Der Konvent zu Natzungen - Vorspiel

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In dunklem Turmzimmer

Finster ist’s in jenem Raume, so dass allein als flüchtiger Schatten erscheint der Mensch, welcher da blickt durch schmale Scharte übers Land. Eine schwere Türe ächzt, und herein tritt ein Gerüsteter, was das Schaben schweren Leders erahnen lässt.

»Was willst du? Fasse dich kurz!«

»Seid gegrüßt, Herr! Ich bringe gute Nachricht, Der Beutezug nach Nuzell hat sich gelohnt, ganze vier Fuhrwerke, voll bis obenhin und selbst die Söldner haben sich noch gut eingedeckt. Dabei gab’s kaum Verluste.«

»War das alles?«

»Ja, das heißt ... äh ..., nein, Euer Wohlgeboren.« Der Gerüstete wird am Kragen gepackt, geschüttelt und durch den Raum gestoßen.

»Was denn noch!? Komm endlich zur Sache und verschwinde dann!«

»Es gab da ein größeres Gefecht, drüben in Nuzell. Mit dem Junker Gero Fünfseen. Aber wir haben sie alle massakriert, mindestens dreißig Leute, auch den ollen Junker.«

»Seid ihr denn völlig wahnsinnig geworden, ihr orkischen Bastarde?« Packt den Gerüsteten wiederum. »Könnt ihr euch in euren völlig hohlen Schädeln auch nur im Entferntesten vorstellen, was hier demnächst alles aufmarschieren wird, und das nur, weil ihr den Niederhöllen, unbedingt 'nen feinen Herrn aufschlitzen musstet? Ich lasse euch nicht euren Spaß, damit ihr all meine Pläne zunichte macht! Verschwinde und schick sofort diesen Ongalobullen von Anführer hierher. Sofort!«

Der Gerüstete verlässt fluchtartig den Raum.

Später, in selbigem Gemäuer

Der inzwischen wohlbekannte hohe Herr sitzt in einem grob gezimmerten Lehnstuhl im großen Saal einer Burg. Hinzu tritt eine Gestalt in Kettenrüstung und gegürtetem Schwert.

»Seid gegrüßt, edler Boronir! Ich überbringe euch die besten Wünsche meiner Gemahlin.«

»Mein guter Hardenquell! Wie ist das werte Befinden der Dame Ceres

»Den Umständen entsprechend.«

»Mir kam zu Gehör, es gab einen Unfall ... auf Burg Bärenau?«

»Ja, der Cantzler seiner Hochgeboren Brander fiel im Trunke vom Söller seines Turmzimmers. Wahrlich kein schöner Anblick, den das Madamal da enthüllte.«

»Wusste er denn zuviel?«

»Es schien so! Er hätte das ganze Vorhaben in Gefahr bringen können ...«

»... aber nun schweigt er für immer still. Wie schade.« Gelächter.

»Habt Ihr die Lage hier in Hornbach noch immer unter Kontrolle? Es kursieren die wildesten Gerüchte. Ihr wisst, nur wenn Waldfang in Eurer Hand bleibt, kann der Plan gelingen.

»Ja doch, sicher! Aber die vielen Söldner, so dienlich sie der Sache auch sein mögen, machen mir manchmal Sorgen. Jetzt haben diese Schwachköpfe auch noch den Junker von Nuzell umgebracht. Ein weiterer Grund für den Staatsrat, bald hier mit einer Abteilung Sonnenlegionäre aufzutauchen. Wir sind aber noch nicht in der Lage, die Grenzen lange gegen reguläre Truppen zu halten. Deshalb ist es umso wichtiger, dass unser Plan gelingt.«

»Nun, wenn Baron Brander erst nicht mehr unter uns weilt und meine Gemahlin als seine Schwester und somit rechtmäßige Erbin über die Bärenauer Truppen verfügen kann, werden wir die Planungen des Staatsrates gehörig stören.«

»Ja, sicher, mein guter Hardenquell! Doch nun berichtet mir Neuigkeiten. Diese Versammlung von unfähigen Hampelmännern rückt ´ja immer näher.«

»Es gibt sehr schlechte Neuigkeiten, mein Freund! Viele Adlige scheinen mehr denn je gewillt, ein kleines Heer aufzustellen., Der Staatsrat hat bereist den Gaugrafen Ugo von Mühlingen mit dieser Aufgabe betraut, und Ihr werdet es nicht glauben – dieser hat sich die kriegstreiberische Buhle von Natzungen zur Adjutantin bestellt! Nur gut, dass der Baron von Uslenried, dieser Wirrkopf, es nötig zu haben scheint, mit der Natzungerin einen kleinen Privatkrieg anzuzetteln, das verschafft uns einen gehörigen Zeitvorteil! Branders Tod wird dann eine weitere Verzögerung mit sich bringen, so dass Ihr genügend Zeit haben dürftet, Eure Truppen zu organisieren.«

»Wer wird für das Ableben sorgen?«

»Ich persönlich! Nachdem dieser Uhdenberger mit seiner Armbrust so kläglich versagt hat, wäre jeder weitere Fehlschlag unverzeihlich, zumal man denn nicht mehr näher als fünf Schritt an den Baron herankäme“ Es muss also während des anstehenden Konventes geschehen, damit genügend Zeugen anwesend sein werden, einen Schuldigen zu suchen. «

»... und ihn im Uslenrieder zu finden, brillant, Hardenquell! Dieser Zwist zwischen Uslenried, Bärenau und Natzungen kommt uns wirklich wie von den Göttern geschickt! Trinken wir also auf den Erfolg unserer Sache!«

Derweil in Uslenried

Der Baron Wulf von Streitzig zur Greifenklaue und zwei seiner Ritter in hoher, von Fackelschein illuminierter Halle. Jene mit großen Schritten durchmessend, tritt eine vierte Person zu den hohen Herrschaften.

»Ich grüße Euch, Euer Hochgeboren, und auch Euch, werte Herren!«

»Wieso erscheinst du persönlich, Bärenauer? Sind deine Boten nicht mehr zuverlässig?«

»Doch, doch, Herr! Aber die Dringlichkeit und Vertraulichkeit einer Neuigkeit gebietet es.«

»Nimm dir einen Becher Wein und dann heraus mit der Sprache!«

»Nun, Herr, ich habe Euch schon mit vielen Geheimnissen aus dem mir so verhassten Bärenau versorgt, an denen ich durch meine Stellung als persönlicher Gehilfe des Cantzlers teilhabe. Doch diese Neuigkeit wird alle vorherigen in den Schatten stellen, denn ich erfuhr schier Unglaubliches. Vor kurzem lauschte ich an der Tür zum Gemach der Frau Ceres von Bärenau, wie Ihr sicher wisst, die Schwester des Barons. Sie beriet sich gerade mit ihrem Gemahl, dem Ritter Kilian von Hardenquell.«

»Nun komm endlich zur Sache!«

»Nun, Ihr werdet es nicht glauben, aber man plante die Ermordung des Barons Brander während des allgaretischen Adelskonventes!

»...«

»Wie Ihr sehrt, ich habe nicht zuviel versprochen.«

»Bei den Göttern, das ist wahrhaft ein starkes Stück! Nenne mir Einzelheiten!«

»Euch wird diese Nachricht sicher so sehr erfreuen, dass Euer untergebener Diener auf eine bescheidene Zuwendung hoffen darf, bevor er zurück nach Bärenau reitet? Nicht dass Ihr schlecht bezahlen würdet, aber diese Neuigkeit ist sicherlich zehn Dukaten wert.«

»Hm, in er Tat bringst du mir gute Nachricht .., denn ... nun wäre mein Plan endlich perfekt! Wache! Ergreift diesen Verräter und werft ihn ins Verlies!«

»Aber, Euer Hochgeboren ..., nein lasst mich los! Hilfe, hilfe! Ich will keine Belohnung, Hochgeboren, hört ihr? Lasst mich los!«

Ende des Prologs