Brautgeld - Unerwartete Einfälle und ihre Folgen

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Wallbrord von Löwenhaupt-Berg saß in seinem Arbeitszimmer und sortierte mit seiner Tochter und Adjutantin Elissa von Aelderklamm allerlei Schriftstücke und Korrespondenzen sein Regiment betreffend; eine Tätigkeit, die dem Offizier eine noch mürrischere Miene als ohnehin schon aufs Antlitz zauberte. Ein auf hochwertigem Büttenpapier verfaßter und mit dem Kaiserwappen versehener Brief fiel dabei vom Schreibtisch. Behände hob Elissa das Schriftstück auf und überflog zugleich dessen Inhalt, um dann ihren Vater unverwandt zu fragen: "Was schenkt der Adel Perricums dem Brautpaar eigentlich zum Traviafest?"
Ohne den Blick von den Papieren ab- und seiner Tochter zuzuwenden erwiderte der Oberst desinteressiert: "Was weiß ich, irgendwelche Schlauköpfe in des Markgrafen Diensten werden sich da wohl schon was überlegen. Sicher ist, daß es den Baronen und Vögten einen guten Batzen Gold kosten wird, man will ja schließlich bei so einem Ereignis nicht als Knauser dastehen, auch wenn jeder gern insgeheim seine Dukaten bei sich behielte."
"Aber warum nimmt der Adel dies nicht selbst in die Hand? Wie Du schon sagtest, Vater, teuer kommt es allen sowieso. Warum dann nicht wenigstens selbst bestimmen, was man schenkt?"
Nun sah Wallbrord auf und Elissa nachdenklich an. "Hm, guter Punkt, zugegeben. Aber bis siebzehn Vögte und Barone sich in dieser Provinz auf ein Geschenk geeinigt haben, wird das Brautpaar nicht nur längst den Travia- sondern auch den Boronstag gemeinsam erlebt haben."
Elissa erwiderte mit einem fast schon schelmischen Lächeln: "Das kommt darauf an, was man vorschlägt und wie man es angeht! Mit einer guten Idee und nur einigen anderen Lehensträgern als Unterstützer dürfte sich der Rest wahrscheinlich recht leicht überzeugen lassen."
Obwohl ihn bis vor ein paar Augenblicken die ganze Sache überhaupt nicht interessiert hatte, war Wallbrord nun hellwach; aufgerüttelt durch das Interesse seiner Tochter an der Sache. "Das mag ja alles sein, Elissa, aber zum einen habe ich keine Idee, was für ein Geschenk das sein sollte und zum anderen keine Zeit, um mich darum zu kümmern."
Die Adjutantin nahm die Antwort mit einem leichten Stirnrunzeln hin, setzte aber sofort nach: "Ach was, Vater! Wenn Du Dich mit den derzeit in der Stadt weilenden Baronen und Vögten vorbesprichst und den Rest per Kurier über den in kleinerer Runde gefaßten Vorschlag mit der Bitte um baldige Rückmeldung in Kenntnis setzt, hast Du damit weniger Arbeit, als Du glaubst. Außerdem", setzte sie fast schon neckisch hinzu, "sagst Du doch ständig, daß die besten Sachen die sind, die man selbst erledigt. Warum nicht auch hier?"
Mit einem leisen Stöhnen gab sich Wallbrord geschlagen. "Also gut, wenn Du um der Götter willen dann endlich Ruhe gibst: Ich mach´s! Aber wenn Du mir schon weitere Arbeit aufhalsen willst, dann verrate mir bitte doch vorher gnädigerweise noch, was denn als Geschenk Deiner Meinung nach infrage käme?"
Die junge Frau begann mit nachdenklich und konzentriert wirkender Miene durch das Zimmer zu schreiten, beobachtet von ihrem immer breiter grinsenden Vater. Plötzlich blieb Elissa vor der Reiterstatuette in einem der Regale stehen, stutzte kurz und drehte sich mit einem fast schon triumphierenden Lächeln zu Wallbrord um. "Es gibt in Perricum doch recht viele nachgeborene Adlige ohne Aussicht auf ein Erbe, oder?" Ohne dem Oberst Gelegenheit zu einer Antwort zu geben, fuhr die junge Offizierin fort: "Und die Nebachoten sind allesamt rechte Pferdenarren. Außerdem sollte das Geschenk originell und meiner Meinung nach eher praktisch als protzig sein und allen Lehensträgern die Möglichkeit geben, sich zu beteiligen."
"Läßt Du Deinen Vater noch in diesem Leben an Deinen hesindianischen Einfall teilhaben?" fragte Wallbrord mit gespielter Langeweile, "oder dauert das hier noch länger? Ich habe noch zu arbeiten und Du eigentlich auch."
"Wie wäre es mit einer Reiterschwadron?" kam als trockene Antwort.
"Äh, wie jetzt? Was für eine Schwadron? Glückwunsch, jetzt hast Du mich vollends verwirrt."
"Nun, es gibt ohne diese bekloppten Reichsstädter siebzehn Baronien in der Markgrafschaft. Wenn jeder Baron oder Vogt aus den Reihen seiner eigenen Familie oder denen seiner adligen Vasallen im Schnitt drei Leute fände, die bereit wären, sich der Kaiserin zu verpflichten und nicht länger ihren Angehörigen auf der Tasche zu liegen, bekämen wir 51 Streiter zusammen, mithin also eine ganze Schwadron. Dazu bräuchte es noch die gleiche Anzahl an Pferden womit man diese heißblütigen Nebachoten ins Boot oder besser aufs Pferd bekäme. Außerdem kann ich mir nicht vorstellen, daß eine andere Provinz bereits eine ähnliche Idee entwickelt hat. Perricum könnte also mit einer einzigartigen Gabe in Form einer Ehrengarde vor das Brautpaar treten."
Nach einer kurzen Pause nickte Wallbrord seiner Tochter anerkennend zu und entgegnete zustimmend: "Die Idee gefällt mir. Ich glaube, das könnte wirklich funktionieren. Dann machen wir doch gleich Nägel mit Köpfen: Finde heraus, welche Hochadligen der Provinz sich derzeit in der Stadt Perricum oder nahebei aufhalten und bitte sie um ein gemeinsames Treffen in drei Tagen."
"Ja, Vater, ich werde mich sofort darum kümmern."
"Gut, aber dann machst Du hier gefälligst weiter; ich gehe derweil etwas essen; Deine Ideen schlagen mir zuweilen auf den Magen."
Wallbrord schaute Elissa mit einer Mischung aus Bewunderung, Stolz und Irritiertheit hinterher. Diese Begeisterungsfähigkeit! Wo sie die wohl her haben mochte? Von ihm jedenfalls nicht. Irgendwie bewundernswert fand er sie aber dennoch.

Drei Tage später hatten sich die Eingeladenen - Selo von Alxertis, Lyn ni Niamad von Brendiltal, Geshla von Gnitzenkuhl und Eidan von Brendiltal - in einem der Besprechungsräume der Kaserne versammelt, wo der Vellberger ihnen den von seiner Tochter entwickelten Vorschlag unterbreitete. Zu seiner Überraschung hatten sich die Anwesenden nicht nur recht schnell darauf verständigt, diesen anzunehmen, sondern auch schon einen Namen für die aufzustellende Einheit festgelegt: Silbergarde vom Darpat.

Nun galt es noch, die übrigen Barone und Vögte anzuschreiben und um ihr Placet zu bitten.