Baron von Puleth - Verschwörung in Kaiserhain

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Dramatis Personae:

  • Landolf von Kallerberg, Ritter und Vetter 2.Grades von Geldor von Kallerberg
  • Answulf Waghold, Ratsherr in Kaiserhain
  • Firunia Gneisdorp, Ratsfrau in Kaiserhain
  • Gernbrecht Weizschrot, Ratsherr in Kaiserhain

9.Firun 1033 BF, ein Stadthaus in Kaiserhain

Der kalte Wind Firuns rüttelte an den Fensterläden, die verschlossen waren und zusätzlich mit dicken Wolltüchern verhangen waren, um einerseits den kalten Wind sicher draußen zu wissen und andererseits weder Licht noch Laut nach außen dringen zu lassen. Der Raum in dem Haus, das dem Ratsherren Answuld Waghold gehörte, wurde durch einen großen Kerzenständer und den Kamin erhellt, in dem ein hell loderndes Feuer brannte.

Der Ritter Landolf von Kallerberg, der auch gleichzeitig der Wortführer dieser Gruppe war, war gerade eben als Letzter der vier Teilnehmer des heutigen Treffens vom Hausherrn in den Raum geführt worden und hatte von diesem höchstselbst einen Kelch mit Wein gereicht bekommen. Während Waghold und die Ratsfrau Firunia Gneisdorp den Ritter fast erwartungsvoll anblickten, während dieser einen Schluck des Rebensaftes nahm, schien der vierte Teilnehmer, der breit gebaute Ratsherr Gernbrecht Weizschrot, unruhig und nervös. Ihm war anzusehen, dass ihm dieses Treffen nicht vollkommen angenehm war, und dennoch schien auch er begierig zu hören, was der Kallerberger zu sagen hatte. Der Ritter lachte innerlich bei dem Gedanken an seine Tante Voltana, die entsetzt wäre, wenn sie wüsste was er hier trieb. Sie hatte, genau wie er, einen Eid auf den neuen Baron geleistet. Doch im Gegensatz zu ihr war dieser Eid für Landolf ein Lippenbekenntnis gewesen. Schon ihre Neffen Helmar und Geldor hatten sie mit ihrem Handeln immer wieder in tiefste Gewissensnöte getrieben zwischen Familie und dieser vorgeblichen Ritterspflicht zu wählen. Letztlich hatte sie gar nichts getan. Und auch jetzt war Landolf sicher, dass sie sich, hätte sie von dieser Runde gewusst, eher wieder verkrochen hätte, als einen Finger zu rühren sie aufzuhalten.

Landolf setzt den Kelch ab, sah die drei Mitstreiter einen nach dem anderen an und begann dann zu sprechen. "Ich habe Nachricht von meinem Vetter erhalten."

"Und? Was hat er euch mitgeteilt?", fragte die Gneisdorp ungeduldig. Die hagere Frau mit dem ergrauenden dunkelblonden Haar hatte das schmale Gesicht eines Habichts mit einem ebensolch schnabelartigen Zinken und schien wie ein Raubvogel begierig auf seine Worte zu lauern.

"Er hat unseren Plan bestätigt. Wenn im Phex der Schallenberg nach Sturmfels aufgebrochen ist wird er im Süden Radau machen, so dass die zurückgebliebenen Gardisten seiner 'Hochgeboren' sich werden gezwungen sehen nach auszurücken, um dem ein Ende zu machen. Während dann mein Vetter Geldor also mit denen dann dort unten Katz und Maus spielt schlagen wir hier oben los. Nächtens werden wir dafür Sorgen, dass die Wachen auf unserer Seite stehen oder den Morgen nicht erleben und gleichzeitig die von meinem Vetter angeheuerten Söldner aus der Wildermark Einlass gewährt bekommen, um hier wieder für die alten Zustände zu sorgen, die uns so am Herzen liegen."

Landolf grinste, was von den anderen in der Runde als Siegesgewissheit interpretiert wurde, während er ihnen aber verschwieg, dass diese Söldner im eigentlichen Sinne auf den Befehl des Schwarzmagiers Tharleon hören würden. Aber das war ein Detail, das sie nicht wissen mussten und das sie nur unnötig zum Zögern verleitet hätte können.

"Was ist... ich meine was machen wir mit denen, die nicht auf unserer Seite stehen?", wagte Weizschrot einzuwerfen.

Weizschrot gehörte nicht zum Verschwörerkreis der ersten Stunde. Er war erst zu Ihnen gestoßen, als der Baron Felan Rondrik von Schallenberg-Streitzig begonnen hatte tobrischen Flüchtlingen Land zu überlassen, um es neu zu bestellen, da es seit Jahren brach gelegen hatte nachdem der schwarze Heerwurm hier gewütet hatte. Das war jedoch für viele alteingesessene Bewohner der Baronie Puleth ein kaum zu akzeptierender Angriff auf ihre stolzen Gefühle gewesen. Tobrier! Ausländer mit seltsamen Sitten allesamt! Die sollten hier nichts zu suchen haben! So oder ähnlich hatte es vielerorten geklungen. Natürlich auch, weil viele gehofft hatten selbst sich an dem Land bereichern zu können, das nun an die tobrischen Siedler gegangen war. Weizschrot war einer der Wortführer in Kaiserhain gewesen, die gegen die Tobrier gewettert hatten. Aber er war ein Pfeffersack mit Blick auf seinen Geldbeutel und niemand, der sich wirklich gegen die Obrigkeit sich aufgelehnt hätte, wenn es darum gegangen wäre sich selbstständig zu so etwas zu bemühen. Waghold hatte ihn angeschleppt, um damit auch ihre Sache noch mehr zu legitimieren. Ein Ratsherr war ein Ratsherr. Zudem war er ein alter Konkurrent zum alten Phexian Ferlinger, der sich beim Baron lieb Kind gemacht hatte und dafür zum Ratsmeister der Stadt aufgestiegen war. Landolf wusste also, dass Weizschrot ein Wackelkandidat war und bemühte sich deswegen ihm beschwichtigend zu begegnen.

"Nun, die werden wir wohl zunächst einsperren müssen. Wenn sie dann erkannt haben, dass es auch zu ihrem besten ist, dann können wir sie wieder freilassen."

Bei diesen Worten verzog die Gneisdorp ihr Gesicht zu einem undamenhaft höhnischen Grinsen, dass Weizschrot nicht sehen konnte, denn ihr war genauso wie Landolf und Waghold klar, dass kaum jemand sich bekehren lassen würde und diese entweder sterben würden oder im Karzer verrotten würden. Einige lästige Geschäftskonkurrenten weniger. "Natürlich bis auf den Ferlinger und seinen Balg."

Mit dem "Balg" meinte er Ferlingers Sohn Retobrecht, der inwzischen eine Art Haushofmeister des Schallenbergers geworden war.

"Die sind zu gefährlich und würden womöglich nur versuchen uns wieder zu vertreiben."

Weizschrot nickte verständnisvoll, auch wenn sein Gesichtsausdruck Bände davon sprach, dass sein Gewissen ihn quälen könnte. Doch das war Landolf egal. Wenn er später umfallen sollte würde man ihn genauso wie die anderen entsorgen, die nicht auf ihrer Seite standen. Dass er vorher etwas verraten würde davon war nicht auszugehen, denn er steckte schon viel zu tief mit drin.

"Also können wir uns darauf freuen: im Phex endet die kurze Herrschaft dieses Möchtegernbarons! Auf Geldor und die gute alte Zeit!" Sie erhoben alle ihre Kelche und stießen mit Landolf an auf den sicheren Sieg und die gute, alte und vor allem gewinnbringende Zeit.