Geschichten:Aufstieg eines Bankerts

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Eigentlich überprüfte Elissa von Aelderklamm die monatlichen Soldlisten des Bombardenregiments. Uneigentlich fiel es ihr schwer, sich darauf zu konzentrieren, da ihre Gedanken oft um den einige Wochen zuvor in Vellberg geschlossenen Bund kreisten. Das hatte die Adlige damals nicht nur sehr berührt, sondern auch mehr als einmal darüber nachgrübeln lassen, was daraus wohl noch alles erwachsen mochte. Ein lautes Klopfen an der Tür riss die Hauptfrau jäh aus ihren Gedanken.

"Herein!"
Auf ihre Aufforderung hin betrat ein Mann mittleren Alters, angetan in den Farben des Markgrafen, das Zimmer.

"Efferd zum Gruße, Frau von Aelderklamm! Ich komme im Auftrag seiner Erlaucht Rondrigan Paligan. Er wünscht Euer Erscheinen vor ihm am 4. Boron zur zweiten Traviastunde."

Die Angesprochene stutzte kurz. Damit hatte sie nun wahrlich nicht gerechnet. Aber andererseits musste man in dieser verrückten Stadt jederzeit mit Allem rechnen.
"Danke für die Nachricht. Ich werde seiner Erlaucht zur genannten Zeit meine Aufwartung machen. Sonst noch was?"

Der Mann schüttelte nur kurz den Kopf und verabschiedete sich mit einem knappen Gruß.
Die Offizierin versuchte erneut, sich mit den vor ihr liegenden Listen zu befassen, doch gelang ihr das nach dieser unerwarteten Einladung noch weniger als es zuvor schon der Fall gewesen war.


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Etwas verunsichert betrat Elissa zum genannten Zeitpunkt die Residenz des Markgrafen. Nach einer kurzen Wartezeit wurde sie in dessen Arbeitszimmer geführt, wo Rondrigan Paligan sie bereits erwartete. Mit einer Handbewegung forderte er sie auf, an der ihm gegenüberliegenden Seite seines Schreibtisches Platz zu nehmen.

"Erlaucht wünschten mich zu sehen?" begann Elissa knapp, dabei bemüht, sich ihre Anspannung nicht anmerken zu lassen.

"So ist es. Da meine Zeit stets knapp bemessen ist, werde ich, was sicher auch in eurem Sinne sein dürfte, direkt zum Punkt kommen. Um es kurz zu machen: Jüngst ist das Testament eures Vaters im Archiv aufgetaucht. Es wurde zwischenzeitlich geprüft und seine Gültigkeit festgestellt. Doch lest am besten selbst." Mit diesen Worten reichte Rondrigan seinem Gast das Dokument.

Aufmerksam las die Junkerin das Schriftstück, wobei es ihr sichtlich schwerfiel, ihre Gefühle zu verbergen, wie der Markgraf, der sie genau beobachtete, interessiert registrierte.
Nach der Lektüre gab Elissa das Testament zurück.
"Das kommt - überraschend." Und nach einer kurzen Pause: "Ich nehme an, mein Halbbruder Ugdalf ist bereits informiert. Ich nehme ferner an, dass ihr ihn irgendwie dazu bewegen konntet, auf seine Ansprüche auf Vellberg zu verzichten, denn sonst wäre ich gewiss nicht hier. Außerdem nehme ich an, dass ihr nun von mir wissen wollt, ob ich das Erbe annehme."

Rondrigan horchte auf: Die Frau schien in der Tat aus einem ganz anderen Holz geschnitzt zu sein als ihr Bruder. Wallbrord schien eine gute Wahl getroffen gehabt zu haben.
"Ihr nehmt richtig an", antwortete der Herr der Perricumer Lande lapidar. Und wie lautet eure Antwort auf meine unausgesprochene Frage, die ihr dankenswerterweise für mich gestellt habt?"

"Ich weiß es noch nicht", entgegnete Elissa trocken. "Es ist nicht so, dass ich mir die Herrschaft über eine eher spärlich besiedelte Baronie am Fuße der Trollzacken nicht zutraute. Ich sehe aber auch klar die Probleme, die mit der Annahme des Baronsreifs einhergingen."

"Die da wären?" Das Gespräch schien wirklich interessant zu werden, fand der Markgraf.

"Nun, wie euer Erlaucht sicherlich wissen, bin ich von illegitimer Geburt. Auch wenn ich selbst lieber nach meinen Taten als nach meinem Stammbaum beurteilt werden möchte, so ist mir dennoch klar, dass viele Adlige der Provinz - allen voran die Familie meines Vaters - mich niemals als ihresgleichen betrachten werden. Dies könnte mir an sich herzlich egal sein, doch als Baronin käme ich auf Dauer nicht umhin, ob ich will oder nicht, mit ihnen zu verkehren, zumal ich nicht gedächte, mich in Vellberg vor der Außenwelt zu verkriechen.
Und auch wenn das Verhältnis zu meinem Halbbruder Ugdalf, sagen wir, als belastet zu bezeichnen ist, so tue ich mich doch etwas schwer damit, ihm sein Geburtsrecht gewissermaßen zu entziehen, zumal uns allen das Testament bis dato vollkommen unbekannt war. Von den Gründen für den Wechsel in der Erbfolge einmal ganz abgesehen. Ich zumindest kenne sie nicht."

"Interessante Ansichten. Liebt ihr Herausforderungen, Frau von Aelderklamm?"

"Nur wenn sie der Mühe lohnen", antwortete die Angesprochene schlagfertig.

"Gut. Daraus schließe ich, dass ihr die euch angebotene Baronswürde annehmt. Eure Bedenken sind durchaus berechtigt, aber ich denke, dass ihr mit der Zeit diese Hürden nehmen und euch bis dahin nicht unterkriegen lassen werdet. Immerhin habt ihr schon ganz andere Schwierigkeiten gemeistert", schloss Rondrigan mit Blick auf Elissas Armstumpf.

Die Hauptfrau überlegte eine Weile, während sie im Gedanken ihren Stumpf massierte. Mit einem Lächeln setzte sie zu einer Antwort an.
"Eure Schlussfolgerung ist richtig, euer Erlaucht. Einfach wird es gewiss nicht, aber ich bin noch nie vor der Verantwortung geflohen, auch wenn ich mich deswegen nicht gleich blindlings in jedes Abenteuer stürze. Da ihr, so meine Einschätzung, hier und jetzt eine Antwort von mir erwartet und auch eine noch so lange Bedenkzeit an der Sachlage nichts änderte, erkläre ich mich hiermit zur Annahme des Vellberger Baronsreifs bereit, zumal ich selbst ebenfalls keine Hängepartien mag."

'Zupackend, schlagfertig und besonnen zugleich - interessante Kombination!', ging es Rondrigan durch den Kopf.
"Gut, dann regeln wir jetzt die damit einhergehenden Formalitäten."

"Dürfte ich zuvor noch eine Bitte äußern, euer Erlaucht?"

"Ja?"

"Sofern es euch recht ist, würde ich gerne den Namen meines Vaters zumindest zum Teil weiterführen. Einerseits, um Kontinuität in der Erbfolge anzuzeigen, andererseits um sein Andenken zumindest symbolisch zu bewahren. Ich ersuche euch daher darum, den Namen "vom Berg" anstelle meins Geburtsnamens führen zu dürfen."

"Nun, das bedarf natürlich noch entsprechender Absprachen mit dem Oberhaupt des nordmärker Zweigs der Familie, aber ich wäre durchaus bereit, euer Ansinnen dort zu unterstützen. Aber warum nicht "von Löwenhaupt", wenn ihr die Frage gestattet?"

"Weil mein Vater sich stets weit mehr den Nordmarken und seiner mütterlichen Linie verbunden fühlte. Seine Zeit in Weiden war hingegen alles andere als einfach, wie ihr sicherlich wisst. Und ich selbst konnte mich mit dem Land und seinen Bewohnern auch nie wirklich anfreunden."

Ein leichtes Schmunzeln umspielte Rondrigans Lippen, als er wieder das Wort ergriff.
"So lasst uns nun die Erledigung der nötigen Formalitäten angehen. Ach, ehe ich es vergesse: Ihr seid auf unbestimmte Zeit - wie lange genau, liegt in eurem Ermessen - von eurem Dienst im Bombardenregiment freigestellt, um ausreichend Zeit zu haben, euch mit eurem neuen Lehen vertraut zu machen."

Zwei Stunden später kehrte Elissa in ihr Arbeitszimmer im Hafen zurück. Ihre Gefühlslage bezüglich der jüngsten Entwicklung war durchaus gemischt. Zwar war sie weiterhin fest entschlossen, Wallbrords überraschenden letzten Willen durch ihre eigenen Taten zu rechtfertigen, andererseits empfand sie trotz aller sonstigen Abneigung Mitleid mit Ugdalf. Wie er sich nach dieser posthumen Ohrfeige durch ihrer beider Vater fühlen mochte, entzog sich beinahe der Vorstellungskraft der neuen Baronin. Und dass er ihr nun, mehr als ohnehin schon, vorwerfen würde, ihn um sein Erbe geprellt zu haben war aus seiner Sicht ebenfalls absolut nachvollziehbar.


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Nach einer unruhigen Nacht sandte sie einen Brief an ihren Halbbruder - ein direktes Treffen erschien ihr derzeit deutlich verfrüht - worin sie versuchte, ihm klarzumachen, dass sie von dem Testament nichts gewusst hatte, seine Enterbung bedauere und ihm - gewissermaßen als "Friedensangebot" Gut Rotbach übertrug. Elissa glaubte allerdings beim Verfassen des Briefes selbst nicht so recht daran, damit Ugdalfs Groll auch nur einigermaßen beschwichtigen zu können.



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4. Bor 1040 BF
Aufstieg eines Bankerts
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Kapitel 8

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Autor: Wallbrord