Begegnungen - Schwere Aufgaben

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Baronie Rabensbrück, Feidewaldstraße, Wegtaverne ca. einen halben Tagesmarsch von Stadt Rabensbrück, Anfang Travia 1037, früher Abend

"Ich weiß nur, dass mein Schwiegervater, Baron Eslam von Brendiltal mit Euch zu sprechen wünscht um die letzten Wünsche des Verstorbenen mit Euch abzuklären." antwortete sie ihm. Währenddessen trat der Wirt an den Tisch um die hohe Dame nach ihren Wünschen zu fragen. Woraufhin Lyn einen Becher heißen Würzwein bestellte und eine Essensbestellung auf später verschob. Selo bestellte noch einen Roten. Brendiltal - jetzt wusste er wieder was es damit auf sich hatte: Eslam von Brendiltal, Herrscher der gleichnamigen Baronie. Von dem hatte man auch im fernen Gareth schon gehört und das meiste sprach nicht für diesen Mann - Pulethaner, unberechenbarer Schlechter, eigennütziger Sultanist, Blut saufender Heerführer der Nebachoten und ähnliches. Natürlich wusste Selo was er von solcherlei Übertreibungen zu halten hatte, doch ein angenehmer Mann konnte dieser Eslam nicht sein, auch oder gerade wenn er wohl ein Freund seines Bruders gewesen war, über den man aber in Gareth auch nicht unbedingt in blumigen Worten sprach. Und mit diesem Brendiltaler sollte ER jetzt reden und hatte sie eben Schwiegervater gesagt, sie? Das hatte er nicht erwartet - ein angeblicher Sultanist der immer in Verdacht stand dem Reich den Rücken kehren zu wollen verheiratet seinen Sohn mit einer Alberinin? Nicht alles was man in den Büchern lesen konnte, schien so klar zu sein wie dort beschrieben und offensichtlich war auch nicht halb so viel an Nachrichten aus seiner Heimat zu ihm gedrungen wie er dachte. Dann merkte er wie Lyn ihn anstarrte, er musste schon ziemlich lange grübelnd dasitzen. Aus Verlegenheit witzelte er: "Na das verspricht ja heitere Erlebnisse." Sein verkrampftes Lächeln machte den Witz nicht besser.

Lyn merkte wie Selo diese Nachricht zu verarbeiten suchte und lächelte bei seiner Aussage auch. Sie konnte sich noch gut genug an ihre erste Begegnung mit dem Baron von Brendiltal erinnern. Simold war damals auch dabei gewesen, was es nicht besser gemacht hatte. "Heiter wäre jetzt nicht die Beschreibung die ich wählen würde... "entgegnete Lyn schmunzelnd, "aber er wird euch schon nicht den Kopf abreissen. Ihr seid der Bruder seines Freundes, auch wenn ich zugeben muss, dass ihr euch von eurer Art her nicht wirklich ähnelt."

"Das kann ich Euch nicht sagen, ich kannte ihn kaum, ich war sehr lange von meiner Familie getrennt, aber alles was man sich über ihn in Gareth sagt trifft nicht wirklich auf mich zu. Ich glaube also nicht dass ich das bin was sich Euer Schwiegervater unter einem Pfiffenstock vorstellt, aber vielleicht könnt ihr mir ja ein paar Worte mit auf den Weg geben, wie ich dem Baron am besten begegne. Spricht er überhaupt Garethi?", für die letzte Frage schollte sich Selo selber einen Narren, natürlich Sprach der Mann als Vasall der Kaiserin Garethi, er beließ es aber bei einem wissenden Grinsen.

Lyn stimmte erneut in das Schmunzeln ein, und meinte "Natürlich spricht er Garethi, wenn auch der Akzent ein wenig Gewöhnung bedarf." Dann wurde sie aber ernster. "Ihr möchtet gern Ratschläge, wie man am besten mit Eslam von Brendiltal umgeht? Ich glaube Euch muss ich nicht sagen, dass natürlich ein respektvoller Umgang die Grundlage für eine gute Beziehung ist. Ihr wart lange in Gareth und mir scheint, ihr kennt die nebachotischen Sitten und Gebräuche nicht. Dass kenne ich selbst nur zu gut, deshalb mein gut gemeinter Rat, begegnet seinen Sitten mit Respekt, ihr betretet sein Gebiet, ihr seid der Gast. Aber seid nicht zu zurückhaltend. Begegnet ihm auf Augenhöhe, so dass ihr Euch seinen Respekt verdient."

Selo nickte ernst und schaute etwas betroffen:"Ihr habt recht, die Sitten und Gebräuche meines Volkes (die Worte kamen ihm etwas schwer über die Lippen) kenne ich nur aus Büchern und Geschichten, ich habe sehr viel darüber gelesen. Aber erlebt habe ich sie noch nie. Ich bin lern- und wissbegierig, Euer Hochgeboren, Hesinde stand mir schon immer nahe und so begegne ich allem mit Neugier und beobachtendem Respekt, so auch Eurem Schwiegervater, vielleicht kann ich an ihm wachsen und ihm so auf Augenhöhe begegnen. Immerhin bin ich ein Pfiffenstock, auch wenn ich noch nicht genau weiß was das bedeutet. Ich danke Euch, Euer Rat wird mir sicherlich helfen." "Auch ich habe mich erst in die Sitten und Gebräuche einleben müssen, doch auch wenn sie teilweise archaisch anmuten so haben sie einen Ursprung und ihre Berechtigung. In vielerlei Hinsicht hat das Volk Eures Bruders auch eine andere Sichtweise auf das Wirken der Götter. Auch dies solltet ihr wissen und entsprechend beachten. Aber seid versichert, sie sind deswegen nicht weniger göttergläubig als ihr."

Bei den Worten "Volk Eures Bruders" und den erläuternden Erklärungen musste Selo kurz schlucken, so unnebachotisch wirkte er also, dass man ihn nicht als Nebachoten betrachtete und ihm die Sitten sogar erleutern musste. Nicht das er es als beleidigend empfand, aber irgendwie schmerzte es, weshalb er nur kurz nickte und dann das Thema auf Lyn ablenkte: "Das interessiert mich sowieso, Euer Hochgeboren, wie kamt ihr, eine Frau von der anderen Seite des Reiches dazu einen Nebachoten zu ehelichen, noch dazu einen Sproß des berüchtigten Eslam von Brendiltal und wie nahm man Euch auf und wie nahmt ihr die neue Umgebung auf?"

Lyn seufzte und atmete einmal tief ein und aus ehe sie antwortete. "Das ist durchaus eine gute Frage. Ich denke die beste Antwort auf die Frage ist, dass Rahja uns zueinander geführt hat. Wir waren uns, selbst als uns, für einen viel zu langen Zeitraum, ein ganzer Kontinent voneinander trennte so verbunden, dass es von den Göttern so bestimmt sein musste. Und Ra'oul, nun er hatte das Glück, dass sein Vater dies erkannte und mich und seinen Enkel in seinem Haus willkommen hieß. Doch ihr fragt wie ich generell aufgenommen wurde und wie ich mich einlebte. Ich muss zugeben, dass es nicht immer leicht war und es selbst heute nicht immer ist. Die Sitten und auch die andere Auslegung der Götter hat mich irritiert aber auch fasziniert. Aber ich hatte mit Ra'oul den besten Lehrer. Aber dennoch bin ich eine Fremde, eine Raulsche die zwar die Achtung Eslams und auch Simolds hat bzw. hatte, aber dennoch nicht ganz dazu gehört. Ich habe mir den Respekt meiner Männer..." ihr Blick schweifte kurz zu dem Tisch der Nebachoten "durch meine Taten und durch meinen Respekt ihnen gegenüber erkämpft. Sie akzeptieren mich, da Simold mich für dieses Amt erwählt hat und sie respektieren mich für das, wie ich das Amt ausfülle. Dennoch, selbst dass ich beschlossen habe nach dem Tode Ra'ouls hier zu bleiben, auch dass ich bereit bin, für sie zu kämpfen und zu sterben macht mich nicht zu einer von ihnen."

"Ich verstehe. Die alte Erbschuld ist es die sie sich abgrenzen lässt von u..., den Raulschen.", ertappt, Selo sah sich also selber nicht mal als einer von ihnen und redete über Dinge von denen er eigentlich kaum etwas verstand, wie sollten dass dann andere tun, vorallem ein Eslam von Brendiltal. Er seufzte, vielleicht hatte Alarich doch recht gehabt, vielleicht gehörte er dort nicht hin. Doch er war es seinem Bruder und vorallem sich selber schuldig nach Perricum zu reisen, er konnte ja auch wieder zurückkehren nach Garetien. Nach einigem Nachgrübeln schaute er Lyn wieder an, Unsicherheit lag in seinem Blick wich dann aber einem freundlichen Lächeln. "Nun, ich denke auch für mich wird es nicht einfach werden als Bruder des großen Simold, vorallem weil ich das alles nur aus Büchern und Geschichten kenne und die Wahrheit wie mir scheint doch wieder eine ganz andere ist, doch ich betrachte es als Hesindegefällige Queste diese Wahrheit zu ergründen und ich danke Euch vielmals dass Ihr mir dabei schon ein Stück weit geholfen habt. Aber lasst und doch jetzt darüber sprechen was ihr eigentlich hier macht, ich vermute, Ihr werdet es Euch nicht nehmen lassen der Hochzeit der Kaiserin beizuwohnen?! Und davon ab wollen wir nicht zusammen speisen?"