Der Konvent zu Natzungen

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Getreuliche Schilderung der Ereignisse, welche sich da zutrugen vom zwölften (heilig!) bis zum vierzehnten Praioslaufe des Mondes des Götterfürsten im Götterlaufe achtundzwanzig nach der Inthronisierung Seiner Allergöttlichsten Magnifizenz Hal von Gareth auf dem Schlosse Nacia zu Natzungen. Denn dorthin hatten gerufen die Baronin Maline von Natzungen zu Natzungen und der Baron Brander von Bärenau, und viele hohe Herren und Frauen folgten dem Rufe und fanden sich dorten ein, zu beraten in hochedler Runde, wie die Zeichen der Zeit zu deuten wären und das schwarze Verderben, welches unheilvoll dräuet aus dem einstmals freien und stolzen Tobrien abzuwenden sei. Doch obliegen Beratungen von solch großer Tragweite nicht nur einer kleinen Schar wahrer und treuer Vasallen unseres göttergefälligen Reichsbehüters. Drum ward einberufen ein großer Hoftag nach Weidleth, zu beschließ0en die Einheit für König, Reich und Recht und zu siegeln den Friedensschluss mit dem Horasreich.

Zu Natzungen aber einzig ging’s um unsere geliebten Lande Garetiens, immerdar liebreizender Mittelpunkt des Reiches, Provinz der treuesten Lehnsleute der Krone, des pulsierenden Herzens Gareth erster Beschützer. Denn ein Glied dieses starken und wehrhaften Geflechtes, nämlich die Baronei Waldfang zu Reichsforst, ist der ewigen Fäulnis anheim gefallen und wird die engen Maschen anfällig zu machen für Versuche, sie vollends zu befallen und auszuhöhlen, eines nach dem anderen zu verheeren und dann in unstillbarer Gier entlang der nächsten Lebensader zu zeihen, bis auch die vollkommen ausgepresst und geschändet darniederliegt, um schließlich einen Weg bis nach Gareth, der Heimstatt unser aller Hoffnung, Stolz und Freiheit zu suchen. Doch Obacht, Ihr verderbten Bündner wider die praiosgefällige Ordnung – sowohl der Adel als auch das gemeine Volk erheben sich und stehen wie ein Mann hinter ihrem geliebten Reichsbehüterpaar. Gemeinsam werden sie euch zerschmettern, in alle Winde verstreuen und eure zwölfmalverfluchten Namen für alle Zeiten vom Angesichte Deres und zum ewigen Lob der Götter tilgen. So sehet nun und urteilt selbst über das Walten der Großen Garetiens.

Die Eröffnungsrede Seiner Hochgeboren Brander von Bärenau

Eure Gnaden! Eure Eminenz! Hochwohlgeboren! Brüder und Schwestern! Freunde!

Möge den Göttern unser aller Dank beschieden sein, dass die einen jeden von Euch sicher und wohlbehalten zum Orte dieses Treffens geleiteten. Wir begrüßen Euch alle in unserem Namen, meinem und unserer hochverehrten Gastgeberin, Maline von Natzungen, auch Schloss Nacia, welches in diesen Tagen wohl eher einem Heerlager gleichen, denn einem Ort der Muße und Hingabe an weitaus friedlichere Künste als es die Kriegskunst ist. Ja, viele von Euch trugen bei zu diesem rondrianischen Kleid, in welches sich das Schloss nun hüllt, indem Ihr in grimmer Entschlossenheit, den Paktierern endlich ein Ende zu bereiten, viele Kämpen um Euch versammelt hab und gen Natzungen gezogen seid. Ein wahrhaft erhebender Anblick ist’s nun, wenn man seinen Blick über die zeltbestandenen Wiesen wandern lässt und alle die eisenbewehrten Mannen und Frauen erblickt, wie sie in ungeduldiger Erwartung sich in Kampfesübungen ergehen oder ihre Schwerter blank polieren, auf dass sie im Scheine Praios’ Angesichtes blinken und blitzen, zu Frau Rondras Ehr und Gefallen! Ja, dieser Anblick lässt uns das Herz in der Brust höher schlagen und erinnert uns an glorreiche Schlachten, die das Mittelreich jüngst geschlagen wider die Orken und so manch anderes Gezücht.

Wieder einmal ist es soweit, dass ein Feind an unsere Festen hämmert, doch diesmal, Praios behüte, ist die Bedrohung größer und unfassbarer als jemals zuvor, und sie wird ihre Schatten über das ganze Land werfen, wenn wir ihr nicht Einhalt gebieten. Doch dazu ist es mehr denn je erforderlich, dass wir all unsere eigennützigen Absichten und krämergleichen Zwistigkeiten vergessen und uns erinnern, was wir sind: Mitteleicher, Garetier, Landsleute, jeder des anderen Bruder und Schwester! Lasst uns einig sein und in dieser Stärke dem Herrscher des Neuen Reiches, einem König, wie wir ihn und besser nicht wünschen könnten, folgen! So die Götter gnädig sind, werden sie den Sieg uns schenken, doch noch weit und mühsam wird der Weg dorthin sein, und viele werden den Triumph nicht mehr erleben. Doch was gibt es Größeres, als im tapferen Kampf für das Reich und auch seinen göttergefälligen Regenten das Leben zu lassen, in der Gewissheit, dass dadurch Rondras Aufmerksamkeit für einen kurzen Augenblick erregt zu heben? Nehmt Euch den Reichsbehüter zum Vorbild, wie bereits in jungen Jahren in die großen Fußstapfen seines Großvaters Reto und seines Vaters Hal trat und sich selbstlos der Orkengefahr zuwandte, statt sich zuerst den Thron in Gareth zu sichern! Bedenkt, wie er den Schwarzpelz das Fürchten lehrte und das Reich wieder aufrichtete, dem Götterfürsten zum Gefallen! Sehr, wie er jetzt in beinahe aussichtsloser Lage im Felde steht und leuengleich mit seinen Streitern das Reich verteidigt, während einige Lehnsträger in den übrigen Landstrichen versuchen, ihre Besitztümer und auch sich selbst möglichst unbeschadet durch diesen Konflikt zu bringen. Mit Abscheu und Scham erfüllt mich der Gedanke an diese keineswegs phexgefälligen Krämerseelen! Nehmt Euch ein weiteres Beispiel an Ihrer königlichen Majestät Emer, wie sie einst ihrem königlichen Gemahl furchtlos ins Feld folgte und wie sie jetzt in des Reiches schwerster Stunde umsichtig ihren Gemahl mit erhobenem Haupte vertritt, dem einfachen Bauersmann wie auch der hohen Adelsfrau Hoffnung und Trost spendend! Wir alle, und gerade wir Garetier, missen und als würdig erweisen, con solchen Herrschaften regiert zu werden.

Um dies zu tun, haben wir uns hier versammelt. Lasst uns verhindern, dass die Finsternis inmitten dieser Provinz einen unheiligen Eckpfeiler ihrer niederhöllischen Macht errichtet und dem Reichsbehüter in seinen Rücken fällt! Lasst und nach getaner Arbeit nicht ruhen und rasten, noch lange Zeit verlieren, sondern unsererseits angreifen und dm König zu Hilfe eilen, den dies ist der Geist, der das Reich zu dem gemacht hat was e heute ist! Was nützt es, wenn wir erst warten, bis der Feind auf unserem Grund und Boden steht? Gewiss, ein Bauer, der Haus und Hof verteidigt, ist mutiger und entschlossener als drei Söldner, aber eine solche Taktik kann und wird vor der Donnernden und auch vor unserem Gewissen nicht bestehen können. Bedenkt auch die Scharen von flüchtenden und vertriebenen tobrischen Landsleuten, die tagein, tagaus durch unsre Ländereien strömen, auf der Suche na einer neuen Heimat und sicheren Zuflucht, die ihnen Gareth auf Dauer nicht geben kann. Diesem unwürdigen und traurigen Zustand muss endlich ein Ende bereitet werden,. damit diese heimatlosen Vertriebenen wieder zurückkehren können in das Land ihrer Vorfahren, Der Kampf gegen den Bethanier muss in Tobrien geschlagen werden, nirgendwo sonst! Mit jeder Handbreit Boden, die wir zurück erobern, huldigen wir sowohl Mutter Peraine als auch ihren elf unsterblichen Geschwistern und entwinden der Fäulnis ein Stück ihrer Macht. Wohlan denn, werdet Ihr vielleicht denken, verteidigen wir die Grenzen Garetiens und sichern somit des Heeres Flanke und Nachschub! Doch warum sollten wir Alberniern und Almadanern den Vortritt lassen, wenn es darum geht, für Reich und Recht in Tobrien zu streiten? Ich sage, und das tu ich weder mit erhitztem Gemüt noch in unangemessenem Tatendrang, lasst uns ein Heer aufstellen, größer und schlagkräftiger als jenes, welches vor den Toren dieses Schlosses lagert, unterstellen wir es einem fähigen Stab, damit alsbald ins Herz der Schwarzen Lande aufgebrochen werden kann, um dorten das Peraine verachtende und Tsa spottende Siechtum von Sumus Leib mit Frau Rondrens Beistand zu beenden und der Götter Herrschaft wieder zu errichten, allen voran die lodernde Fackel praiosgefälliger Ordnung!

Es ist ein Gräuel zu hören, dass Seine Stadt, dass Goldene Beilunk, unterzugehen droht, wenn nicht bald Entsatz kommt und die tödliche Umklammerung zersprengt! Ich sage, diese Stadt zu befreien, sollte unser nächstes Ziel nach Waldfang sein, denn wenn Beilunk fällt, stirbt nicht nur eine Stadt, sondern auch ein Teil Seiner Größe und Seines Glanzes auf Deren, was wir niemals zulassen dürfen und verantworten können. Eine starke Feste, sowohl des Glaubens als auch des Widerstandes, wie Beilunk es ist, darf ihm, dem Bethanier, nicht in seine gierigen Klauen fallen, denn dies wäre das Ende des tobrischen Widerstandes und Freiheitskampfes!

Die ist meine persönliche Bitte an Seine wohlgeborene Ehrwürden, der uns mit seiner Anwesenheit beehrt, Herr Praiodan von Luring, und ich weiß, dass viele von Euch ebenso denken wie ich. Doch wollen wir nun zurückkehren zu den Dingen, die unmittelbar anstehen. Wie viele von Euch bereits wissen, steht es um die Baronie Waldfang in der Grafschaft Reichsforst sehr schlecht. Eine Sekte, welche augenscheinlich dem Bethanier verschrieben ist, hat die Herrschaftsstrukturen unterwandert und mit Hilfe des Junkers Boronir von Hornbach in besagten Landen die Kontrolle übernommen – oder sollen wir sagen: Das Chaos zum herrschenden Prinzip erhoben.

Der Herrscher über Waldfang, Reichsrat Tsafried von Waldfang-Waldfang, verstarb nun unglücklicherweise im Imgerimm des letzten Götterlaufes, so dass die Baronie bar jeglicher Führung ist, welche dem Treiben Einhalt gebieten könnte. Inzwischen beschränkt sich di8e Bande der Sektierer, zu der auch viele bekehrte Bauern sowie von vielversprechender Beute angezogenes Söldnerpack und Magiergesindel gestoßen sind, nicht mehr nur mit der Brandschatzung dieses geschundenen Landstrichs, sondern wagen dreiste Übergriffe auf die benachbarten Baronien. Gerade die Junker von Nuzell leiden schwer unter diesen Repressionen.

Den derzeit traurigen Höhepunkt dieser Posse stellt der Tod des Junkers Gero Fünfseen von Nuzell dar, der sich mit nicht weniger als dreißig Getreuen dem Angriff entgegenwarf und vollkommen aufgerieben wurde. Diesem unwürdigen und verächtlichem Treiben wurde lange genug tatenlos zugesehen! Darob ward nun von höchster Stelle Seine Edelhochgeboren Ugo von Mühlingen, der uns ebenfalls mit seiner Anwesenheit beehrt, mit der Beseitigung des Missstandes betraut. Zu des Gaugrafen Adjutanten ward just vor diesem Zusammentreffen unsere hochgeehrte Schwester Maline von Natzungen bestellt. Ich kann diese Wahl nur als gut bestätigen, denn ich konnte mich bereits von ihren rondrianischen Fähigkeiten überzeugen und schätze mich daher glücklich, von einer solch tapferen Frau ins Feld geführt zu werden. Das weiteren wird der Zug begleitet werden durch Seine Eminenz Yacuban von Creutz-Hebenstreyt, Geheimer Inquisitionsrat, der uns mit vier Inquisitionsräten strahlend Schwert und Schild gegen finstere Zauberei sein wird und unser aller Glaube uneinnehmbar macht für Zauder, Furcht und Versuchung. Wie viele Renegaten sich uns beim Übertreten der Baroniegrenzen entgegenwerfen werden, vermögen wie an dieser Stelle nicht genau zu sagen, doch rechnen wir mit etwa eintausend Aufständischen, die sich zum größten Teil aus dem Waffengebrauch ungeübtem Bauernvolk rekrutieren. Soweit die Lage.

Doch will ich nicht alles vorwegnahmen, was am morgigen Tage in selber Runde in allen Einzelheiten besprochen und beschlossen werden wird. Daher möchte ich zum Abschluss dieser Rede hocherfreut zum Ausdruck bringen, dass es mich mit Zuversichtlichkeit erfüllt, in welch großer Zahl Ihr dem Aufruf Folge geleistet habt und bis heute hier erschienen sied! Lasst uns nun unsere Kelche erheben und unserer Gastgeberin für die traviagefällige Aufnahme in diesen Hallen Danken.

Auf Maline von Natzungen!

Auf Garetien!

Mit uns die Götter!