Baron von Puleth - Kein Pudding für Kallerberg

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Dramatis Personae:

28.Phex 1033 BF, Haus der Familie Schroeckh im Markt Sommerau

Es war ein lauer Phexabend, in dem die Familie Schroeckh am Abendbrotstisch saß und sich das Mahl munden ließ, dass aus einer Gemüsesuppe, frischem Brot, kaltem Schweinefleisch vom Mittag, Schmalz und erst kürzlich gebrautem Bier bestand. Malvinas Vetter Owilmar war auf Besuch, denn der Abt aus dem nachbarschaftlichen Klosterland Tannenheim hatte einige Grenzangelegenheiten mit ihr zu besprechen.

Ganz grün waren sich die beiden nicht, auch wenn sie ein freundschaftliches Band seit Owilmars Kindheitstagen verband, als Owilmar ein kleiner Junge gewesen war und Malvina schon eine junge Ritterin. Damals war er ihr überall hin gefolgt, so er konnte, und hatte in ihr ein großes Vorbild gesehen. Das hatte sich ein wenig gewandelt, seit er sich vom Rittertum ab- und der Kirche der gütigen Peraine sowie ihrer Schwestern Travia und Tsa in dem Orden der drei gütigen Schwestern zugewandt hatte. So waren sie heute nicht nur Verwandte, sondern auch Nachbarn, denn Baron Felan hatte das ohne Herrscher stehende Junkertum Tannenheim mit Teilen der Junkertümer Grünwiesen, Königsgrund und Pulsahain verschmolzen. Das letztere war wiederum zugunsten der Junkertümer Aldengrund und Grünwiesen sogar gänzlich erloschen, während Könisgrund Land im Osten zugeschlagen bekam und dafür das Junkertum Olkuauen aufgelöst wurde, und ebenso Teile an das herrschaftliche Aldengrund abgab. Das Land hatte im Jahr des Feuers sehr bluten müssen und das war ein Teil der Konsequenz.

Malvina wälzte, während sie ein Stück vom Brot abbiss, ihre Gedanken hin und her. Noch gehörte sie nicht offiziell zu den Junkern, die die Herrschaft des neuen Barons anerkannten und stattdessen eher frei agierten. Bisher war Werdomar von Quintian-Quandt Baron gewesen, der ein Vetter Graf Geismars war. Doch im Gegensatz zu dem Luidoristen hatte der sich seit Götterläufen nicht mehr in seiner Baronie blicken lassen und weilte eher bei seinem Vetter am Hofe in Feidewald.

Malvina seufzte verhalten, so dass sogar ihr Gatte Perainalf vom Essen aufblickte und sie fragend ansah. Doch sie schüttelte nur lächelnd den Kopf. Sie war zu alt für diese ganzen politischen Intrigen, schien ihr manchmal, wenn sie daran dachte, dass der Schallenberger schon einiges Gutes versucht hatte, um Ordnung und Frieden in die Baronie zu bringen. Und Politik betrieb ihr kleiner Bruder Horbald schon genug in Garetien, als dass sie da noch mit hineingezogen werden musste. Überhaupt war sie froh Horbald immer weit weg zu wissen, da sie mit ihm nur wenig verband. Immer wenn er sie besuchte hatte sie das Gefühl er mache es nur um ihr etwas Gold aus dem langsam steif werdenden Kreuz zu leiern. Und der Schallenberger kämpfte wenigstens gegen die Wildmärker Plünderer und Raubritter, die sich hier breitzumachen versuchten und sich sogar in der alten Ruine der Burg Kaiserforst eingenistet hatten. Auch wenn er jetzt eine herbe Schlappe hatte hinnehmen müssen, so wie ihr berichtet worden war, dass seine Leute aus Kaiserhain vertrieben worden waren und dort wieder einer dieser Kallerbergs, dieser Sippe von Schurken, hauste.

Andererseits war er eben ein Ludidorist und wer wusste schon wie sich diese Fehde zwischen den Grafen noch entwickeln würde? Bisher hatte Sommerau noch Glück gehabt und sie hatte ihre Schäfchen immer ins Trockene bringen können ohne behelligt zu werden. Und zudem hatte er ihr Owilmar als Nachbarn beschert und der schien von Jahr zu Jahr mehr einer dieser Kirchenfürsten zu werden, die trunken von der neuen Macht, die ihre Position und Stellung mit sich brachte, diese auch einzusetzen gedachten. Auch wenn zweifelhaft war, ob das einem Geweihten gut anstünde.

Missbehagen überkam sie, als sie daran dachte wie Travia- und Boron-Kirche weltliche Macht in dem ehemaligen Darpatien ausübten. Geweihte sollten für das Seelenheil sorgen und nicht darum Land und Gold zu sammeln, dachte sie grimmig. Und sie wünschte sich die Zeit des alten Kaiser Hals zurück, als noch alles in Ordnung gewesen zu sein schien. Dann hätte sie nicht mit Owilmar über einige Schritte Ackerland an der Grenze zu Tannenheim verhandeln müssen, die ihr der neue Baron zugesprochen hatte. Ihr war natürlich bewusst, dass dies ein Versuch war, sie für sich einzunehmen, aber wer war sie solche Geschenke abzulehnen? Und dann würde sie diese auch ganz sicher nicht Owilmar überlassen "als verwandschaftliche Geste der Verbundenheit mit der Kirche", wie er es ausdrückte.

Plötzlich trat ihr Haus- und Hofmeister Alrik von Wulfensteyr das Zimmer.

"Euer Wohlgeboren, ein Bote hat eine Nachricht für euch überbracht. Er schien mir...ich habe mir erlaubt nach einem Heiler zu rufen."

Malvina hob überrascht die Augen in die Höhe als sie von dem gebrechlich wirkenden Mann, der aber immer noch mit höchster Präzision sein Amt versah, den Brief, den der Bote gebracht hatte, überreicht bekam. In das grüne Wachs der Versiegelung war ein Luchs als Wappen eingeprägt worden.

"Er schien mir einen schnellen Ritt hinter sich zu haben und war verwundet. Er brach auf unserer Schwelle zusammen."

"Danke euch, ihr habt Recht gehandelt.", segnete Malvina sein Handeln ab, während sich die Blicke der anderen Anwesenden auf den Brief richteten.

"Von wem kommt denn der Brief, Mutter?", warf ihr Sohn Horwart fragend ein. Malvina brach das Siegel und las die erste Zeile. Das Pergament wirkte ein wenig zerknittert und war äußerlich beschmutzt, allerdings war die Schrift klar und deutlich zu lesen. Allerdings war erkennbar, dass kein Schreiber sie verfasst hatte.

"Er ist vom Luchs, ich meine Baron Felan.", korrigierte sie sich.

"Dem Schallenberger? Was möchte er denn?"

"Nun, dieser Nachricht zufolge...wünscht er unsere Hilfe gegen die Kallerbergs.", sagte sie langsam die Zeilen lesend.

Perainalf hob seine weißen, buschigen Augenbrauen aber sagte nix, denn in ihrer Beziehung war er eher der Kämpe gewesen, der ihr nur zu gerne die politischen Entscheidungen überließ. Dennoch konnte Malvina seinem kantigen Gesicht, das trotz seines Alters nichts von der Härte eines hartsteenischen Ritters verloren hatte, ein wenig Unwillen ansehen. Er war stets persönlich ein Parteigänger Geismars gewesen. Nicht weil er diesen besonders gemocht hatte, sondern weil er einfach der Graf war. Man konnte nicht einfach herkommen und den Graf stürzen wollen, nur weil die Familie früher einmal aus Dummheit den Titel verloren hatte, wie es den Hartsteens passiert war.

"Er schreibt außerdem, dass Geldor seiner Strafe zugeführt werden muss: seiner Aussage waren er es auch, der vor Pervalsrode die Händler überfallen und umgebracht haben. Er bittet mich ausdrücklich ihm diesmal in erster Linie als treue Ritterin Garetiens und fürsorgliche Junkerin zu helfen."

"Damit erspart er es dir zumindest ihn vorerst als Baron anzusehen.", nickte Horwart anerkennend ob Felans Vorgehensweise.

"Und wenn er Recht hat,", warf Owilmar ein, der eben erst seine Suppe beendet hatte und sich den Mund mit einem Tuch abwischte.", dann könnt ihr damit auch die Strauchdiebe bestrafen, die auf eurem Grund und Lehen ehrbare Händler ermordet haben. Und ich habe keinen Zweifel an seiner Lauterkeit, die vermuten ließe, er würde euch diesbezüglich anlügen. Ich würde ihm Truppen zu Hilfe senden, wenn unsere Abtei über solche verfügen würde."

"Natürlich.", schien Malvina abzuwinken, denn sie wusste ja genau, wem Owilmar seine Abtei zu verdanken hatte und dass er diesen auch verteidigen musste, wollte er sie behalten. Ein Baron Werdomar hätte nicht im Traum daran gedacht der Kirche solch eine Domäne zu übergeben. "Die Frage ist nur was Graf Geismar davon hielte, wenn ich mich offiziell mit ihm verbündete und ob er die feinen Unterschiede ebenso ziehen würde. Ich habe wenig Gefallen daran almadanische Söldner unsere Weizenfelder niederbrennen zu sehen."

"Das wohl, aber Geldor wird sich euch ebenso zuwenden, liebe Cousine, wenn er mit Baron Felan fertig werden sollte. So oder so musst du dich rüsten, es sei denn, du willst dich Geldor unterwerfen."

"Da sei Rondra vor!", knurrte der alte Perainalf laut, so dass Malvina ihm begütigend eine Hand auf den Arm legte.

"Das ganz sicher nicht. Aber du hast recht, Owilmar. Ich werde mich rüsten. Aber gerade jetzt kann ich Sommerau nicht von meinen Leuten entblößen. Geldor würde dies ausnutzen."

"Also was willst du dem Schallenberger antworten, wenn du ihm überhaupt antworten willst?", hakte Horwart nach.

"Ich werde ihm antworten. Und zwar eben dass ich ihm keine Truppen sende kann, aber dass ich ihm den Rücken freihalten will und versuchen werde Geldors Kumpane hier in Sommerau so gut es geht zu binden. Es wird wieder Zeit, dass wir einmal im Kaiserforst auf die Jagd gehen, oder Perainalf?", sagte sie entschlossen und blickte ihren Mann an.

"Ha, das wohl.", sagte dieser und schlug grinsend mit der Faust auf den Tisch, als er sich in seinem kriegerischen Element wiederfand. "Wollen wir diesem Hundsfott von Kallerberg doch mal zeigen, dass mit uns Schroeckh nicht gut Mandelziger* essen ist!"

*Mandelziger: ein Pudding aus Milch, teuren Mandeln und Brot