Das Verbot der Nandus-Kirche - Die Hinrichtung

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Garether Stadtteil Meilersgrund

Nach dem Konkordat zu St. Ancilla wurde Dartan in den garether Stadtteil Meilersgrund geschafft, wo er in einem fensterlosen Kerker auf seine Verhandlung wartete. Wo er vorher einen recht angenehmen Arrest hatte, mit Freigang, frischer Luft und einem kleinen Bett, so mußte er sich nun mit Dunkelheit, ein wenig Stroh und Fäkaliengeruch begnügen.

Da er kein Sonnenlicht hatte und die ganze Zeit des Tages nur im Dunkeln saß, konnte er sich nur anhand den Mahlzeiten, die er bekam, und nur aus einem undefinierbarem Brei bestand, orientieren wie viel Zeit verging. Und dennoch verlor er recht schnell jegliches Zeitgefühl. Wer weiß, wieviele Tage bereits vergangen waren? Wochen? Oder gar schon Monate?

Anfangs hatte er sich noch eine Strategie überlegt wie er bei der bevorstehenden Verhandlung vorgehen wollte; doch je länger er darüber nachdachte, kam er zu dem Schluß, daß ihm nur ein Praios-Priester helfen konnte (in Rechtsfragen war Dartan nicht sehr bewandert). Dieser konnte bestätigen, daß er die Wahrheit sagte.

Es bestünde zwar noch die Möglichkeit eines Götterurteils, aber wer würde schon für ihn kämpfen – er selbst war jedenfalls nicht dazu in der Lage; selbst dann, wenn nicht wochenlang in diesem Kerker gesessen hätte.

Als er nach dem Kerkermeister rief und bat ein Brief schreiben zu dürfen (damit er den elenden Zuständen zumindest für einige Zeit geistlich entlfiehen konnte), lachte dieser nur und antwortete mit einigen kräftigen Fußtritten. Dartan spürte den Schmerz noch einige Tage in der Brust und gab einen erneuten Versuch den Kerkermeister zu fragen auf.

Doch was würde er machen, wenn er wieder frei war? Er würde wieder ins Horasreich zurück reisen, wo sie nicht so hinterwäldnerisch waren, wo sie aufgeschlossener und weniger – ja, weniger so dumm waren. Vielleicht würde er sich dann denn Truppen des Comto Protektors anschließen. Dort wußten sie einen Nandus-Strategen zu schätzen. Vielleicht würde er aber auch sich in einem netten Ort zur Ruhe setzen, eine Frau suchen und seinem Gott auf anderem Wege dienen.

Aber der Praios-Priester war nicht seine einzige Hoffnung. Der Aufklärungsmeister, in dessen Diensten er stand – oder besser: gestanden hatte –, hatte ihm versprochen alles in seiner Macht zu tun, um ihn zu helfen. Aber ob das reichen würde?

Doch je länger seine Haft andauerte, desto zermürbter wurde sein Verstand; er bekam schnupfen und fror die meiste Zeit, da er in der zugigen Zelle krank wurde. Er rettete sein Verstand dadurch, daß er die meiste Zeit in Meditation verbrachte. Somit kam er seinem Gott näher und er vergaß seine kleine, dunkle Umwelt von dreimaldrei Schritt und seinen immer schwächer werdenden Körper.

Irgendwann wurde schließlich seine Zellentür geöffnet und er wurde vom hellen Licht der Fackel geblendet, die einer der Wärter trug. Doch da Dartan mitlerweile zu schwach war um selbst noch gehen zu können, wurde er von kräftigen Händen aus seiner Zelle gezerrt – und schließlich vor einem Richtgerstuhl geworfen.

Der Prozeß war in keinster Weise so, wie ihn sich Dartan vorgestellt oder auch nur erhofft hatte: Es war eher ein Schauprozeß, bei der man ihm keine Gelegenheit gab sich auch nur zu verteidigen. Er wurde beschimpft und gedemütigt. "Mit euren demokratischen Umtrieben habt ihr euch gegen die zwölfgöttliche Ordnung gestellt", ereiferte sich der Richter auf seine Bitte (das er unter Husten hervorbrachte), einen Praios-Geweihten hinzuzuziehen. "Somit habt ihr euch selbst jeglicher Unterstützung der Götter verwehrt. Und das nächste Mal, wenn Ihr sprecht, sprecht deutlich und ärgert mich nicht mit Eurem gehuste. Das ist ja nicht zum Aushalten! Beim nächsten Mal spürt Ihr den Stock!" Das war keine leere Drohung gewesen. Jedesmal wenn er wieder einen Hustenanfall bekam, hatte man ihm mit den Stock geschlagen. Es kam schnell zu einem Urteil: Tod am Strang.

Als er gleich anschließend zum Galgen gebracht wurde, tobte die Menge, beschimpfte ihn und bewarf ihn mit faulem Obst. Als er schließlich auf dem erhöhten Podest stand und ihm die Schlinge um den Hals gelegt wurde, blickte er sich in der Menge um und suchte ein Gesicht. Als "seine Verbrechen" aufgezählt wurde, fand er ihn schließlich. Er saß weit hinter der Masse auf einem Pferd und beobachtete die Szenerie. Auf dieser Entfernung konnte er seine Gesichtsregung nicht erkennen. Balrik von Keres hatte versprochen ihn zu helfen und hatte nichts getan! Er hat ihn im Stich gelassen!

Doch als er sein Blick voller Wut wieder abwandte entdeckte er ein weiteres Gesicht in der Menge: Nandurna, eine Novizin aus dem Nandus-Stift, die ihr Gesicht unter einer Kapuze versteckte. Sie blickte ihn mit trauigen Augen an. Jetzt erkannte er, wie hübsch sie eigentlich war. Er hatte sie immer als eine Schwester im Geiste betrachtet, aber jetzt wurde ihm klar, daß es vielleicht doch mehr war.

Das nächste was Dartan spürte war das Nachgeben des Bodens und das Auffangen der Schlinge, die ihm gehörig die Luft nahm. Während er noch röchelte spürte er wie sich jemand an seine Beine hängte.

Dann hörte er das Rauschen der Schwingen Golgaris.