Der Bastard der Bastardin auf neuen Wegen

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Markgräflicher Hof zu Perricum, Phex 1041 BF

Es war einer dieser frühlingshaften Tage, die anderorts wohl schon als sommerlich gelten würden. Die großzügigen Parkanlagen des weitläufigen Schlosses vor den Toren der Reichsstadt Perricum lud die Höflinge zum Lustwandeln ein. Madane von Zolipantessa hatte sich bei Virlana von Palmyr-Donas unter gehakt und so schlenderten die beiden adligen Damen auf einem mit feinen Kieselsteinen ausgelegtem Weg durch ein Meer von blühenden Blumen und akkurat gestutzten Büschen. Einige Schritte hinter ihnen folgte ihnen ein Page mit einem Krug Wein. Vögel in den buntesten Federkleidern flatterten umher und sangen um die Wette. Hier und da konnten die Höflinge gar einen der majestätischen Pfauen bewundern und man fragte sich zuweilen, wer sich mehr zu Schau stellen würde, die Höflinge oder die Pfauen.

Doch war es nicht nur Kurzweil und Zerstreuung was die Höflinge in die Parkanlagen trieb, nein, es war auch das ewige Spiel von sehen und gesehen werden und vor allem wer mit wem. Madane ließ ihren Blick schweifen. Die Landrichterin Perrica von Alxertis stach wie gewohnt durch ihre ausladende Robe und ihrer aufwendigen Hochsteckfrisur aus einem Pulk von Schreibern, Bediensteten und Bittstellern hervor, so dass Salia von Altmark und Ramanion von Zillingen ihre Mühen hatten, den Anordnungen der Landrichterin zu entsprechen.

Der Blick der Zolipantessa wanderte weiter und verengte sich auf eine Gruppe Frauen die sich an einem der vielen Springbrunnen versammelt hatten. Die spröde und als provinziell verschriene herrschaftliche Kämmerin Aldessia von Zackenberg war in einem Gespräch mit der Kammerherrin Selindia von Brunden und der ersten Hofdame Ederlinde von Sturmfels vertieft. Madane hasste die Sturmfels, die sie mit einer dieser teuren Puppen aus Unauer Porzellan zu vergleichen beliebte – von außen hübsch anzusehen, aber innen hohl. Auch die Kämmerin konnte ihre Herkunft aus den unzivilisierten Zacken nicht verbergen, da halfen auch teure Kleider und Schminke nichts. Was führte die garstige Sturmfels schon wieder im Schilde? Madane kniff ihre Augen zusammen. Sie würde sich später darum kümmern müssen.

Auf einem der weiten Plätze hatte sich eine Menschentraube gebildet, die Madanes und Virlanas Aufmerksamkeit erregten. Unter den strengen Augen der ersten Hausritters Rukus von Rabicum fochten hier die beiden Knappinnen Pernula von Zolipantessa und Nedime Eorcaïdos von Aimar-Gor einen Übungskampf mit dem Schwert, gekleidet in leichter Lederrüstung Perricumer Machart. Pernula war um einiges besser im Umgang mit der Waffe – war sie doch auch um einiges Älter. Doch auch Nedime zeigte eine Anmut und Körperhaltung, die sehr vielversprechend war.

Nach dem Schweißtreibenden Kampf löste sich der Pulk wieder auf und Nedime und Pernulia bewegten sich in Richtung der beiden Damen.

„Gut gekämpft, meine Mädchen.“ Anerkennung lag in der Stimme der Zolipantessa. „Das Perricumer Rittertum hat also eine Zukunft.“

Die beiden Angesprochenen lächelten sich an. Stolz lag in ihrem Blick.

„Sag mal, liebste Base“, Pernula dämpfte verschwörerisch ihre Stimme, „Die Vögelchen vom Marschenhof zwitschern ja so einige Neuigkeiten von Drosselküken.“

„Drosselküken?“, fragte Nedime verwundert, „auch du meinst den einfältigen Bastard der Paligan-Bastardin.“

„Ganz recht!“ Pernula reckte überheblich ihre Nase nach oben und blickte abschätzig nach unten.

„Nun, meine Gute, über das Drosselküken zwitschern die Vögelchen so einiges.“ Madane strich sich dabei unbewusst über ihre vernarbte rechte Gesichtshälfte. „Welches Gezwitscher ist es denn, was dich so bewegt?“

„Es wird gezwitschert, dass der Paligan-Bastard zur ritterlichen Ausbildung in die Kaisermark geschickt werden soll?“ Pernula hob bedeutungsschwanger ihre rechte Augenbraue.

„Das ist doch keine Neuigkeit“, Nedime blickte ihre Kampfgefährtin straffend an. „Mein Onkel hat mir davon schon in seinem letzten Brief geschrieben. Sein Vetter, der Gerwulf, will den Paligan zu sich holen.“

„Was will der denn mit diesem stumpfsinnigen Typen?“ Pernula schüttelte ihren Kopf und war innerlich etwas verärgert darüber, dass ihre Freundin mehr wusste als sie. „Der ist doch nur ein Bastard eines Paligan-Bartards.“

„Das ist der Punkt“, warf nun Virlana ein, „Bastard hin oder her, er ist der Neffe des Kaiseringemahls und somit der wohl weit wertvoller als so mancher Grafenspross aus alter Blutlinie.“

„Ganz genau“, Madane nickte zustimmend, „Das Haus Gareth zählt nur noch wenige Mitglieder, wenn wundert es da, dass sie ein Auge auf die nahen Verwandten haben.“

„Ist das dann so eine Art Austausch“, Nedime blickte nachdenklich in die Runde, „Mein Onkel schrieb mir nämlich auch, dass die Tochter vom Gerwulf, die Sanzerforst hier an den Hof kommen würde.“

„Was du nicht sagst.“ Madane musste schmunzeln, während ihr Blick auf eine sich nähernde Zofe fiel. „Meine Mädchen, seid so gut und bringt mit Emeralda. Ich habe einen Auftrag für sie.“ Nickend entfernten sich die beiden Knappinnen und liefen zu der besagten Zofe.

„Reto hat seine Nichte bestens erzogen. Da kann ich mich beruhigt der Sturmfels widmen.“