Der Konvent zu Natzungen - Alle Wege führen nach Waldfang

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Noch in der gleichen Nacht nahm sich der praiosgefällige Junker Praiodan dieses schändlichen Individuums an – und zwar nicht in seiner Funktion als Staatsrat, sondern als Ordentlicher Inquisitionsrat des Ordens der Göttlichen Kraft. Diejenigen, welche dieser ”Befragung” beiwohnen durften (wobei das Wort ›Befragung‹ hier gnadenlos euphemistisch zu verstehen ist), merkten dem Junker sofort an, dass dieser es sehr begrüßte, endlich einmal wieder die »Feldarbeit« verrichten zu können, wie es Seine Hochgeboren Nemrod einmal so treffend beschrieben hatte.

Der Junker war in Begleitung des Gaugrafen, der Baronin Maline, vier Rittern vom Bannstrahl Praios’ und zwei Knechten mitsamt dem immer noch bewusstlosen Magier in den Keller herabgestiegen und hatte Kohlebecken, Fackeln und Eisenwerkzeuge in den Leichenkeller schaffen lassen. Danach wurde die schwere Kellertür von innen verriegelt. Seitdem hatten die Wartenden ein Stockwerk darüber immer wieder entsetzliche Schmerzensschreie vernommen, die von fürchterlicher Marter und Tortur zeugten. Vielleicht eine Stunde hatte das Verhör gedauert, da wurde die Tür entriegelt und auf die Schwelle trat der Staatsrat, die rußgeschwärzten Ärmel seines kostbaren Bauschhemdes hochgekrempelt. Schweißperlen funkelten auf seiner Stirn und ein zufriedenes Lächeln umspielte seine schmalen Lippen. Hinter ihm traten die übrigen Herrschaften mit ebenfalls zufriedenen Mienen aus dem Kellergewölbe.

Als letztes schleiften zwei Knechte den schlaffen und mit Brandmalen übersäten Körper des Zauberers über die Treppe und schafften ihn nach draußen. Den Gästen aber wurde mitgeteilt, dass sie sich sobald als möglich zu den Scheiterhaufen auf dem großen Turnier- platze begeben sollten.

Die gesamte Schlosswache hatte um die drei Scheiterhaufen herum mit Fackeln Stellung bezogen, so dass sie einen flammenden Kreis von vierzig Schritt Durchmesser bildete. Im Inneren erwarteten die anwesenden Adligen die Verlesung und Vollstreckung des Urteils. Zwei der eilends aufgeschichteten Haufen waren niedrig, aber dafür etwas breiter. Auf ihnen lagen die Überreste des unseligen Hardenqueller Ritters auf der einen, und der Leichnam des Leibgardisten auf der anderen Seite. In deren Mitte reckte sich das aufgetürmte Holz höher hinauf und wurde von einem massiven Balken bekrönt. An diesen hatte man den halbtoten Körper des verdammten und seelenlosen Magiers gebunden.

Da sprach der Junker Praiodan, und kristallklar klangen seine Worte durch die Nacht: »Kraft des mir gegebenen Amtes und der damit einhergehenden Macht von Praios’ Gnaden, klage ich den zu richtenden Magus Dschadir al’Safar an, schwärzeste Künste invokativer Art zum Schaden rechtschaffener und hochedler Würdenträger des Reiches angewandt zu haben, was gleichsam eines Angriffs auf das Reich zu werten ist. Des weiteren klage ich ihn der götterverachtenden Nekromantie in wenigstens zwei Fällen an, worüber keine weiteren Worte verloren werden müssen. Drittens wird dem Angeklagten zumindest die Urheberschaft zweier Mordversuche, wenn nicht gar eine persönliche Ausführung derselben angelastet. Als letzter Punkt wäre zu nennen die Kooperation mit den Aufrührern in Waldfang, namentlich den sogenannten Rubinbrüdem, dem geächteten Zachan ibn Ruhal und dem abtrünnigen Junker Boronir von Hornbach, in dessen Dienst und Sold der Beschuldigte steht. All dies hat der Angeklagte freiwillig und reuig gestanden und mit seinem Zeichen bestätigt. Das Urteil lautet daher: Tod durch Verbrennen! Erlöst seine Seele von diesem unbrauchbaren Körper, auf dass sie endlich hinab fahren kann, wohin sie hingehört! Gegeben, gezeichnet und gesiegelt im Namen des Reiches, des Regenten und des allmächtigen Götterfürsten, am vierzehnten seines eigenen Mondes!«

Als der Staatsrat geendet hatte, steckten Gardisten die drei Scheiterhaufen in Brand und nicht lange dauerte es, da loderten die Flammen hell hinauf zum Himmel, riesigen Fackeln gleich, zur Gemahnung der Lebenden. Und das verderbte Fleisch verging in dieser heißen Lohe, deren Flamme erhoben in die Höhe loderte, zum Lobe des einzigen und gerechten Herren. Es war die fünfte Stunde nach Mitternacht vorbei ...