Das neue Haselhain - Die Baronin VI

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Baronie und Stadt Haselhain, Anfang Efferd 1041 BF

Ihre Vertraute Baraine schloss gerade die Tür hinter sich. Fatime hatte sie und Madaya - die stellvertretende Leiterin der Schreibschule zu Haselhain - gerade verabschiedet, nachdem diese ihr Bericht erstattet hatten. Hier in der Schule hatte sie dafür auch mehr Luft, deshalb kehrte sie hier immer wieder ein, um dem Alltag auf der Festung zu entfliehen. Das meditative Schreiben und Zeichnen half ihr sich auf alles andere konzentrieren zu können. Und das Erzählen und Unterrichten entspannte sie, auch wenn sie bedauerte, dass sie dafür nur noch so wenig Zeit hatte. Verflucht sollte ihr geliebter Gemahl sein.
Während er auf etlichen Festspielen und Turnieren seinem obsessiven Dünkel frönte, musste sie hier seine Aufgaben übernehmen und gegen seinen schlechten Stand und die alten Traditionen ankämpfen. Er selber hatte kaum noch die Muße sich zu den Alltagsgeschäften zu äußern, in seinen seltenen Briefen. Er folge "einem höheren Ziel", was träumerisch gemeint war, fühlte sich fast an wie eine Beleidigung. Andererseits spürte sie wie es ihr gefiel die Baronin zu sein und völlig nach ihrem Dafürhalten zu walten. Sie folgte mittlerweile gänzlich ihrem eigenen Kurs, Selo kümmerte es ohnehin nicht, nichtmal dann wenn sie von seiner ursprünglichen Idee abwich.
Nicht dass sie die Idee vom "neuen Haselhain der Wissenschaften und Künste" fallen ließ, im Gegenteil - aber sie tat es auf ihre Art und Weise. Anfangs hatte sie dabei noch versucht die "Rivalen" ihres Gatten auszuspielen. Wie die Familie Altmark, aber diese hatten ein gutes Pfand in der Hand. Sie wussten um die magische Begabung ihres kleinen Weißhauptes. Ein Umstand der die Baronin hatte grämen lassen. Doch dann hatte sie festgestellt, dass ihr Gegenüber, Ailah von Altmark, solchen Intrigen fern war und dies eher von anderen Teilen ihrer Familie ausging. Kashgar hatte Fatime in die Obhut des verdeckten Hofmagiers gegeben und dann angefangen Ailah für sich und ihr Haselhain einzuspannen, was bedeutend effektiver war als gegen sie bzw. ihren Vetter anzuarbeiten, was die hesindegefällige und am Altertum interessierte Gelehrte nur allzu gerne annahm. Da es dieser nie um Machtspielchen, sondern allein um das Kolleg, gegangen war. Obendrein war die Altmärkerin eine Verfechterin der alten Alhani-Matriarchinnen, zu denen sie viel studierte. So dass sich Vetter immer stärker heraus hielt, dieser hatte wahrlich auch schon genug für die Altmarks rausgeholt. Aber seinen Trumpf hatte er immer noch in der Hand. Fatime dachte darüber nach ihm diesen Trumpf zu nehmen, doch befürchtete sie, dass die Leute den ohnehin schon gebeutelten Kashgar verdammen würden. Die Menschen waren oft so einfach gestrickte und ängstliche Wesen, sie verstanden vieles nicht. Das neue Haselhain würde dies ändern, aber das benötigte Zeit.

Doch die Altmarks waren nicht das einzige Problem, ständig hatte sie mit den Traditionalisten zu kämpfen, den Selo zwar ihren Kopf abgeschlagen und in ihre Ecke verwiesen hatte, aber die einfach nicht tot zu kriegen waren und höchstens eine kriegerische Frau an ihrer Stelle akzeptieren würden. Wie kriegerisch die Baronin aber im Geiste war bekamen sie nun zu spüren. Ihre Feder und Worte wahren stark und ihre Zunge schärfer als so mancher Säbel, für diese alten Herren war im neuen Haselhain kein Platz mehr. Ihr Haselhain, doch die gelehrte Fatime wusste nur allzu gut, dass sie diesen Weg nicht allein gehen konnte. In Ailah von Altmark hatte sie schon eine - zumindest partielle - Parteigängerin und sie war dabei sich weitere zu suchen. In Haselhain und darüber hinaus. Überall regten sich gerade die Perricumer Frauen, hier würde sie fündig werden. In Reichsgard zum Beispiel, in Rashia'hal sowieso, der Reichsstadt, in die sie ohnehin gute Kontakte hatte. Dazu kamen ihre Familie, allen voran ihr Vater aber auch ihre Vertraute Baraine, die dem Auftrag Selos folgte mehr über diese Korgond-Heilige Kvorvina heraus zu finden, gar eine Exkursion einzuleiten. Anfänglich hatte Fatime dem wenig Bedeutung beigemessen, doch schien es sich um eine längst vergessene Geschichte zu handeln, eine Geschichte von einer starken Heldin, eine Identifikationsfigur für Perricum gar vielleicht. Die Frauen, vorallem die nebachotischen, würden aus ihrem Schattendasein treten, dafür würde sie sorgen. Das neue Haselhain würde nicht nur eines der Wissenschaften und Künste werden, sondern auch das der Frauen. Vorbei war die Zeit der bluttrunkenen Männer. Sie - die Baronin - beendete das hier und jetzt. Die Nebachoten bewunderten starke, kämpferische Frauen, in ihr sollten sie eine bekommen, die ihnen zeigte was dies wirklich bedeutete.