechthild wieder ein.

„Du kennst sie sehr gut Mädchen,“ meinte der Baron mit einem Schmunzeln. „Sie müsste auch jeden Moment hier sein, denn sie wollte uns Gesellschaft leisten sobald sie ihre Kameraden von der Kriegerschule begrüßt hat.“

Verstehen blitzte in Mechthilds Augen auf, aber bevor die Knappin noch etwas sagen konnte öffnete sich mit einem leisen Knarzen die schwere Eichentür. Herein kam eine ausnehmend gutaussehende junge Frau mit langen, hochgesteckten blonden Haaren, in einem eleganten blauen Kleid, dessen Tönung überraschend gut auf die Farbe ihrer Augen abgestimmt war. Ardo erhob sich sofort, ging zu ihr und führte sie an der Hand bis zum Ehrenplatz neben sich am Tisch.

„Balrik, Magister Wasjeff, ich darf euch vorstellen: Meine zukünftige Frau, Praiadne Leuinherz Keilholtz, die schönste Kriegerin der Mark und Schwester des Barons zu Eslamsroden.“

Balrik stutzte kurz, wegen Praiadnes Nachnamens, doch lies er sich davon kaum etwas anmerken. „Wohl nicht nur der Mark“, bemerkte er, stand auf und gab ihr einen Handkuss. Auch der Magus war von Praiadne völlig hingerissen. „Wohl wahr“, sagte er. „Ihr habet ejne außjesprochen hiebsche Zukienftige, Eier Hochjeboren.“

„Besten Dank“, antworteten sowohl Ardo als auch Praiadne, letztere war sogar bei den Komplimenten ein wenig verlegen geworden.

„Meine besten Glückwünsche!“, sagte Balrik.

„Ihr seid natürlich auf meiner Hochzeit herzlich eingeladen, Ihr beide“, erklärte der Baron mit einladender Geste. "Es wird auch ein Turnier geben und die Greifin selbst wird uns mit ihrer Anwesenheit beehren. Ihr hättet zu keinem besseren Zeitpunkt ankommen können, Balrik."

„Ich nehme Eure Einladung gerne an, werter Ardo“, antwortete der Reichsritter während der Bornländer sich tief verneigte. „Es wäre mir erneujet ejne Ehre, Eier Hochjeboren.“

Danach erkundigte sich Ardo wie ihre Reise mit der Kaiserinschwester verlaufen war und Balrik erzählte ihnen die Geschichte. Der Magus nickte bei den meisten Punkten, nur ab und an ergänzte er etwas, wenn der Reichsritter vergessen hatte ein Detail zu erwähnen. Der Vogt entschuldigte sich bald mit dem Hinweis auf seine Pflichten, doch der junge Baron war nicht gewillt das erfreuliche Wiedersehen so schnell aufzulösen und ließ für den Rest frisches Bier kommen. Anschließend erkundigte sich Balrik über den Verlauf der Schlacht und wie es dazu kam und nun war Ardo an der Reihe zu erzählen. Es ging bereits auf den Abend zu als das Wichtigste ausgetauscht war.

Mechthild und Firnwulf schwelgten in Gedanken schon in gebratenem und dem angekündigten Hochzeitsbräu, als ihr Schwertvater zum Abschluss noch eine unangenehme Nachricht für sie hatte. „Ihr zwei werdet übrigens noch heute Abend die Knappenkammer räumen und zieht bis zum Ende der Feierlichkeiten bei Phexian ein. Morgen kommt eine Delegation aus der Heldentrutz, die Geschwister meiner seligen Frau Mutter, und sie werden als Ehrengäste natürlich auf der Burg einquartiert. Schaut nicht so sauertöpfisch, andere Pagen und Knappen müssen beim Gesinde in der Küche schlafen und selbst der werte Reichsritter wird sich die Kammer mit einem anderen garetischen Gast teilen müssen.“

Entschuldigend wandte er sich an Balrik. „Die Burg ist einfach zu klein für diese Art Fest, obgleich sie mir früher immer riesig erschien. Deswegen werden die eigentlichen Feierlichkeiten auch draußen vor den Toren stattfinden. Die Zelte der Ritterschaft und die Tjostbahn habt ihr bei Eurer Ankunft ja schon sehen können. Ich habe mir erlaubt dem werten Baron von und zu Hirschfurten die zweite Bettstatt in Eurer Kammer zu geben.“