Bekennt euch, Frevler - Gedanken am Morgen

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Pfalz Kaiserley, 7. Ingerimm 1041 BF, morgens:

„Und, wie war ich?“ Umständlich nestelte Sigman von Lüstern an seinem Hosenlatz herum.

Thargrîn Raugunde von Mersingen spielte kurz mit dem Gedanken, die Wahrheit zu sagen, während ein sardonisches Grinsen über ihr Gesicht huschte. Aber nein, sie brauchte diesen Stümper noch, wie sehr er sie auch anekelte. Sie hatte sich auf den Balkon vor ihrer Kemenate geflüchtet. Die Mischung aus Pomade, unterschiedlichen Herrendüften aus Kalifat und Lieblichem Feld und aus Schweiß machten ihr zu schaffen.

Kurz runzelte sie die Stirne, während sie über die Kaiserley hinunter ins Tal sah. Der Nachbarbaron war also von Bekennern ermordet worden. Das störte ihre Pläne gewaltig. Sie hatte schon die Hauptleute bestellt, um die Sicherheitsvorkehrungen überprüfen und gegebenenfalls verschärfen zu lassen. Nichts sollte dem Zufall überlassen bleiben, was alleine schon deshalb schwierig war, weil Lüstern seine Jagddramaturgie alle Nas lang änderte, je nachdem, ob ihm etwas eingefallen war, die Wichtigkeit seiner Person im Jagdgeschehen noch mal in Szene zu setzen.

Diese ganze Idee mit der Jagd hatte sich als ein Fiasko entpuppt. Thargrîn war sich nicht mehr sicher, wie sie überhaupt auf die Idee gekommen war. In irgendeinem Gespräch bei Hofe war der Gedanke geboren worden und in ihr gewachsen, genährt von dem Wunsch, Irmenella von Wertlingen eins auszuwischen. Immerhin verhinderte sie bis heute erfolgreich, dass ihre Pläne, Niemith zu einem überregionalen Marktflecken zu machen, sich erfüllten. Auch schien die Markgräfin ganz darauf fixiert, die Mark innerhalb des Königreiches Garetien in einer Sonderstellung zu behalten und langfristig wieder zu einer Landgrafschaft zu machen. Das konnte die Kaiserin nach Thargrîns Meinung eigentlich nicht gutheißen. Rohaja stand allerdings zu Irmenella in einem derartig guten und freundschaftlichen Verhältnis, dass die Kaiserin, was die politischen Ziele der Frau anging, blind zu sein schien. Demnach war es an ihr, die Interessen von König- und Kaiserreich zu vertreten. Dies zumal das Haus Wertlingen mitnichten der einzige Anwärter auf dieses Lehen war, hatte doch auch ein Vorfahre der Familie Mersingen die Landgrafschaft geführt und dies sicherlich nicht zu deren Schlechtem.

Klamme Hände strichen ihr über den nackten Rücken und eine Duftwolke hüllte sie ein und ließ sie kurz den Atem anhalten: „Und meine Schöne? Sollen wir unser Vergnügen noch einmal wiederholen?“ Was auch immer Lüstern unter zartem Schmelz verstand, seine Stimme war davon definitiv verschont.

„Ich muss mich jetzt um meine Angelegenheiten kümmern, so leid es mir tut.“ Es gelang ihr doch wirklich, Enttäuschung zu heucheln.

„Schade. Aber wenn dir dabei langweilig wird, ruf mich und du wirst es nicht bereuen.“ Mit diesen Worten tänzelte Lüstern leichtfüßig von dannen, raffte sein Hemd und sein Schwert vom Boden und verließ die Kemenate, wahrscheinlich, wie sich Thargrîn eingestand, um sofort nach der nächsten Kammerfrau oder Zofe Ausschau zu halten. Dabei war er in der Regel ebenso wählerisch wie ein Wolf im Hühnerstall. Thargrîn schüttelte sich ein wenig. Gerüchteweis sollte er sogar versucht haben, der ältesten Tochter der Markgräfin nachzustellen, aber das konnte nur ein schlechter Ruf sein, immerhin war das Kind erst 9. Wobei er gerade bei den Bediensteten… ‚Lass das Grübeln, Thargrîn,‘ schalt sich die Pfalzgräfin. Jetzt galt es erst einmal, für die Sicherheit der anreisenden Gäste zu sorgen. Sigman Therengar von Gareth-Firdayon würde mit seinen Füchsen anreisen, einem Krebsgeschwür, das sich nach diesem völlig idiotischen Geplänkel von Korgond gebildet hatte und mittlerweile die politische Ruhe im Reich massiv störte. Nach Thargrîns Meinung war es allerhöchste Zeit, dass die Kaiserin und Königin von Garetien diese Separatisten stoppte und wieder Ruhe ieinkehrte.

Und dann waren da noch diese Bekenner. Die Pfalzgräfin seufzte. Anscheinend hatte irgendwer alle Quellen angezapft, derer er habhaft werden konnte, und Informationen ausgegraben, die so manchem wirklich gefährlich werden konnten. Nachdenklich blickte sie zu der kleinen Schmuckschatulle, in deren Boden ein Geheimfach eingelassen war, das zur Zeit ein wenig vertrauenerweckendes Pergament enthielt. Wer wohl dahintersteckte? Lüstern, dessen war sie sich bewusst, hatte ähnlich brisantes Material im Rahmen seiner Tätigkeit gesammelt. Wie formulierte er es? ‚Du weißt nicht, was Frauen so alles ausplaudern, wenn man sie nur richtig zu nehmen weiß…‘ Wieder zog sich eine leichte Gänsehaut über ihre Arme. Vielleicht sollte sie doch versuchen, Lüstern loszuwerden. Je schneller desto besser. Er begann, sie zu langweilen.