Das Schweigen im Walde I: Feuersbrunst - Teil 3

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Zwischenspiel – Todeskampf

Auf dem Mythraelsfeld bei Wehrheim, 24. Peraine 1027 BF

„Hierher, schnell“, brüllte der Hauptmann über das Schlachtfeld, um seine Soldaten wieder um sich zu sammeln – oder zumindest diejenigen, die noch am Leben waren. Seit einigen Stunden tobte die Schlacht, und es sah nicht gut aus für die Kaiserlichen. Der endlose Heerwurm hatte sich gleich einer Raupe durch das Land gefressen, und nun fielen die untoten Horden und die Söldlinge der Heptarchen über das eiserne Herz des Reiches her. Wehrheim, wie es noch am Morgen bestanden hatte, existierte nicht mehr; die finstere Mächte hatten ein wahres Inferno ausgelöst, als die fliegende Feste über die Stadt geschwebt war. Es war schon schwer genug, überhaupt zu glauben, daß ein solches Gebilde existieren konnte – und noch schwerer war es, wirklich zu begreifen, was das entfesselte Böse angerichtet und die Stadt ausgelöscht hatte. Kein Wunder, daß etliche der Landwehren und Söldner im Angesicht des Feindes das Weite gesucht hatten, und Halgan war sich nicht sicher, ob nicht auch aus seiner Einheit einige Soldaten Fahnenflucht begangen hatten. Mittlerweile zeichnete sich ab, was er schon seit geraumer Zeit befürchtete: Die Schlacht würde verloren gehen, so wie Wehrheim verloren gegangen war. Zu spät hatte man auf die Gefahr reagieren können, und längst nicht alle Truppen des Reiches waren rechtzeitig genug eingetroffen, um Entsatz und Verstärkung zu leisten. Lediglich aus den angrenzenden Ländereien waren Ritter und Landwehren eingetroffen; die Verstärkung aus anderen Provinzen hingegen hatte in der kurzen Zeit nicht so weit marschieren können, wie es die Masse der Untoten vermochte, die nicht ermüdete und weder Pausen noch Schlaf benötigte.

Halgan von Streitzig j.H. gab seiner Einheit ein paar schnelle Anweisungen, ehe er sich mit den Kämpfern erneut in die Schlacht stürzte. In jeder kleinen Schlachtenpause hatte er verzweifelt Ausschau gehalten nach weiteren Kämpfern, und noch immer hoffte er darauf, in der Ferne das Banner des jüngeren Hauses Streitzig zu erspähen, und mit ihm das garetische Heer. Und wenn es nur die Truppen der Grafschaft Waldstein gewesen wären, die dem Befehl seines älteren Bruders, Baron Wulf von Uslenried unterstanden, es hätte seiner Hoffnung Auftrieb gegeben.

Neben ihm fiel einer seiner Soldaten in den Morast hinab, niedergestreckt vom rostigen Säbel eines nahezu skelettierten Kämpfers, und der starre Blick verriet, daß wieder ein Kämpfer des Lichtes sein Ende gefunden hatte. Einige Schritte weiter spaltete ein gegnerischer Söldner einer Soldatin den Schädel, während genau neben ihm ein weiterer Mann kopflos zu Boden fiel. Gehetzt sah Halgan sich um und mußte feststellen, daß sie umzingelt worden waren. Nicht einmal zehn Soldaten waren ihm geblieben, und die Übermacht war erdrückend. ‚Oh Ihr Zwölfe, seid unserer Seelen gnädig’, dachte er erschrocken, als ihm klar wurde, daß sie nicht den Hauch einer Chance hatten, das Schlachtfeld lebend zu verlassen. Dennoch, er würde sein Leben so teuer wie möglich verkaufen und so viele der untoten Kreaturen vernichten, wie er nur konnte.

„Für Rondra!“ brüllte er über das Schlachtfeld, die Klinge gen Himmel gestreckt. Entschlossen stürzte er sich in den letzen Kampf, und erfüllt von der Wut der göttlichen Leuin streckte Halgan etliche der Untoten nieder, ehe er selbst den tödlichen Stoß hinnehmen mußte und als letzter seiner Einheit auf das Schlachtfeld stürzte.