Bekennt euch, Frevler - Mit halbem Ohr

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Stadt Breitenbruck, 6. Ingerimm 1041 BF, später am Abend:

„Deine Aufgabe ist es lediglich, hier zu sitzen und mir zuzuhören.“

Praiolin von Reiffenberg nickte kurz. Er hatte keine Ahnung, was die Greifin bewogen hatte, sich ihn, den fünfzehnjährigen Knappen ihres Mannes, für den Ritt nach Breitenbruck und weiter auszusuchen. Wenn er es zu tun gehabt hätte, hätte er Gerding ausgesucht. Immerhin war der fast fertig mit der Knappschaft und stärker und um einiges besser mit dem Schwert. Aber nein. Stattdessen hatte er selbst den strapaziösen Ritt bei Einbruch der Dunkelheit bis hierhin unternehmen müssen. Und während er in der Herberge nach einem Zimmer fragte, wohlgemerkt nicht für Ihre Erlaucht, sondern völlig unstandesgemäß nur für eine schwangere Adlige, war seine Herrin gleich in der nächsten dunklen Gasse verschwunden.

Wahrscheinlich hatte es etwas damit zu tun, dass Gerding seiner Landesherrin ausgeredet hätte, in ihrem schwangeren Zustand einen Ritt in der Nacht zu unternehmen. Und wenn er auch nur ins nahe Breitenbruck ging. Es hätte Widerworte gegeben und einen längeren Kampf. Und dazu war die Greifin nicht bereit gewesen. Somit hatte er es sein müssen, das kleinere Übel. Irgendwie kratzte dies empfindlich an Praiolins Selbstwertgefühl. Vielleicht war die Knappschaft wirklich nichts für ihn. Immerhin liebäugelte er schon länger mit dem Dienst an Praios. Allerdings war auch dort Demut geboten, im schlimmsten Falle lebenslänglich. Vielleicht sollte er mit der Entscheidung wirklich noch warten, bis er die Knappschaft beendet hatte.

Nun, zumindest war seiner Herrin nichts passiert, wenn der Ritt für sie auch trotz des eher gemächlichen Tempos eine Strapaze gewesen sein musste. Aber eine Kutsche hatte sie strikt abgelehnt, nicht zuletzt des Wappens wegen, die auf den markgräflichen Kutschen prangten.

Und statt dass man es sich jetzt in der Gaststube gemütlich machte und ein zwei Bierchen zischte, hatte die Greifin darauf bestanden, dass man ihr Speisen und Getränke aufs Zimmer servierte. Praiolin hätte nie gedacht, dass ihm die deutlich andere Art des Prinzen mal derartig fehlen würde.

Und als sei all dies nicht genug, hatte Irmenella von Wertlingen nun auch darauf bestanden, dass er, anstelle eine gute Mütze voller Schlaf zu nehmen, immerhin wollte man bei Tagesanbruch weiter gen Markt Feldharsch reiten, nun an ihrer Seite saß und ihre Ergüsse über die bestehenden diplomatischen Verwicklungen über sich ergehen ließ. Sie brauche jemanden, der dabei sitze, weil sie sich dann besser konzentrieren könne. Und überhaupt müsse sie ihre Gedanken ordnen, da sei es gut, wenn jemand ihr dabei helfen könne. Pustekuchen. Kaum hatte er ein einziges Mal eine Verständnisfrage gestellt, hatte sie ihn so zusammengefaltet, dass er sich kaum noch zu atmen getraute.