Besuch auf Mor´Tres

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Sie hatten zur Mittagsstunde die Heimat des Barons von Gallstein erreicht. Hatten sie Schweigen erwartet, wurden sie eines Besseren belehrt. Auf Mor´Tre schien man sich für einen Krieg zu rüsten. Soldaten liefen auf dem Burghof umher, aus der Schmiede drang das Klingen des Hammers herüber und Mägde und Knechte eilten umher, flink den Bewaffneten ausweichend.

Doch überall waren Trauerzeichen zu erkenen. Nirgends war ein Zeichen des Hauses oder der Baronie zu erkennen. Alles war mit schwarzen Tüchern verhängt. Hoch oben auf den Türmen knatterten nur schwarze Fahnen im Wind ...

Mit Ruhe und Sorgfalt wurden sie durch die Burg geführt, bis man sie am Haupthaus trennte, denn nur dem Secretarius wurde der Eintritt gestattet. Der Hauptmann der Gallsteiner Garde selbst führte ihn nach oben zu den Räumlichkeiten seines Herrn.

Als sich die schwere Eichenholztür hinter dem Secretarius schloss, stand er fast vollkommen in Dunkelheit gehüllt, denn die Fenster des Raumes waren mit schweren Vorhängen verdeckt und drei Kerzen verbreiteten fast nur noch mehr Schatten ...

Der Herr von Mor´Tres stand mit dem Rücken zu ihm und schaute so zum Fenster hin, durch die Vorhänge daran gehindert hinaus in den hellen Tag zu blicken.

"Euer Hochgeboren, Sein Exzellenz, der Staatsrat, übermittelt euch durch mich ..."

"Spart euch eure Floskeln. Ich bin der Lügen müd." Die Stimme war ein Flüstern. Rau und ohne jede Betonung. "Ihr habt einen Medicus mitgebracht, wie ich hörte. Nun, für eine Hilfe ist es nun zu spät. Dabei hätte Euer Herr diese Hilfe schon früher schicken können, aber er erkundigte sich nicht einmal dann nach meiner Gemahlin, wenn andere schon längst auf all diesen zahlreichen Adelstreffen ihre Abwesenheit bemerkt hatten. Nun da sie tot ist, schickt er also seinen gelehrten Kräuterkundigen. Er schickt ihn nicht um zu Helfen, sondern um zu erforschen was meine Gemahlin den Tod brachte. Er glaubt vielleicht sogar ich hätte sie getötet ... Oder ist dies nicht die Wahrheit?"

"Nun, wisst Ihr ..."

"ICH WEISS NUR, DASS EUER HERR SICH NICHT INTERESSIERTE FÜR IHR LEIDEN!!! VERLOGENES PACK SEID IHR ALLE!!! IHR WOLLT WISSEN, OB ICH SIE TÖTETE? SEHT HER!!!" Mit einem Ruck riss er die Vorhänge hinab und geblendet wich der Secretarius zurück, als sich seine Augen an die Helligkeit gewöhnt hatten, entrang sich aus seiner Kehle ein überraschter Ausruf.

Vor ihm stand der Baron, aber was für ein Bild bot sich seinen Augen ...

Die Haare standen wirr ab, das Gesicht unnatürlich bleich und unter den geröteten Augen lagen tiefe Schatten. Müdigkeit und Tränen hatten ihre Zeichen in das Gesicht voller Schmerz gegraben.

"Geht zu euren Herrn und sagt ihm, das der Baron von Gallstein, das blutrünstige Monster, der Schlächter von Mühlingen, Schmerz verspüren kann. Geht und sagt ihm ich, sei ein Mensch gewesen ... Nun bin ich es nicht mehr ... Ich habe sie verloren. Nie hätte ich ihr etwas getan, dies schwöre ich bei den Zwölfen, bei meinem Blut, bei der Ehre meines Hauses." Er winkte müde ab. "Natürlich glaubt Ihr mir nicht. Geht zu Seiner Gnaden Bruder Boronfried. Er wird euch bestätigen, dass dort in der Gruft die Baronin von Gallstein ruht. Ich hatte sie nicht halten können. Hatte ihr Leid nicht beenden können. So viele Versuche ... Ein Spielmann erst brachte ihr Linderung und fast schien das Leben zu ihr zurück zu kommen, doch dann kam Mühlingen ... Ich verfluche den Tag, als ich die Klinge gegen dieses Pack erhob ... Für Praios, Königin und Garetien ... Schimpf und Schande brachten die Schwermut zurück und diesmal konnte ich sie nicht mehr halten... GEHT! GEHT UND LASST MICH ALLEIN! WAGT ES NICHT, IHRE RUHE ZU STÖREN!!! GEHT! IHR SEID NICHT WILLKOMMEN AUF MOR´TRES!!!"

Die Tür ging auf und der Hauptmann zog den Secretarius aus den Raum, führte ihn mit Nachdruck nach draußen, wo schon eine gewisse Anzahl von Soldaten den Medicus und den mitreisenden Krieger umringt hatten.

"In Gallestra wird man euch ein Zimmer geben, wenn Ihr dort sagt, dass Ihr ein Gast des Barons seid. Der Herr von Mor´Tres vergisst selbst in diesen dunklen Stunden nicht das Gesetz der Gastfreundschaft, wie es seine Gemahlin immer so wollte. Eure Kosten werden übernommen und nun verlasst diesen Ort. Ihr seid auf dieser Burg nicht willkommen."