Bekennt euch, Frevler - Armleuchter

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Stadt Breitenbruck, 6. Ingerimm 1041 BF, später am Abend:

„Ad quintem, Lüstern.“ In diesem Wort lag so viel Abscheu und Unwillen, dass Praiolin aufhorchte.

„Oh Nazarius, wenn du auch nur ein einziges Mal das Richtige tun wollen würdest, mit Freuden würde ich dir noch das Messer reichen. Aber dieser gemächtgesteuerte Irre ist schon viel zu oft nur durch ein zu hohes Quentchen Phex dem ihm zugedachten Schicksal entkommen. Dieses Zerrbild von einem Liebhaber, dieser Narzissus in hässlich, dieser aufgeblasene Stümper. Ich verstehe bis heute nicht, wie er auch nur auf die Idee kommen kann, irgendeine Frau könne wegen seines pomadisierten schleimigen Äußeren auch nur in seiner Nähe bleiben wollen. Im Gegenteil. Wenn er tatsächlich, wie er behauptet, der lebende Rahjacomo di Novacasa und erfolgreicher als Raidri Conchobair ist, dann heiße ich Hieronymus. Wahrscheinlich erpresst er die Frauen… oder er bezahlt sie. Aber selbst dann würde ich mit diesem Lüstling noch nicht mal einen Festsaal alleine teilen wollen.“ Die Greifin schüttelte nachdenklich den Kopf, die eine Hand auf den Bauch gelegt, mit der anderen den Rücken stützend. „Es ist wie immer. Kaum schicken sich mehr als zehn Edle an, sich an ein und demselben Ort im Reich zu treffen, schon bricht das Chaos über den Ort herein. Oh mein Greifenfurt. Hoffentlich stehst du diese Heimsuchung unbeschadet durch.“

Wie aus einem Traum erwachend streckte sich die Markgräfin plötzlich, griff nach ihrem Becher mit stark verdünntem Wein und sah fast zärtlich auf den vor ihr sitzenden Knaben herab. „Ich hoffe, ich habe dich nicht zu sehr gelangweilt oder mit meinen Ausführungen überfordert. Es tut gut, ab und an die Dinge zu benennen, um sich ihrer klar zu werden und sie einordnen zu können. Und dies am besten, wenn niemand in der Nähe ist…“ Irmenella lächelte, als sie in den Augen des vor ihr Sitzenden das Aufbegehren sah: „Niemand, dessen Loyalität man nicht restlos vertrauen kann.“