Besuch der Alten Dame – Unter dem Auge des Pfauen

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Schloss Reichsgarten, Landjunkertum Reichsgard, Baronie Herdentor, Peraine 1040 BF:

Gemächlich schlenderten Rymiona von Aimar-Gor und ihre Nichte Sulamith, die sich bei der älteren Dame eingehakt hatte, durch den weitläufigen Pfauengarten. Die Zofen der beiden Frauen folgten in gebührenden Abstand. Der traumhaft schöne Garten hieß nicht nur so, weil unzählige dieser majestätischen Vögel hier stolz und erhaben lang stolzierten, sondern weil in der Mitte des Gartens ein riesengroßes Pfauenmosaik in den Boden eingelassen wurde. Ein Geschenk der neuen Reichsvögtin von Perricum, wie es hieß.

„Meine liebe Nichte, ich sehe es dir an… bei all der Pracht hier vermisst du dein Leben bei Hofe, nicht war?“ Rymiona schaute nahezu mütterlich zu der jüngeren Frau.

„Ich kann es nicht verhehlen, der Hof war über 30 Götterläufe mein Leben, die Alt-Gräfin wurde mir gar zu einer mütterlichen Freundin. Nichts passierte bei Hofe ohne mein Wissen. Meine `Belehnung´mit Reichsgard empfinde ich als Winkelzug des alten Rabicums um mich loszuwerden … .“

„Hadere nicht mit deinem Schicksal, mein Kind, es hat sich so zum Besten für unser Haus gefügt. Wir können uns nicht ewig auf unserer glorreichen Vergangenheit ausruhen, als wir noch über große Teile von Aranien herrschten. Diese Zeit ist vorbei, es gilt neue Pfründe aufzubauen, nach vorne zu schauen, ohne dabei, getreu dem Wahlspruch unsere Hauses, unsere Wurzeln zu vergessen. Die Alt-Gräfin ist Tod und der markgräfliche Hof ist nur noch einer von vielen Machtzentren der Markgrafschaft.“

„Du hast recht, Barbenwehr, Marschenhof …. der nicht unwichtige Hof von Haselhain.“

„Die Herrschaft des Brendiltaler Bastards über Herdentor ist nicht in Stein gemeißelt. Er mag sich zwar nun offiziell Baron nennen dürfen, aber was ist, wenn Eslams wahrer Erbe zurückkehrt? Wie ist der Stand des Bastardes in seiner Familie wirklich? Folgen ihm alle uneingeschränkt? Wer steht ihm nahe? Wie stehen die Pfiffenstocks zu den Brendiltalern? Haben wir Verbündete in seinem näheren Umfeld?“ Rymiona lächelte in sich hinein. „Ist das zu glauben, ich höre mich an wie der selige Inquisitionsrat Yacuban.“

„Ich habe meine Vögelchen an seinem Hof, dort sind die eisernen Damen des Herrn Praios am einflussreichsten.“

„Die eisernen Damen des Herrn Praios? Das hört sich an wie das neuste Folterwerkzeug der Inquisition.“

„Die Mutter des Bastards und vor allem seine Großmutter, die scheinen mehr und mehr an Einfluss zu gewinnen. Doch ich finde die neue Baronin viel interessanter. Sie besitzt einen gewissen Reiz, auch wenn sie ihn noch im Schatten versteckt. Sie könnte in vielerlei Hinsicht der Schlüssel zur Baronie sein.“

„Wunderbar, dann kümmern wir uns doch um unser scheues Reh. Lade sie ein, vielleicht nicht hierher, sondern in dein anderes Gut … wie heißt das doch gleich?“

Edlenhof!“ Sulamith wirkte nachdenklich. „Der Brendiltaler in Perainsweil … dessen Tochter ist mit dem Ochsen auf den Viehwiesen verheiratet.“

„Ja schau einer an, die bulligen Ochsen grasen aber auch überall.“ Rymiona wirkte nahezu beschwingt. „Dann hat hier in Herdentor bestimmt auch der alte Leobrecht seine Finger mit im Spiel. Die Ochsen haben große Pläne hier in Perricum, das kannst du mir glauben.“ Die Augen der edlen Dame fielen auf zwei alte Herren, die in einiger Entfernung auf einer Marmorbank saßen und entspannt plauderten. „Wen sehen meine müden Augen? Sulmamith mein Kind, wir müssen unsere Unterhaltung zu einem späteren Zeitpunkt fortführen. Diese beiden Herren benötigen nun meine vollste Aufmerksamkeit.“

Die beiden Damen schlenderten zu den beiden gelehrt aussehenden Alten. Die Männer erhoben sich sofort, als die beiden Frauen an sie herantraten. Wobei der etwas jüngere aufgrund seiner Fettleibigkeit dabei etwas unbeholfen aussah.

„Rymiona, liebste Schwägerin.“ Filion von Zolipantessa gab der Edlen galant einen Handkuss. „Wie lange ist es her? Ein halbes Äon wie mit scheint.“

„Wenn ich mir dein zerknittertes Gesicht so ansehe, magst du recht haben, mein Bester. Was hat dich aus der Stadt hierher vertrieben? Zur Frühjahrsfrische wirst du ja nicht hier sein, oder?

„Nun, du hast mich ertappt.“ Der alternde Kunstsammler hüstelte gekünstelt. „Meister Menning hat mir von deinem `Anliegen´ erzählt und da dachte ich, meine Expertise könnte auch von Nöten sein.“

„Du überschätzt dich, wie immer. Aber wenn du schon mal hier bist, darfst du uns auch weiter mit deiner Anwesenheit erfreuen.“Rymiona wandte sich nun dem fettleibigen Gelehrten zu. „Meister Menning, es ist tatsächlich Eure Expertise die ich benötige – und nicht die eines gewöhnlichen Kunstsammlers – denn ich habe kürzlich ein Gemälde erworben, dessen Echtheit es zu überprüfen gilt und da ihr als allumfassender Kenner der Werke eines bestimmten seid … .“

„Edelhochgeboren, ich bin ganz Ohr.“ Menning Barûn-Bari kicherte in sich hinein.

Die ehemalige Landvögtin von Palmyramis klatschte in die Hände und zwei Diener brachten ein in ein Tuch gehülltes Gemälde herbei.

„Beim Barte meiner Großmutter, ist es das wofür ich es halte? Wo habt Ihr das her?“ Meister Menning, der einen verstohlenen Blick hinter das schützende Tuch wagte, schien erstaunt und entzückt zugleich.

„In instabilen Zeiten der letzten Götterläufe haben die Bleikammern durchlässiger werden lassen.“ Rymiona schmunzelte vielsagend. „Nehmt Euch alle Zeit die Ihr braucht.“

Meister Menning betrachtete mit weit aufgerissenen Augen das verhüllte Gemälde und konnte seine Vorfreude kaum bremsen.

„Wenn es echt ist, schenke ich es morgen der Reichsvögtin, sie kommt doch morgen, richtig?“

„Ja, sie und Charlyn werden morgen zur ersten Rahjastunde hier erwartet.“

„Wunderbar, es gibt viel zu bereden!“

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5. Unter dem Auge des Pfauen
Unter dem Auge des Pfauen

Kapitel 5
« Im Palastgarten
Briefspiel in Perricum
Zeit: 14. Per 1040 BF, am frühen Abend
Autor: Bega