Baron von Puleth - Neuordnung

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Dramatis Personae:

27. Boron 1032 BF, Stadt Kaiserhain in der Baronie Puleth

Mit hinter dem Rücken verschränkten Armen stand der Baron von Puleth am Fenster des großen Bürgerhauses und blickte von dort auf das geschäftige Treiben auf der Straße unterhalb des Fensters. Leider war die alte Residenz der Barone von Puleth in der Stadt noch nicht bewohnbar, denn es hatte in den letzten Jahren nicht nur leer gestanden und war das Heim von Tauben und Ratten geworden, sondern es hatte auch unter Plünderung und mutwilliger Zerstörung zu leiden gehabt. So wurde es zwar derzeit renoviert und wieder eingerichtet, doch war es für Felan noch nicht zu beziehen. Doch dies war nur ein Grund für das emsige Hin und Her vor dem Fenster.

Ein weiterer war die Ankunft der Herren, die soeben von einem Diener eingelassen wurden und deren Tritte er auf den Stufen hinauf zu dem großen Zimmer, in dem er wartete, hören konnte. Die ganze Nacht hatte er sich darauf vorbereitet, was auch in einen scheinbar undurchsichtigen Wust aus Papieren und Karten auf dem eichenen Tisch in der Mitte des Raumes resultiert hatte.

Da öffnete sich bereits die Türe und Felan begrüßte die Ankömmlinge, die aus seinen Vettern Wulfger und Ulfwin, sowie seinem treuen Hauptmann und dem neuen Vogt Retobrecht bestanden, im Namen der Zwölfe, die ihm ebenso Grüße der zwölfgöttlichen Geschwister entgegenbrachten.

"Meine Herren, ich habe euch hier zusammengerufen, weil die Entscheidungen die ich getroffen habe in erster Linie euch alle betreffen. Ich habe die Neuordnung der Baronie beschlossen." Er zog aus dem Haufen auf dem Tisch ein großes Blatt hervor, auf dem die Umrisse der Baronie eingezeichnet waren mit einem Teil in blau und braun gezeichneter Linien, sowie schwarzer Punkte für Ortschaften, Güter und Burgen. "In den braunen Strichen erkennt ihr die alten Junkertümer, in den blauen Linien die neuen." "Es sind weniger geworden..", ließ sich Wulfger vernehmen. "Ja das stimmt. Diese Baronie hat in den letzten Götterläufen einen herben Verlust an Menschenleben hinnehmen müssen. Ganze Landstriche sind verödet, Güter niedergebrannt, Dörfer verlassen. Deshalb habe ich beschlossen die Junkertümer in größeren Einheiten zusammenzulegen. Da und dort sind ohnehin die Lehnsnehmer zusammen mit ihren verstorben. Und sie wären neu zu vergeben gewesen. Also habe ich die übrig gebliebenen Junkertümer vergrößert. Lediglich vergrößert haben sich die Junkertümer Sommerau und Königsgrund. Hier im Norden sind die Junkertümer Grünwiesen und Aldengrund verblieben." Die Anwesenden nickten während Felan mit dem Finger über die Karte fuhr und weiter sprach.

"Ich hoffe, dass in Sommerau Malvina von Schroeckh sich dadurch dankbar zeigt. Und hoffe, dass in Königsgrund der Lechdan von Quintian-Quandt dadurch still hält." Er hob beschwichtigend die Hand als Wulfger ob dieses Namens empört auffahren wollte. "Ja ich weiß, er ist ein Verwandter Geismars, des Pfeffersacks auf einem Grafenthron, doch hat er sich in der Fehde nie durch Tat und Wort etwas bedeutendes zu schulden kommen lassen und wir brauchen Ruhe dort, denn ich kann es mir nicht leisten mit ihm zu fechten. Dennoch habe ich beschlossen, dass ihr Herbald,", sagte er den Hauptmann anblickend,", dort das Dorf Ashus als Lehen zugesprochen bekommen sollt. Es ist dem Junkertum neu zugesprochen und man hat von dort aus die Möglichkeit die Reichsstraße zu überwachen. Ich weiß dass ihr würdig seid und es auch verstehen werdet mit Lechdan den richtigen Pfad einzuschlagen. Ihr werdet damit auch mein Stachel in Lechdans Seite sein, sollte er sich dennoch gegen mich wehren wollen, und ihr haltet mir damit die Straße frei nach Puleth gegen Räuberbanden. Herbald, ihr wart meinem Vater und mir ein treuer Recke und Freund, ich hoffe ihr nehmt dieses Lehen an, auch wenn es kein leichter Lohn ist." "Hochgeboren, ich bin euch zutiefst dankbar und werde euch nicht enttäuschen!", kamen Herbalds Worte aus zutiefst ehrlicher Dankbarkeit, der damit endlich für seine Familie einen sesshaften Punkt gefunden hatte, wo er als landloser Ritter und Dienstritter in der Familie Schallenberg bisher wenig gehabt hatte, außer einer stählernen Ehre, die er seinen Kinder hätte vererben können. Felan quittierte mit einem freundlichen Lächeln Herbalds Dankesworte. "Gut, wir werden das wie alles andere später noch in einem offiziellen Rahmen begehen. Retobrecht hat dafür Vorsorge treffen lassen. Doch ich bin noch nicht fertig."

Wieder wandte sich der Baron der Karte zu. "Aldengrund im Firun der Baronie wird mein freiherrliches Lehen bleiben. Retobrecht ist mein Stellvertreter, solange ich fort sein sollte." Wulfgers Blick wurde ob dieser Worte von einem enttäuschten Schatten überzogen, hatte er doch gehofft Felan würde ihn zu seinem Vogt ernennen. Doch war er zu stolz und zu standhaft etwas darüber laut zu sagen. Dennoch bemerkte es Felan und musste innerlich in Vorfreude schmunzeln. "Wulfger, ich habe dich nicht vergessen. Mein Onkel Ulfried, dein Vater, hat Leuward sein Lehen vererbt. Doch ich habe dich als ehrenhaften Ritter, treuen Freund und ebenso guten Sachwalter kennengelernt, auch wenn ich im Sattel sicher besser bin.", scherzte er mit gespieltem Hochmut und zwang Wulfger zu einem Lächeln. "Nun, wie du siehst ist da in der Mitte noch ein Plätzchen frei...ach rundheraus, Wulfger ich will dich zum Junker von Grünwiesen ernennen und Ulfwin soll einer deiner Lehensritter werden, dem ich das Dorf Grünwiesen zugedacht habe." "Ich, ich weiß nicht...", stotterte Wulfger überrascht, während Ulfwin vor Freude strahlte. "Sagt einfach ja, und wir werden die Formalitäten später erledigen. "Ja, ja, bei Praios und Rondra, dreimal ja, Hochgeboren!" Felan grinste und wurde dann wieder ernst. "Sehr gut, ich hatte es erhofft. Natürlich ist auch dieses Lehen eine zweischneidige Sache. Der zuletzt dort gestorbene Lehenshalter war ein Stolzenfurt. Wenn Werdomar von Quintian-Quandt nicht so geschlampt hätte, hätte er wohl einen gewissen Travian von Stolzenfurt zum Junker dort ernannt, der ein nächster Verwandter war und sich schon zum Sprung dazu bereit gemacht haben soll. Doch da er es nicht getan hat nehme ich mir heraus es neu zu vergeben, wie es Recht des Barons ist bei einem Heimfall des Lehens. Und Wulfger, ich brauche dich dort. Du kontrollierst damit ein Gutteil der Reichsstraße von Puleth nach Kaiserhain. Mach dich aber darauf gefasst, dass der Stolzenfurter dort Ärger macht, denn das wird der nicht so leicht verwinden, zumal er Geismaraner sein soll." Wulfger nickte. "Mit dem werde ich schon fertig werden, Hochgeboren." "Gut, nichts anderes habe ich erwartet. Ulfwin wird dir sicher eine große Hilfe sein. Er hat einen starken Arm, nicht wahr?" "Worauf ihr euch verlassen könnt!", polterte Ulfwin strahlend und hob die Rechte zur triumphierenden Faust. Ulfwin kam mit Grünwiesen auch zu seinem ersten Lehen, da er bisher ebenso landlos gewesen war wie Wulfger.

"Dann kommen wir zum letzten Teil Puleths...", sagte Felan und wies in den Efferd zugewandten Teil der Baronie. "Dies ist Gut Tannenheim. Der Landstrich ist besonders übel gebeutelt. Vielleicht habt ihr gehört dass ich mich gestern lange mit seiner Gnaden Owilmar von Schroeckh unterhalten habe." "Dem Peraine-Geweihten?", fragte Wulfger überrascht. "Ja, ebendem. Und ich habe beschlossen ihm und dem Orden der drei guten Schwestern von den Feldern das Junkertum Tannenheim, wie ich es getauft habe, als Klosterlande zu übergeben. In Gut Tannenheim wird das Kloster entstehen, wo schon immerdar ein Peraine-Heiligtum stand. Dafür verpflichten sich er und seine Gefolgsleute, sprich der Orden, das Land zu pflegen und dem Baron von Puleth seinen Teil abzuführen. Zumal ich damit auch hoffe die Familie Schroeckh für mich zu gewinnen...oder eher möglichst weit fern zu halten." Bei seinem Grinsen wußten alle, dass er vom spöttisch 'Schneck' gerufenen garetischen Staatsrat Horbald von Schroeckh sprach, und sie lachten gemeinsam. "Nun sei dem wie dem wolle, so habe ich es geplant und so werde ich es tun. Ich hoffe auf eure Unterstützung. Und gemeinsam werden wir, so bin ich gewiß, Puleth wieder zu einer Perle in den Kronen Hartsteens und Garetiens machen!" Die letzten Worte gingen fast in dem Jubel seiner Gefolgsleute unter.