Bekennt euch, Frevler - Praios Richtspruch naht!

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Gipfel eines Hügels unweit der Pfalz Kaiserley, Peraine 1041 BF:

„Siehe, Bogomil, mein eifriger Schüler, die Frevler strömen wie Ameisen in den Bau ihrer Königin.“

Der alterslos wirkende Priester des Götterfürsten zeigte mit seinem mit Schnitzereien verzierten Wanderstock aus Bosparanienholz auf die sich unaufhörlich windende Menschenschlange, die sich behäbig den Burgberg der kaiserlichen Pfalz Kaiserley hinauf schlängelte.

„Sie geben vor, dem Götterfürsten zu dienen, doch haben sie schon lange seinen Pfad der Gerechtigkeit verlassen. All diese elenden Würmer würden vor Praios' gleißendem Licht vergehen wie eine Motte, die geblendet von der Herrlichkeit des Lichts in eine Fackel fliegt.“

Meister Nazarius, oh vollkommener Seher des Gleißenden, warum haben diese verlorenen Seelen die Pfade der Gerechtigkeit verlassen?“ In der Stimme des gerade 16 Sommer zählenden Novizen klang ehrliches Mitleid mit.

„Sie haben sich blenden lassen von den Verlockungen der weltlichen Welt. Sie sind moralisch verkommen, prunksüchtig und unzüchtig. Sie tragen ihre Belange auf dem Rücken des gemeinen Volkes aus und folgen dem Glauben der Zwölf nur noch heuchlerisch.“ Der Perfecti der Bekenner blickte voller Zorn auf den Bernsteinknauf seines Wanderstocks, der in der Form eines Greifen gefertigt war. „Hochmut, Machtgier, Herrschsucht, Geltungssucht, Verschwendungssucht, weltliche Reichtümer – all das hat sie verdorben. Während ihre Bäuerinnen und Knechte auf ihren Äckern schuften, pressen sie sie bis aufs Äußerste aus, um sich in wohlklingenden Ritterbünden oder Kirchenorden für ihr praioslästerliches Verhalten beweihräuchern zu lassen. Sie erklären Kaiser zu Göttern, fallen vor götterlosen Altären auf die Knie und legen die Gebote des Götterfürsten nach ihrem Gutdünken aus. Sie sind alle Frevler vor dem obersten Richter!“

„Aber Meister, sind denn nicht auch einige von der göttlichen Gerechtigkeit durchdrungen?“ Der Novize blickte sorgenvoll zur kaiserlichen Festung.

„Manch einer glaubt, dem Pfad des Götterfürsten zu folgen, und erkennt dabei nicht seinen Irrweg. Ihre Prälaten, die sich anmaßen im Namen Praios' zu sprechen, sind verblendet von den Verlockungen des einen, dessen Namen wir nicht nennen. Sie werden am Ende ihrer Tage vor Praios' Richterstuhl stehen und ihre Frevel büßen. Doch ist es dann zu spät; der Richtspruch des Gleißenden wird unerbittlich sein und die Frevler allesamt richten. Das reinigende Feuer des Herrn wird lodern und die Kirche des Götterfürsten reinigen!“

„In den heiligen Schriften heißt es, der himmlische Richter sei der Quell der Freiheit und Gerechtigkeit eines jeden.“

„Ja mein Sohn, es sind die Taten eines jeden, sei er von adligem Geblüt oder einfacher Knecht, über die der Herr Praios richten wird.“

„Sind sie denn alle verloren, oder können ihre Seelen noch gerettet werden?“

„Du hast ein mitfühlendes Herz für alle Kreaturen, mein Schüler. Praios vermag die Verblendeten wieder sehend zu machen und sie aus der Dunkelheit zurück ins Licht zu führen. Der Frevler muss sich zu seinen Frevel offen bekennen und vor aller Augen Buße tun. Er muss entsagen der Völlerei, der Verschwendung, der Gier ... dem Streben nach Höherem, denn er ist auch nur einer unten vielen Geschöpfen des Gleißenden. Er muss sich dem reinen Glauben verpflichten und allem Weltlichen entsagen.“

„Von alleine werden die Verblendeten sich nicht zu ihren Frevel bekennen!“

„Wahre Worte, mein junger Schüler, deshalb werden wir sie zwingen, ihre Frevel zu bekennen und Buße zu tun. Praios' Richtspruch naht!“