Brennende Häuser - Eine wohlfeile Braut

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Garether und Märker Herold, Travia 1032 BF

Eine wohlfeile Braut?

Eklat auf Mersinger Verlobungsfeier

Feste Feidewald, Grafschaft Hartsteen, Ende Travia 1032 BF. Die Ankündigung des bevorstehenden Traviabundes der beiden Häuser Mersingen und Quintian-Quandt hatte reichsweit für Aufmerksamkeit gesorgt, verbanden sich doch hier ein reiches Garetisches Grafenhaus mit einflussreichstem uralten Adel. In Scharen zog es daher zahlreiche Freunde und Vasallen der beiden Adelshäuser aus Garetien, den Nordmarken und dem zersplitterten Darpatien in die garetische Grafschaft Hartsteen, um das grandiose Scheitern des geplanten Bundes zu schauen und Zeuge eines tiefen Zerwürfnisses zu werden.

Eine Nachricht, wie sie die Adligen des Raulschen Reiches im Rondramond des 1032ten Götterlaufes nach Bosparans Zerstörung erhielten, erhält man nicht alle Tage, kündigte sie doch die Hochzeit eines Grafen des Königreichs Garetiens an. Ein Graf zudem, der in erbitterster Fehde um seine Grafschaft mit dem einstigen Grafenhaus seines Lehens steht und dem die Kaiserin noch immer nicht den Lehenseid abgenommen hat. Seit dem ungeklärten Verschwinden seiner Mutter, der überall als besonnen und friedliebend bekannten und geschätzten Gräfin von Hartsteen Thuronia von Quintian-Quandt, wenige Monde vor dem Einfall des Endlosen Heerwurms in das Reich und dem Fall von Wehrheim, führte Geismar II. von Quintian-Quandt erbitterte Fehde mit der Familie Hartsteen, dessen Familienoberhaupt Luidor von Hartsteen vehement die Grafenkrone für sich beanspruchte.

»Für Brot und etwas Pfeffer lehrt die Kräh‘ den Sack das Fliegen«

Bei der erwählten Braut handelte es sich um niemand anderes als Isora von Mersingen ä. H., die jüngere Schwester der Pfalzgräfin von Weidleth, Yolande von Mersingen, und Base des Markgrafen der Rabenmark, Gernot von Mersingen. Von nahezu marbogleicher Erscheinung hatte ihre Familie die zarte Isa, wie man sie liebevoll nannte, stets wohl behütet und vor den verderbenden Einflüssen Deres beschützt, so dass sie kaum je öffentlich in Erscheinung getreten war. Dass sie nun in so unsichere Hände einer von blutigen Fehden geprägten Grafschaft übergeben werden sollte, verwunderte nicht wenige Freunde der Familie Mersingen. Da sich aber sowohl Pfalzgräfin wie Markgraf für die Liaison aussprachen, verstummten die mahnenden Stimmen schnell und kündigten ihre Teilnahme an der geplanten Verlobungszeremonie und der anschließenden Jagd auf der gräflichen Feste Feidewald.

Anderenorts nahm man die Ankündigung der Verlobung mit weitaus weniger Begeisterung auf. Große Teile des garetischen Adels, aber auch viele Adlige der Nordmarken, hielten sich mit Gratulationen bedeckt und schob verschiedene Entschuldigungen vor, welche ein Erscheinen verhindern würde. Aus den Grafenhöfen der anderen Grafschaften des Königreichs, wo nicht wie im Schlund ein eigenbrötlerischer Zwerg oder in Waldstein eine am gesellschaftlichen Leben uninteressierte Elfe herrschen, beschränkte man sich auf Grußkarten und unverfängliche Geschenksendungen, wollte man sich doch nicht mit dem verwandtschaftlich eng verbundenen Haus Hartsteen überwerfen.

Der Familie Hartsteen nahe stehende Kreise äußerten sich sogar mit offener Ablehnung über die Verbindung. Spottverse machten in den Schänken Garetiens die Runde. »Nicht lang, ein Handel kommt zustand', / S‘ ist fast, als würd ich lügen: / Für Brot und etwas Pfeffer lehrt / Die Kräh‘ den Sack das Fliegen.« Die in der Fehde offen auf der Seite des einstigen Hartsteener Grafenhauses stehenden Familien waren denn auch nicht einmal zur Feier geladen worden.

Brennende Häuser in Hartsteen

Währenddessen eskalierte die Fehde um die Grafschaft und nahm immer bedrohlichere Ausmaße an. Der Auftakt war das plötzliche Verschwinden von Graf Geismars direkten Widersachers Luidor von Hartsteen. Von seiner Reise aus den Nordmarken und dem Kosch, wo er den Reichskonvent besucht hatte und sich für die Wiederherstellung der beschmutzten Reputation des letzten Grafen der Familie Hartsteen, Rondrasil Baerwolf von und zu Hartsteen, bemüht und intensive Gespräche mit den Reichskammerrichtern geführt hatte, wurde er in Begleitung Seiner Exzellenz des Erzmagisters und Erzpraetor der Hesindekirche, Siopan von Salmingen, und seiner Gnaden Hadwig Manegold von Ibenburg-Luring, dem Rechtsbewahrer des Kloster Wallbronn, auf seiner Burg Oberhartsteen in der Schlunder Baronie Hartsteen erwartet. Allein die Reisegruppe verschwand ohne jede Spur zwischen Gareth und der Reichsstadt Hartsteen. Auf die Anschuldigungen des Hauses Hartsteen, die Gelegenheit beim Schopfe gepackt zu haben und durch üblen Meuchelmord sich seines Kontrahenten entledigt zu haben, schwieg man am Feidewalder Grafenhof.

Die Folge war eine sich steigernde Spirale der Gewalt, Plünderungen und Mordanschläge. Innerhalb weniger Wochen zeigte die Grafenfehde ihr hässliches Gesicht, schlug tiefe Wunden in die Familien der Grafschaft Hartsteen und vertrieb unschuldige Bauern in Todesangst kurz vor der Ernte von ihrer Scholle. Die mahnenden Worte der Peraine-Kirche verpufften wirkungslos und schienen die mit unerbittlichem Hass aufgeladene Stimmung in der Grafschaft nur noch mehr aufzustacheln. Ganze Marktflecken wurden Opfer der Flammen und nur durch das beherzte Eingreifen der Bürgerschaft konnte ein verheerende Stadtbrand der Reichsstadt Hartsteen verhindert werden.

Von überall reist man zur Verlobung

In diese aufgeheizte Stimmung reisten die Edlen des Raulschen Reiches nach Gräflich Feidewald. »Der ist ein Feigling, wer sich in Anbetracht der Gefahr auf seiner Burg versteckt«, äußerte sich sinngemäß die Baronin Odrud vom Gernebruch, welche in Begleitung ihres Ritter Lindos von Lilienthal ins Garetische reiste. Es bildete sich ein kleiner Zug nordmärkischer Adliger um die Pfalzgräfin von Weidleth, die später durch einige Gesandte des Fürstentums Kosch verstärkt wurden: Baronet Koradin Tsafelde-Sturmfels von Trappenfurten, Baronin Grisella Greifax von Gratenfels-Mersingen ä.H. und Baron Angrond von Sturmfels zusammen mit seiner Gattin Isida von Quakenbrück hatten es sich nicht nehmen lassen, die Verlobungsfeier persönlich mit ihrer Anwesenheit zu beglücken. Als Präsent des Fürsten des Kosch führte Halwart vom Eberstamm zu Ochsenblut, Burgsass der Fürstenburg, ein kostbares Diadem mit sich, das mehrereGoldene Eber und Sackwaagen zeigt, umrahmt von Perlen und Edelsteinen. "So wie es uns schöne und glückliche Ehejahre schenkte, soll es auch Euch Glück und Freude schenken." ... so die abschließenden Worte des Fürsten Blasius vom Eberstamm in seinem mitgesandten Brief.

Die Braut selber hatte zuvor eine Pilgerfahrt nach Boronia unternommen, im Schutz mehrerer Ordensritter der Golgariten um Abt Rabanus Falk von Krähenklamm und Komtur Lüdegast von Quintian-Quandt. Der im Orden des heiligen Golgari wegen seiner eindeutigen politischen Stellungnahme für seinen Vetter Geismar nicht unumstrittene Vorsteher der garetischen Speiche hatte durch seine Beziehungen eine nicht unerhebliche Rolle bei der Vermittlung des Traviabundes gespielt. Auf ihrer Rückreise von Boronia nach Feidewald wurde sie von ihrem Vetter, dem Markgrafen Gernot von Mersingen, und Baron Welfert von Mersingen und den Rittern Hrabanus von Mees-Mersingen, Mirl von Mees-Mersingen und Crevan von Tichyll-Dur persönlich eskortiert.

Auch aus dem Königreich Garetien hatten sich Gäste von Stand und Namen angekündigt. Eine kleine Überraschung war die Anwesenheit des Familienoberhauptes des Hauses Hirschfurten und Barons von Hirschfurten und Leihenbutt, Nimmgalf von Hirschfurten. Erst wenige Wochen zuvor war sein Bundesgenosse Hilbert von Hartsteen, der Pfalzgraf zu Kaiserlich Sertis, beinahe in einem schweren Attentat, bei welchem er seine Gemahlin und seine Kinder verloren hatte, ebenfalls ums Leben gekommen. Nur der Zufall und das meisterhafte Können seines tulamidischen Leibmedicus hatten den Hartsteener vor dem Flug über das Nirgendmeer bewahrt. Die Familie Hartsteen wertete die Anwesenheit des Hirschfurters im Stillen als deutlichen Affront, zumal sie dem Baron bei seinen erfolgreichen Bemühungen seines Lehens Leihenbutt aus den Krallen seiner früheren Gemahlin Simiona di Silastide-Marvinko zu entreißen mit Rat und Tat beigestanden hatte.

Ebenfalls aus Garetien waren die Vasallen des Grafen angereist, auch wenn nicht jeder besonders erpicht auf seine Anwesenheit bei der Verlobung schien. Selbst Geismars Verwandte, die Barone Werdomar und Anselm von Quintian-Quandt, schienen nicht sonderlich fröhlich zu sein in diesen Tagen, seitdem Baron Anselm blutig aus den Händen der Familie Hartsteen befreit worden war. Dagegen schienen die Baronin von Bärenau, Treumunde von Eychgras, und die Baronin von Natzungen, Tanira von Natzungen, die Verlobung als lästige Pflichtveranstaltung ihres Lehensgebers anzusehen. Einzig der almadanische Edle Boraccio D’Altea schien gehobener Laune zu sein, da sich Graf Geismar sich nicht hatte lumpen lassen und mehrere Flaschen besten Rotwein aus dem Lieblichen Feld auftischen ließ. Er unterhielt sich prächtig mit dem Perricumer Baron Eslam von Brendiltal, dessen Erscheinen nach langer Abstinenz durchaus für Aufsehen sorgte. Heimlich warteten die garetischen Gäste, dass der heißblütige Nebachote durch einen seiner berüchtigten Ausbrüche für einen kleinen Eklat sorgte, aber ihrer Enttäuschung verhielt sich der Heißsporn ruhig und genoss sichtlich das üppige Essen und den hervorragenden Wein. Mit dem Geweihten der Rondra Alexis Colon Darios hatte sogar der Zornesorden einen hochgestellten Gratulanten geschickt.

Eine Brautentführung mit Folgen

Bei Sonnenaufgang des letzten Tages des Traviamondes versammelten sich die Adligen in der dem Phex geweihten Hofkapelle der Feste Feidewalds. Unter feierlichen Chorälen und den neugierigen Blicken der Gäste fand sich das Brautpaar ein, beide in feinstem schwarzen Samt und mit silbernem Schmuck bekleidet. Der Hofkaplan Yaldur Plenkner hielt eine kurze Ansprache und ermahnte die Brautleute ihren gemeinsamen Vertrag, denn eine Verlobung stelle vor den Augen des listigen Fuchses die freiwillig getroffene Absichtserklärung zwischen zwei mündigen Partnern dar, die sie an diesem Orte vor den Augen der versammelten Zeugen eingingen, in Ehren einzuhalten. Feierlich überreichte der Phexdiener anschließend Tinte und Pergament, um die Verlobung vor dem listigen Fuchs festzuhalten und dessen Segen zu erlangen. Auch die anwesenden Geweihten der anderen Götter ließen sich eine kurze Ansprache an das einander versprochene Brautpaar nicht nehmen und zu segnen.

In den aufbrandenen Jubel der Gäste erklärte Graf Geismar die Feierlichkeiten für eröffnet und forderte auf, ihm in das Festzelt vor den Toren der Festung zu folgen, um sich vom Volk, das teilweise weither angereist war, gebührend feiern und huldigen zu lassen. Keine Minute ließ er ab von seiner neuen Braut, die klein und blass neben dem hünenhaften Mann mit dem gewachsten Knebelbart verloren und hilflos aussah.

Der Tag war von angenehmer Wärme und ein heiterer Himmel schien das Brautgeschenk des Götterfürsten zu sein. Doch unter dem riesigen Festzelt, welches strikt nach Stand getrennt war, staute sich die Hitze und um die Mittagszeit, als die Gäste sich manchen entbehrlichen Kleidungsstückes entledigt hatten, schien die Braut es nicht mehr auszuhalten. Sie müsse ein wenig frische Luft schnappen gehen und dem Trubel entfliehen, sagte sie ihren Tischnachbarn, die teilweise verstört, teilweise zustimmend den polternden Auslassungen des Grafen über die jüngsten Eskalationen der Hartsteener Grafenfehde zuhörten. Mit einer leichten Bewegung seiner Hand entließ Geismar seine Verlobte, sie kaum wahrnehmend.

Stunden vergangen, ohne dass die Mersingerin wieder auftauchte und besorgtes Gemurmel und verständnisloses Kopfschütteln machte sich unter den Gästen breit. Als am Anbruch des Abends ein atemloser Nordmärkischer Junker der Pfalzgräfin von Weidleth, der mit der Braut ausgeritten war, allein zurückkehrte, verstummte das Festzelt mit einem Schlag.

Räuber hätten sie wenige Meilen von Feidewald überfallen und in einen heftigen Kampf verwickelt, in dem nahezu alle Begleiter Isas von Mersingen gefallen waren. Er selbst habe sich alleine seiner Haut erwehren gewusst, aber hilflos mit Ansehen müssen, wie die laut um Hilfe schreiende Adlige von ihrem Pferd gezerrt und entführt wurde. Er sei den Räubern hinterher geritten, doch diese kannten sich in der Gegend offenbar bestens aus.. Ihre Spur führte zu einer abgelegenen kleinen Burg am Rande des Feidewaldes, welche die Raubritter offenbar als Versteck nutzten, um von dort aus ihre Raubzüge bis hinein in die Wildermark zu unternehmen.

Sofort machte sich Empörung unter den Adligen des Raulschen Reiches breit. Graf Geismar tobte vor Zorn und fand sofort den Schuldigen. Offenbar hatte die Familie Hartsteen es gewagt zu versuchen, mit ihren Handlangern seinen Traviabund zu verhindern. Die Beschreibung der Burg ließ auch keinen Zweifel übrig: Es musste sich bei dem Versteck um Burg Finsterstein handeln, die Stammburg der mit dem Hause Hartsteen verbündeten Familie Gnisterholm, »eine gar üble Bande von Raubrittern und Halunken«, wie der gräfliche Zeugmeister Ludorand von Schwingenfels zu bedenken gab.

Kampf um den Finsterstein

Umgehend rüsteten sich die Adligen zum Kampf und reisten los in den Hartsteener Norden, wo der Übergang in die Wildermark fließend ist. Nachdem man unterwegs auf dem freien Feld übernachtet hatte, erreichte der gemeinsame Zug unter der Führung von Graf Geismar und Markgraf Gernot den von Mooren umgebenen und sehr schwer zugänglichen Finsterstein. Will man dem Volksmund glauben, so hat hier der Kahle Schirch, der alte Riese des Feidewalder Mittelgebirges, mit einem Fels nach einem Bären geworfen. Wo er liegen blieb, erhebt sich heute der schroffe Hügel über Moorebenen. Dort, hoch oben, auf dem steilsten Grat des Felsens thront Burg Finsterstein. Die Trutzburg war teilweise verfallen, allein die eigentliche Hochburg und der windschiefe Wetterturm waren noch leidlich in Stand gehalten.

Der Graf und der Markgraf ritten an die Burg heran und forderten die Räuber auf, von ihrem götterlästerlichen Tun abzulassen und die Gefangene zu übergeben. Als Ausgleich wolle man alle Insassen der Burg verschonen, bis auf den Anführer Anselm von Gnisterholm, dem man den Prozess wegen Hochverrats machen würde. Die Antwort, ein tiefes, schallendes Gelächter vernahm man weithin über die sumpfigen Moore.

Man zog sich also zum Kriegsrat zurück. Baron Nimmgalf von Hirschfurten, den die Erfolge um die Befreiung de Stadt Puleth und der Sieg über die Anhänger des Rattenkindes in Leihenbutt als fähigen Strategen auswiesen, machte den Vorschlag, dem alle Anwesenden zustimmten. Da die Burg auf der Felsennadel nahezu unangreifbar war und sich die Raubritter mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht zur offenen Schlacht stellen würden, müsse man List vorgehen, um das Leben der Geisel nicht zu gefährden. Er schlüge daher vor, den Anbruch der nächsten Tages abzuwarten und vor der Dämmerung mehrere kleine Gruppen von Freiwilligen in die Burg eindringen zu lassen, die den anderen das Burgtor öffnen und die Braut in Sicherheit zu bringen. Er selber melde sich natürlich als Anführer einer solchen Gruppe. Auch Baron Angrond von Sturmfels und Baronin Odrud vom Gernebruch meldeten sich freiwillig. Der Markgraf, in Sorge um das leibliche Wohlergehen seiner Base, stimmte widerwillig der aus seiner Sicht gewagten Unternehmung zu. Er wolle eigentlich lieber auf die Verstärkung um den Komtur Lüdegast und dessen Schwinge warten, doch die Zeit stehe nicht auf Seiten der Adligen.

So bereiteten sich die Adligen auf die Stürmung der Burg vor und noch vor dem ersten Hahnenschrei überkletterten die ersten Ritter um Baron Nimmgalf die Burgmauern. Vor dem Burgtor unterdessen stellten sich die Bogenschützen des Feidewalder Grafen auf und deckten die Burg mit einem regelrechten Pfeilhagel ein. Die eingedrungenen Ritter trafen schnell auf heftige Gegenwehr der Raubritter um den Gnisterholmer. Während die mutigen Recken um den umstrittenen Baron von Dohlenfeld hinter dem Tor in schwere Kämpfe verwickelt wurden, in deren Verlauf sich der Sturmfelser mit einer ernsthaften Beinwunde zurückziehen musste, gelang der jungen Baronin von Gernebruch mit kühnen und wagemutigen Unternehmung die Öffnung des Burgtores. Die Adligen um Markgraf Gernot und Graf Geismar fielen daraufhin ungehindert in die Burg ein und stießen im Keller auf einen sichtlich erschöpften Baron von Hirschfurten, der in den Armen die zusammengesunkene Gestalt von Isa von Mersingen hielt. Bleich und nahe Borons Armen atmete sie flach und blutete stark aus einer heftigen Wunde im Unterleib. Baron Nimmgalf berichtete erschüttert, wie er den Raubritter Anselm von Gnisterholm bei der Braut überraschte und diesen in einen erbitterten Kampf verwickeln konnte. Die Aussichtslosigkeit seiner Situation vor Augen täuschte der finstere Hartsteener einen Angriff an, tauchte aber unter den Schlägen des Leihenbutters weg und rammte der Geisel sein Schwert bis zum Schaft in den Leib. Dies schien das allgemeine Zeichen zur Flucht zu sein, denn nun deckten die Leute des Raubritters dessen Flucht und versuchten selber zu entkommen. Allein das aufopferungswillige Gebet Alexis Colon Darios, dem Rondrageweihten des Zornesorden, vermochte das Leben der zarten Mersingerin zu retten. Mit nur einer handvoll Vertrauter war dem Raubritter Anselm von Gnisterholm die Flucht gelungen, die gefangenen Mordbuben richtete der Graf an Ort und Stelle. Für seine erfolgreiche Idee und die damit verbundenen Verdienste um die Grafschaft Hartsteen verlieh Graf Geismar II. dem Leihenbutter Baron noch auf dem Finsterstein die Heiliger-Feyderich-Medaille.

Erfüllt den Vertrag und bringt mir makellose Ware!

Erschöpft und erschüttert traten die Adligen die Reise zurück nach Feidewald an, wo man die Wunden der Verletzten versorgte und versuchte, den Schreck über die Entführung der Braut sich legen zu lassen. Man könne doch die Verlobung verschieben, wurden die ersten Stimmen laut, welche der erschöpften Braut ihre nötige Ruhe zukommen lassen wollten. Allein eine Untersuchung durch den Hofmedicus des Feidewalder Grafen hatte festgestellt, dass zwar das Leben der Braut gerettet worden war, die Klinge durch den Leib jedoch ihren Schoß hatte unfruchtbar werden lassen.

Als Graf Geismar diese Mitteilung vernahm, wandte er sich vor den versammelten Adligen an die sichtlich mitgenommene Pfalzgräfin von Weidleth und den Markgrafen der Rabenmark und erklärte: »Wir hatten einen Vertrag über eine fruchtbare Braut. Diese hier jedoch ist schadhaft und wird niemals meine Nachkommen zur Welt bringen. Daher bestehe ich darauf, man bringe mir eine makellose Braut!« Sprach und verließ die Versammlung. Verwundertes Gemurmel erhob sich, gemischt von immer lauter werdendem zornigen Ausrufen. Nicht wenige der Nordmärkischen Adligen forderten die Pfalzgräfin und den Markgrafen auf, dem unverschämten Garetier an Ort und Stelle die Fehde zu erklären, worauf die Mersinger ihrer Herkunft nach reagierten: Sie schwiegen und verließen wortlos das Fest, welches sich daraufhin nach kurzer Zeit zerstreute. Einzig der Almadaner Boraccio D’Altea und der Nebachote Eslam von Brendiltal ließen sich ihre gute Stimmung nicht rauben und köpften vergnüglich den teuren Wein aus dem Lieblichen Feld.

Jergan von Darbental, Korrespondent aus Hartsteen