Blutige Spuren - Ein Geheimauftrag

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In der garetischen Staatscantzeley

Staatsrat Praiodan von Luring, Diener des Herre Praios und Kanzler Garetiens, blickte seinem Gegenüber ins Gesicht. Innerlich freute er sich bereits diebisch auf Mühlingens Reaktion, wenngleich man ihm seine Neugier nicht einen Deut ansah. So saß er zurückgelehnt in seinem Lehnstuhl, die Ellenbogen aufgestützt und die Hände unter dem Kinn gefaltet, geduldig darauf wartend, dass der Marschall die Depesche zu Ende gelesen hatte.

Ugo von Mühlingen blinzelte etwas verwirrt, blickte kurz von dem Pergament auf, sah den Staatsrat an, der ihm leise lächelnd zunickte und las das Dokument gleich noch ein zweites Mal.

»Starker Tobak«, sprach Mühlingen schließlich, faltete das Pergament und reichte es an den Staatsrat zurück.

»Wohl wahr, Mühlingen, wohl wahr.« Der Staatsrat nahm das Dokument entgegen, blickte sich suchend auf seinem Schreibtische um und deponierte es schließlich unter einem Apfel, der zu seiner Rechten neben einem Aktenstapel lag.

»Gehe ich recht in der Annahme, dass wir dem Gesuch folgen werden und Ihr mich deshalb herbestellt habt?«

»Scharfsinnig wie immer, mein Lieber. Selbst wenn ich es wollte, könnte ich eine Untersuchung wohl kaum verhindern. Zu Uslenried mag es zwar nicht so eigenartig hergehen wie in Gallstein, aber dennoch ist mir Baron Wulf noch immer nicht wirklich geheuer – ein Streitzig eben.«

Ein Räuspern von der Seite ließ die beiden Exzellenzen herumblicken. An einem Schreibpult hockte Gsevino vom Prutzenbogen, des Staatsrates Secretaer, und erhob zögerlich das Wort. »Mit Verlaub, Exzellenzen, hat sich Baron Uslenried in den vergangenen Monden doch wenig auffällig verhalten, insbesondere seit den Ereignissen am Königswey...« Er brach ab, als er des listigen Funkelns in den Augen des Staatsrates und der sich bildenden Zornesfalte auf der Stirne des Marschalls ansichtig wurde.

»Jaja, Mühlingen hat seine Spuren hinterlassen, bei manchen mehr, bei manchen weniger.« Der Marschall atmete während dieser Worte des Staatsrates hörbar aus. »Uslenried war in letzter Zeit wenig unwillig, und auch zu Puleth war er ja in unserem Sinne recht umtriebig. Sind nicht gar immer noch einige Uslenrieder Söldner zur Bedeckung auf der Baustelle, Gsevino?«

Der Angesprochene nickte eifrig.

»Aus diesem Grunde scheint es auch ratsam, diese doch etwas delikate Angelegenheit nicht allzu sehr an die große Glocke zu hängen. Und darob wollen wir es uns nicht allzu sehr mit ihm verscherzen, solange es nicht wirklich notwendig ist. Diese Zeiten werden schon noch früh genug wiederkehren, fürchte ich.«

Marschall Ugo von Mühlingen nickte abwesend, derweil seine Gedanken noch am Königsweiher hingen.

»Sagt, Mühlingen, vor geraumer Zeit habt ihr mir doch von diesem Hauptmann Treuenbach berichtet...«

»Von Treuenbrück, Kolran von Treuenbrück«, fiel der Marschall ihm ins Wort.

»Nun gut, dann eben von Treuenbrück«, winkte der Staatsrat ab. »Ich denke, Ihr solltet ihn mit der Aufgabe betrauen. Wenn er wirklich so fähig ist, wie Ihr mir seit Monaten weismachen wollt, dann dürfte er doch gewiß der Richtige für diese Mission sein, findet ihr nicht?«

Der Marschall stutzte kurz, dann nickte er. »Sicherlich wird er dies bewerkstelligen können, ohne Frage!«

»Fein, dann werde ich die notwendigen Papiere ausfertigen lassen. So schickt mir den Hauptmann Treuenbrück nach der Mittagsstund hierher in die Cantzeley. Er soll bereits das nötigste zusammenpacken, auf dass er umgehend abreisen kann.«

Mit einem Gruß entfernte sich der garetische Marschall. Kaum das er die Türe hinter sich geschlossen hatte, klatschte der Staatsrat in die Hände. »So, das war der erste Punkt; der zweite folgt stehenden Fußes. Gsevino, zum Diktat!«