Der Konvent zu Natzungen - Planungen zum Heerzug nach Waldfang

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Weit war die Zeit fortgeschritten, und so konnte erst am frühen Abend die Planung der Intervention in Waldfang angegangen werden, freilich nachdem die Versammelten während einer kurzen Pause eine kleine Mahlzeit zu sich genommen hatten. Der Gaugraf Ugo von Mühlingen, der mit der Organisation des Aufmarsches betraut worden war, hob an, den derzeitigen Stand der Dinge zu referieren, wobei ihm der Staatsrat mehrmals berichtigend ins Wort fiel, was wiederum dem Stolz und des Laune des Gaugrafen sehr abträglich war, so dass er nach gehaltenem Vortrag erst einmal ungehalten einen Becher Wein hinunterstürzte.

Die Versammelten waren einhellig der Meinung, dass ein solcher Einmarsch bitter nötig und absolut unterstützenswert sei, doch war dieses Bekenntnis der Beginn eines unsäglichen Ringens um die Modalitäten dieser militärischen Aktion. Den Anfang des Diskurses machte Vogt Albur von Dornensee, der lieber die Vogtin Alwene von Mohnfeld als Adjutantin des Gaugrafen gesehen hätte, da sie wohl über eine bessere Ortskenntnis in Waldfang verfügen würde und außerdem gleichsam der Gastgeberin eine erfahrene Streiterin sei. Diese Argumentation leuchtete den meisten Adligen ein und wurde von einigen sogar aufgegriffen. Auch der Uslenrieder Baron unterstützte den Vorschlag nach Kräften, was ihn allerdings auch nicht daran hinderte, sich selbst als potentielle Führungspersönlichkeit ins Gespräch zu bringen. Da lachte die Baronin Maline laut auf und entgegnete, dass der Uslenrieder doch nur zu groben Worten fähig sei, doch in seinen Taten nichts zuwege bringe! Nun erhob sich wiederum lautstarke Kritik aus den Reihen der Uslenrieder, welche die Natzungerin der Unfähigkeit und Geltungssucht bezichtigten. Alleine der Baron selbst erhob keine Anschuldigungen, sondern nickte lediglich kurz dem Reichsvogt Odilbert von Sertis zu.

Der Staatsrat beendete dieses Gezerre schließlich, indem er nochmals die Herrin von Natzungen offiziell als Adjutantin des Gaugrafen bestätigte und diese Entscheidung mit ihren herausragenden militärischen Fähigkeiten begründete. Ein weiterer Stolperstein sollte die Zusammensetzung der Truppen werden: So plädierte unter anderen der Herr von Eychgras für den ausschließlichen Einsatz von Söldnern, da die Landwehr vermutlich durch eine mögliche Konfrontation mit Dämonen und Untoten überfordert würde. Dieses lehnte der Baron zu Sturmfels jedoch grundsätzlich ab und warnte vor dem ausschließlichen Einsatz von Söldnern, da diese nur dem Golde und keineswegs hehren Idealen verpflichtet seien. Da sich der Gaugraf und die meisten Adligen jedoch für ein größtenteils aus Söldnern bestehendes Heer aus oben genannten Gründen aussprachen und die Söldner ja auch bereits angeworben waren, gab es hierüber keinen Diskussionsbedarf mehr.

Nun, da sich die Versammlung bereits nach zweieinhalb Stunden einig geworden war, schien man zufrieden mit den bisherigen Ergebnissen und brachte einen Trinkspruch auf die Gastgeberin als künftige Heerführerin aus. Lediglich die Leute aus Uslenried und ihre Sympathisanten hielten sich zurück und schienen nicht gewillt, diese Entscheidung mitzutragen, geschweige denn sich darüber über alle Maßen zu freuen. Da erhob sich Ihre Hochgeboren Maline, dankte für das ihr entgegengebrachte Vertrauen und verlangte ohne Umschweife vom Baron Wulf, sich sowohl ihrem Befehl und ihren Anordnungen zu unterwerfen, so er denn beabsichtige, sich dem praiosgefälligen Zug nach Waldfang anzuschließen als sich auch für die versuchte Diskreditierung nun öffentlich zu entschuldigen!

Wulf, der dies wider Erwarten regungslos angehört hatte, begann nur leicht zu lächeln und sprach dann amüsier: »Euer allerdurchlauchtigstes Köpfchen glaubt doch wohl im Ernst nicht daran, dass ich auch nur im Allerentferntesten dies zu tun gedenke!«

Doch wiederum forderte die Baronin mit Nachdruck genau dies, diesmal unterstützt vom Gaugrafen und einigen anderen Würdenträgern. Da richtete sich auch der Uslenrieder auf und bekräftigte, sich keinesfalls unter ihr Kommando zu beugen, noch unter ihrem Diktat nach Waldfang zu ziehen und seine Leute somit ihrer unzulänglichen Kunst der Kriegsführung und hochfahrenden Arroganz auszuliefern! Dem entgegnete die Baronin sichtlich erbost: »Gut, wir brauchen Euch und Eure thorwalschen Mordbrenner und Liebfelder Hasardeure sowieso nicht, es ist sogar besser ohne sie. Aber wenn Ihr glaubt, auf eigene Faust in Waldfang einmarschieren zu können, wie mir aus vertraulicher Quelle zugetragen wurde, so solltet Ihr Euch darauf gefasst machen, dass Ihr und Eure Truppen als Feind betrachtet und von uns bekämpft werden, auf dass Euch das gleiche Schicksal ereile, wie die verfluchten Ketzer und Dämonenanbeter zuvor! Seid also gewarnt!« Der offene und endgültige Bruch dieser beiden starken und wichtigen Adelshäuser schien damit also vollzogen und die Möglichkeit, dieses Treffen in Eintracht und mit einer gemeinsamen Erklärung zu beenden, unwiederbringlich verloren.

Wie schon so oft hatten Zank und Hader getrennt, was eigentlich zusammengehören müsste. Wortlos schickten sich die Uslenrieder an, der Versammlung den Rücken zu kehren und das Schloss zu verlassen, denn sie konnten von Maline weder zur Waffenfolge noch zum Bleiben gezwungen werden. Der Bärenauer Baron Brander aber, der den Verrat seiner Schwester noch nicht überwunden und seitdem völlig teilnahmslos der Versammlung beigewohnt hatte, schien just in diesem Augenblicke und für alle überraschend aus seiner Apathie zu erwachen, denn er hieb derartig fest mit seiner Faust auf die Tafel, dass sein mit aranischem Wein gefüllter Becher einen Finger hoch hüfte. Dazu schien er sich die Seele aus dem Leib zu schreien:

»VERDAMMT NOCH MAL! BEI DEN GÖTTERN, DeN HEILIGEN UND DEN HELDEN, BEI REICH, RECHT UND KÖNIG! SIND WIR HIER AUF EINEM TULAMIDISCHEN BASAR, WO GEFEILSCHT, GEHANDELT UND GEPLAPPERT WIRD, WAS DAS ZEUG HÄLT? HABEN WIR DIE ZEIT DAFÜR, HABEN WIR DAS RECHT DAZU? MIR WIRD SPEIÜBEL, WENN ICH SOLCH KINDISCHES GEZÄNK WEITER MITANHÖREN MUSS! IHR WAGT ES VON EINIGKEIT ZU SCHWATZEN UND IM SELBEN ATEMZUG DOCH NUR AN EUCH SELBST ZU DENKEN! IHR SCHEINT EUCH WOHL IMMER NOCH NICHT BEWUSST ZU SEIN, WAS DA UNSER REICH BEDROHT, WAS SICH DA BEREITS EIN VIERTEL DAVON EINVERLEIBT HAT, WAS AUCH MIT UNS LEICHTES SPIEL HABEN WIRD, WENN ES SO WEITERGEHTI DU ... UND DU ..., FOLGT MIR AUF DER STELLE!«

Außer sich vor Zorn wies der Baron bei diesen Worten auf den Uslenrieder und die Natzungerin, die gar nicht anders konnten, als ihm in eines der Separées zu folgen. Die übrigen Versammelten blieben in ihrem Staunen alleine zurück, selbst der Staatsrat hatte mit einer solchen Reaktion wohl nicht gerechnet. Obwohl die drei in einem der hinteren Zimmer verschwunden waren, konnte man die Vorhaltungen des Barons Brander noch lange bis in den großen Ballsaal vernehmen, da er immer noch laut zu schreien schien. Bald jedoch wurde seine Stimme heiser und rau, was ihn wohl dazu zwang, sich etwas zu beruhigen. Aufgebracht verließen die Adligen ihre Stühle, setzten sich zusammen, befragten einander und die anwesenden Berater, wollten wissen, was da vor sich ginge ... Fast eine volle Stunde war vergangen, als alle schlagartig ihren eigenen Sitz aufsuchten und es mit einem Male totenstill wurde. Im hinteren Teil des Ganges waren die drei aus dem Zimmer herausgetreten und bewegten sich zurück in den großen Ballsaal. Nebeneinander traten Baron Wulf, Baron Brander mit hochrotem Kopfe und Baronin Maline an die Tafel. Erwartungsvolles Schweigen begleitete sie dorthin. Dann setzte der Uslenrieder ein feines Lächeln auf, wandte sich zu Brander von Bärenau und begann zu sprechen:

»Da wir nicht ein weiteres Mal die Gesundheit unseres Freundes aufs Spiel setzen oder ihn veranlassen wollen, seine Stimme aufs neue zu ruinieren, haben wir beschlossen, unsere Differenzen als größtenteils ausgeräumt zu betrachten und den unseligen Streit bis auf weiteres ruhen zu lassen!« Damit übergab er das Wort an die Natzungerin, die hinzufügte: »Des weiteren haben wir beschlossen, dass ich als Adjutantin des Gaugrafen zwar der offiziellen Führung des Heerzuggs betraut sind, unser Bruder aber, der Baton von Uslenried, gleichberechtigt einen Teil des Heeres befehligen und von Uslenried aus nach Waldfang führen wird!« 

Kaum waren diese Worte gesprochen, da erhob sich auch schon ein euphorisches Jubelgeschrei, dass es dem ganzen Schlosse eine Freude war! Schnell hatte sich ein Pulk um die frisch Versöhnten und den zufriedenen Brander gebildet und auch der Staatsrat schien ob dieser Wendung zum Guten sichtlich erleichtert. Wein wurde herbeigebracht, die Köche wurden angewiesen ein Festmahl zu bereiten, und so deutete sich eine Feier bis spät in die Nacht an.