Baron von Puleth - Der Baron kehrt zurück

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Dramatis Personae:

26. Phex 1033 BF, Baronie Puleth

Felan hatte die gepanzerte Faust geballt und schlug wütend auf die Platte des hölzernen Tisches in dem kleinen Bauernhaus, dass er sich zu seinem zeitweiligen Hauptquartier auserkoren hatte, der ächzte und beinahe unter der Wucht des Hiebes zusammenbrach.

"Erst werde ich auf dem Weg zurück nach Hause in meine Baronie von diesen Geisteskranken, die sich Pulethaner schimpfen, überfallen und kann nur dank des jungen Ochs' den Kampf überstehen und zu Hause angekommen muss ich hören, dass ihr meine Baronie diesen dreimalverfluchten Kallerberger Abschaum in die Hände gespielt habt? Bei Praios, ich hätte sie aufhängen sollen! Alle miteinander, dieses dreckige PACK!"

Felans Stimme steigerte sich zu einem wütenden Gebrüll, als er die Arbeit des letzten Jahres in wenigen Minuten unter seinen Händen zerrinnen sah. Bei seinen letzten Worten schien offen, ob er damit allein die Familie Kallerberg meinte oder auch die städtischen Bürger Kaiserhains, die nun wieder gemeinsame Sache mit dem Raubritter machten kaum dass Felan ihnen den Rücken zukehrte. Betretenes Schweigen herrschte um ihn herum, denn die anderen anwesenden Verwandten und Ritter wussten nicht, was sie darauf entgegnen sollten. Zumindest im Kern hatte er Recht, denn sie hatten es nicht vermocht die Schliche des Raubritters Geldor von Kallerberg zu durchschauen und so die Stadt Kaiserhain schutzlos dem Angriff ausgeliefert. Aber ebenso wenig war es ihnen gelungen den Raubritter zu stellen, zu dessen Zweck sie die Stadt überhaupt seiner Wachen entblößt hatten. Zumindest aber hatten sie vernehmen können, dass nicht alle Kaiserhainer von Felan abgefallen waren und es sogar offenen wie versteckten Widerstand gab, auf der Hoffnung des baldig zurückehren Barons begründet. Doch das war ein schwacher Trost.

"Nicht genug dessen! Nein, jetzt hocken wir hier auch in steter Flucht vor diesem verfluchten Geldor im Süden und den söldnerischen Schergen seines Vettern im Norden! Wulfger, die Liste mit den Verlusten aus dem letzten Kampf...ich sollte es Gemetzel nennen. Rondra vergib uns unsere feige Flucht..."

Er barg sein Gesicht in der linken Hand, während Wulfger von Schallenberg vortrat und ein Stück Papier hochhielt um im schwachen Schein der Lampe davon zu lesen. Das letzte Zusammentreffen mit Geldors Mannen hatte sich als äußerst blutig erwiesen. Felan war in die Baronie Puleth zurückgekehrt, kurz nachdem die Kunde von der Einnahme Kaiserhains durch das Söldnerbanner "blutige Sensen" nach Süden gedrungen war. In dem Versuch seine Truppen im Süden, die vergeblich Jagd auf Geldor gemacht hatten, zu sammeln waren sie in einen Hinterhalt geraten. Die Räuber hatten sie in einem Hohlweg überfallen und waren dabei wohl vorbereitet gewesen. Blut war im Strömen geflossen, wie es Felan schien, und auch wenn sich die Verluste an Zahlen in Waage gehalten haben mochten so wogen die für Felan doch schwerer. Ein gut ausgebildete Gardist Felans war nicht so leicht zu ersetzen wie das Kroppzeug, das Geldor um sich geschart hatte. Wenigstens waren aber die Söldlinge der blutigen Sensen, die man Geldor offenbar als Unterstützung nach Süden geschickt hatte samt und sonders erschlagen worden. Nur half Felan das wenig, denn jetzt waren seine Zahlen erheblich geschwunden und ein versuch Kaiserhain mit den verbleibenden Mannen und Frauen zu erobern einem Alveranskommando gleichgekommen. Das erinnerte ihn an das Unternehmen, in dem das dämonenbesetzte Appelhof eingenommen worden war und auch ein Alveranskommando...Wulfgers Stimme riss ihn aus seiner Erinnerung.

"Wir haben zehn Tote und zwölf Verletzte, wovon vermutlich sechs das Licht des Morgens nicht mehr erblicken werden. Damit verfügen wir, uns eingeschlossen noch über zwei Dutzend Mann unter Waffen, die kampffähig sind." Wulfger ließ das Papier sinken. "Felan, wir könnten uns zurückziehen aus Puleth und von außen erneut...."

"Nein! Niemals werde ich mich aus meiner Baronie zurückziehen. Ich habe vor den Zwölfen geschworen und ich habe nicht vor meinen Eid zu brechen und ehrlos zu werden. Die Unschuldigen in Kaiserhain müssen Rettung erfahren, die Schuldigen ihr Strafgericht bekommen. Und wenn es mich mein Leben kostet!"

Er hielt einen Moment inne und holte Luft. "Wir werden weiterkämpfen und versuchen uns nach Burg Aldengrund durchzuschlagen. Dort können wir uns konsolidieren. Und von dort werde ich versuchen die Junker zu meiner Hilfe zu rufen." Ulfwin von Schallenberg-Zoltheim, verzog das Gesicht.

"Glaubst du wirklich, Felan, dass der Quintian-Quandt oder die Schroeckh uns helfen werden? Ganz besonders nicht der Quintian-Quandt."

Felan winkte ab. "Ich weiß, dass er ein Geismaraner ist. Aber weder sie noch er können wollen, das hier wieder ein Raubritter die Zügel in die Hand bekommt. Ich muss es zumindest versuchen. Es mag mich meine Würde kosten den Kniefall zu tun vor einer Malvina von Schroekh, aber besser meine Würde als das Leben eines mir zum Schutz anempfohlenen."

Daraufhin nickte Ulfwin, während Herbald von Wertesteg einen Schritt vortrat. "Euer Hochgeboren, haben wir schon etwas aus Uslenried gehört? Es war doch Nachricht entsandt worden?"

Felan richtete daraufhin seinen fragenden Blick Richtung Wulfger, der jedoch den Kopf schüttelte. "Tut mir leid, von dort gab es noch keine Botschaft."

Felan nickte schicksalsergeben. "Nun, die Götter helfen denen, die sich selbst helfen. Es wird an uns sein zu erkennen, was der richtige Weg ist. Doch gibt es nur ein Vorwärts, kein Zurück. Und Schallenberger Blut wird fließen, um diesen Eid besiegelt zu halten und unser Wort als wahrhaftig in Dere erklingen zu lassen. Im Morgengrauen marschieren wir weiter. Nach Norden."

Felans Befehl wurde ohne Widerspruch angenommen, als würde man sich darauf verlassen, dass er alles wieder ins Lot bringen würde. Die Verwandten und Freunde ließen ihn alleine im Raum. Die Verantwortung lastete schwer auf Felans Schultern und im Licht der Lampe schien es als hätten sich erste Falten in sein junges Gesicht eingegraben.