Bruder des Blutes 7

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Morgana von Helburg, Rittfrau zu Zollsteyn, ritt gemächlich entlang des Galgenweges, einzig begleitet von ihren beiden Bluthunden, Perval und Gruvan. Die Bestien hechelten und ihre Zungen ragten weit aus dem Maul. Sie dankte Phex für diesen unerwarteten Ausflug, konnte sie somit der Langeweile am Hofe von Nymphenhall entziehen. Ihr Bruder war mal wieder auf Reisen, und mit dessen Gattin Ondinai von Weyringhaus-Helburg war nicht gut Kirschen essen. Sie führte inzwischen ein recht strenges Regiment, und jeder Grund war willkommen, den Hof für ein paar Tage zu verlassen.

Ihr Blick streifte die Buchen und Eichen am Wegesrand, und ihre Erinnerungen kehrten ins Jahr des Feuers zurück, als man im Boronsmond etliche Aufständische hatten hängen lassen. Ein Schauer lief ihr über den Rücken, die namenlosen Tage waren kaum vergangen und im Zwielicht der Bäume wirkte alles düster und unheimlich, selbst an einem sonnigen Tag wie diesem. Doch sie wäre keine von Helburg, wenn sie ein allzu zartes Gemüt besessen hätte, so richtete sie ihre Gedanken auf den eigentlichen Grund ihrer Reise. Ein Geweihter des Kor hatte in den namenlosen Tage die Grenzen überschritten und war offensichtlich auf dem Weg zum Schrein seines Gottes. Sie zollte ihrer Schwester der Vögtin Anerkennung, deren Spitzelwesen reibungslos funktionierte, die Büttel der Stadt hatten noch während der namenlosen Tage die Nachricht nach Nymphenhall überbracht. Und sie, Morgana, sollte sich den Burschen mal ansehen, man wusste in diesen Zeiten ja nie woran man war. Wäre ihr Bruder in seinen Landen anwesend, so hätte er den Korjünger bestimmt zum Schloss zitiert, die Baronin Ondinai hingegen begnügte sich damit einen Vertreter der Familie zu entsenden.

Endlich kam der Galgenhof in Sicht, wie am nun landläufig den ehemaligen Gutshof der Familie Dreißigacker nannte. Die Söldner hatten den Hof mit einer steinernen Wehrmauer umgeben und ihn in eine rechte Kaserne umgestaltet, hier bildeten sie neue Hasardeure aus.

Als sie vom Galgenweg abbog und den Schatten der Allee verließ, ließ der Schein des Praiosgestirn ihre neuen Kürass erstrahlen, und die Wache auf dem Torturm wurde aus sie aufmerksam. Hektische Rufe ertönten und noch bevor sie die Mauer erreicht hatte, wurde das Tor geöffnet. Sie ritt in den Hof hinein, die anwesenden Söldner grüßten lax, was schon ein Zeichen von Respekt und Anerkennung war. Immerhin hatte Morgana einst die Hasardeure angeführt, bevor sie zur Rittfrau von Zollsteyn erhoben worden war. Im Hof herrschte Leben, viele der Söldner übten ihre Kampfkunst, ein alter Weibel schikanierte ein Rudel Neulinge und andere machten sich bei den allgemeinen Arbeiten nützlich. Sie stieg vom Pferd und band es an einen der Pfosten fest. Vom Haupthaus waren Schritte zu hören, ihr Vetter Mortas lief ihr mit ausgebreiteten Armen und einem breiten Grinsen entgegen: „Willkommen werte Kusine, willkommen auf dem Galgenhof! Die Augen und Ohren der Vögtin sind wachsam, so früh hätte ich nicht mit einem Besuch gerechnet.“

“Kor zum Gruße Mortas. Wo ist der Geweihte?“

“Wie immer gleich zur Sache kommen, dass schätzte ich so an dir. Seine Gnaden Irean ibn Yantur ist in aller Frühe zum Schrein aufgebrochen, und seitdem nicht wiedergekehrt. Ich habe ihm die Katze hinterhergeschickt, um ihm im Auge zu behalten.“

Währendessen gingen sie zusammen ins Haupthaus, und machten es sich in der großen Stube gemütlich. Ein Söldner brachte Getränke, und den Hunden einen Eimer Wasser.

Morgana sinnierte über ihren Becher Wein: „Schon seltsam, da findet man nur mit Mühen eine Geweihte des Kors, um den Schrein überhaupt weihen zu können, und nun taucht während der namenlosen Tage einfach einer auf. Hat er gesagt was er hier will?“

“Er scheint auf einer Pilgerreise zu sein, war wohl erfreut überhaupt einen Schrein des Kor in diesem Landstrich vorzufinden. Guter Kämpfer, redet nicht sonderlich viel. Trotz seines Namens eher ein Almadaner, als ein Tulamide.“

“Lass ein Abendmahl herrichten, ich möchte unseren Gast heut Abend gut bewirten, und ihm dabei ein bisschen auf den Zahn fühlen. Wer weiß welche Interessen er wirklich verfolgt, vielleicht kann er uns ja auch nützlich sein. Malepartus würde es sicher nicht gutheißen, eine solche Gelegenheit sich entgehen zu lassen.“

“Ganz wie du wünscht, ich lass frisch schlachten, Blutsuppe wird ihm wohl schmecken!“

Morgana blickte aus dem kleinen Fenster, dessen Läden weit geöffnet waren und betrachtete die Gruppe Neulinge. Mortas bemerkte ihren Blick und fügte an: „Dein Bruder wird zufrieden sein, in einem Mond hat er drei neue Rudel zur Verfügung, ganz wie er es befohlen hat. Gute Mädels und Burschen, brauchen allerdings noch nen bisschen Schliff.“

Die Rittfrau lächelte während sie ihren Kürass ablegte: „Na dann schau ich mir mal deine Neulinge an, und sehe mal wem ich da noch was beibringen kann!“

Mortas grinste nur als seine Kusine das Haupthaus verlies, was für ein Wildfang. Da machte er sich daran alles für den Abend vorzubereiten.