Bekennt euch, Frevler – Von Praios verlassen

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Markt Feldharsch, Baronie Feldharsch, Ingerimm 1041 BF:

Es dämmerte bereits als die drei Männer den Marktflecken Feldharsch erreichten. Wären Praan von Rieperngaum und Answin von Heißwassern nicht als Geweihten des Götterfürsten zu erkennen gewesen, die Wachen an der hölzernen Palisade, die den sonst so beschaulichen Örtchen umgab, hätten die drei Gestalten wohl nicht passieren lassen. Misstrauisch beäugten die erstaunlich gut gerüsteten Männer und Frauen der Torwache den Dritten im Bunde, der es gewohnt war hier in der Mark durch sein fremdländisches Aussehen aufzufallen. Mahelon von Pfiffenstock nahm das zum Teil offen gezeigte Misstrauen gegenüber seiner Person mit praiosgefälligen Gleichmut hin.

Die Straßen und Gassen des kleinen Örtchens waren wie leergefegt. Hier und da hörten die drei Männer das Knarren der sich schließenden Fensterläden, wenn sie eine Häuserreihe passierten. Ansonsten herrschte gespenstische Ruhe. Praan war sichtlich irritiert, hatte er die Feldharcher doch als gastfreundliches und lebensfrohes Völkchen in Erinnerung. Der junge Braniborier blickte ratlos zu seinen beiden Gefährten. Es war wohl das Beste erst einmal den örtlichen Praiostempel aufzusuchen und sich mit den hiesigen Geweihten auszutauschen. Denn die drei Reisenden waren nicht zufällig in die Harschenheide gereist. Nach den Ereignissen in Dunkelsfarn hatten sie sich gen Königsgau aufgemacht um der Pfalzgräfin Bericht zu erstatten. Diese hatte die Drei dann damit beauftragt, der Sache weiter auf den Grund zu gehen. Eine heiße Spur der ketzerischen Bekenner hatte sie also hier hergeführt, doch nun verlief sie sich hier wie Fußstapfen am Ufer der Breite.

Der kleine, hölzerne Tempel des Götterfürsten lag im Zentrum des Örtchens, direkt am zu dieser Tageszeit verwaisten Marktplatz. Die mit Greifenschnitzereien verzierte Tür zum Gotteshaus stand halb offen und ächzte schwer im auffrischenden Abendwind. Mit Bedacht traten die drei Männer ein. Mahelons Atem stockte als er in den Innenraum blickte. Der Tempel war verlassen und verwüstet, die Gebetsbänke lagen kreuz und quer im ganzen Andachtsraum verteilt, die hölzerne Greifenstatue hinter dem Altar lag zerborsten am Boden. Praan stand das Entsetzen tief ins Gesicht geschrieben, als hinter ihnen eine tief dröhnende Stimme die Schockstarre der drei Eindringlinge zwanghaft beendete.

Im Eingangsbereich des Tempels baute sich ein Mann mittleren Alters auf. Mit grimmigen Blick musterte er die Männer. Begleitet wurde er von vier Bewaffneten.

„Hey da, was sucht ihr hier? Gebt euch zu erkennen!“

Praan wandte sich geschwind in Richtung des Eingangs. Der schon hochbetagte Answin geriet gar etwas ins Taumeln und musste von Mahelon kurz gestützt werden.

„Mein Name ist Praan von Rieperngaum, Diener des gerechten Götterfürsten. Was in Praios Namen geht hier vor?“

„Praan? Bist du es wirklich?“ Der Anführer der Waffengesellen kniff angestrengt seine Augen zusammen um im Zwielicht besser sehen zu können. Als er den Geweihten erkannte, entspannten sich seine Gesichtszüge deutlich und er stürmte überschwänglich auf den Geweihten zu. „Alter Freund, welch Lichtblick in so finsteren Tagen.“

Es war Cordovan vom Greifener Land wie Mahelon später erfahren sollte, ein Vetter des Barons von Feldharsch und Junker von Perainefried. Praan erwiderte die Umarmung seines Freundes aus Jugendtagen. „Was bei den Göttern ist hier los?“

„Es fing an mit Streitereien zwischen tobrischen Schäfern und hiesigen Bauern … aufgehetzt wurden sie, sage ich dir, von diesen Ketzern. Mein Vetter Palinor, der Baron, hatte gar ein Drohbrief erhalten, von den Bekennern, und heute morgen … war er tot, ermordet, mit einer weißen Wachskerze in der Hand.“ Cordovan schlug hastig ein Boronsrad. „Die arme Witwe ist seit dieser grausamen Tat in tiefer Trauer und nicht mehr ansprechbar. Sie ist ja auch noch so jung und die armen Kinderlein erst; Jargold zählt doch erst 12 Sommer, noch viel zu jung um in so schweren Zeiten die Erblande unserer Familie zu führen. Ich habe in seinem Namen eine Ausgehsperre verhängt und patrouillierte nun mit einer Hand voll Getreuer durch die Straßen um für Ruhe zu sorgen.“

Prann blickte zu seinen Gefährten. „Diese Angelegenheit bedarf einer eingehenden Untersuchung.“

Mahelon nickte und wurde das Gefühl nicht los, dass hier mehr im Gange war als es schien.