Bruder des Blutes 4

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Der Galgenhof, am ersten Tag des Jahres 1030

Als die Praiosscheibe damit begann die Nebelschwaden der vergangenen Tage mit ihren wärmenden Strahlen zu vertreiben, schien der Galgenhof wie ausgestorben. Nur auf der Mauer neben dem Tor stand ein Mann und beobachtete aufmerksam die Gegend um den Hof. So friedlich wie das Land aussah, mochte man kaum glauben, dass noch gestern der Namenlose sein Unwesen getrieben hatte. Wie ein dunkles Band der Trauer zog sich der Galgenweg, gesäumt von alten Eichen und Buchen seinen Weg zur Stadt.

Plötzlich legte sich eine Hand auf die Schulter der Torwache. Der Mann fuhr herum, versuchte dabei sein Schwert zu ziehen. Doch mitten in der Bewegung hielt er inne.

"Euer Gnaden", stammelte er, "ich habe euch gar nicht kommen hören."

Irean lachte kurz, "Lass gut sein." Dann schaute er hinaus ins Land.

"Sag Kamerad, was ist auf jenem Weg passiert, der zu eurem Gut führt?", fragte er unvermittelt.

"Ihr meint den Galgenweg?", der Mann nickte hinüber zu den dunklen Bäumen.

Irean nickte.

"Das ist die alte Nymer Straße, welche von Burg Nymphenhall zur Stadt führt. Im Boronmond vor zwei Götterläufen lies seine Hochgeboren viele der überlebenden Aufständischen zur Mahnung und Strafe aufhängen. An die Zweihundert hat er so zu Boron geschickt. Die Leichen hingen an den Bäumen, bis sie verfaulten. Im Winter schlichen nachts viele Bauern aus der Stadt oder den Dörfern, schnitten ihre Angehörigen ab und verbuddelten sie dann irgendwo."

Offensichtlich schauderte es dabei sogar dem hartgesottenen Söldner, er brach mit seiner Erklärung ab und wandte sich zum Gehen, "Verzeiht, aber ich muss die Männer wecken."

Als der Geweihte nickte, griff der Mann zu einem alten Schild, welcher neben ihm an der Mauer hing und hieb mit einem alten Hammer darauf ein. Das laut scheppernde Geräusch schien Leben in den Galgenhof zu pumpen. Überall regten sich schlafende Gestalten.

Irean stieg die Mauer herunter und ging auf Mortas zu, der gerade aus dem Haupthaus des ehemaligen Gutshofes kam.

"Kor zum Gruße, Euer Gnaden", begrüßte Mortas den Geweihten.

Der nickte und fragte dann, "Wie komme ich zum Schrein des Gottes?"

Mortas musterte den Geweihten kurz, "Reitet von hier aus gen Osten. Eine gute halbe Stunde von hier werdet ihr einen abgebrannten Viehhof finden. Der Schrein befindet sich in der ehemaligen Scheune. Ihr könnt es nicht verfehlen."

Irean nickte und wandte sich dann dem Stall des Hofes zu. Wenig später verließ er den Galgenhof und ritt in die beschriebene Richtung.

Mortas indes winkte einen seiner Söldner zu sich. "Amarelo, folge ihm. Und beobachte, was er tut. Aber sei wachsam. Wenn er Dich entdeckt, könnte es böse für Dich enden."

Der flinke Schützte, der von seinen Kameraden nur "die Katze" genannt wurde, grinste, nahm seinen Bogen und machte sich sofort auf den Weg. Er folgte dem Geweihten im Laufschritt mit gebührendem Abstand, die Spuren des Pferdes konnte er leicht verfolgen, zudem kannte er ja den Weg.