Auf dem Weg nach Korgond - albern-archaisch

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Haselhain, Anfang Phex 1040 BF

Zu beginn hatte er ihn amüsiert. Der Traum war absurd und ergab keinen Sinn. Doch als er immer häufiger wiederkehrte, begann daran sein Schlaf und somit seine Konzentration und sein Witz zu leiden, etwas das er gerade nicht gebrauchen konnte. Die Vorbereitungen zum Bau des Kollegs gingen in die Endphase und die alten Traditionalisten ließen einfach nicht locker. Dafür brauchte er seine ganze Aufmerksamkeit und seinen Humor, welche aber sehr unter diesem unsäglichen Traum litten.

Ständig umkreisten seine Gedanken den Traum und Korgond, denn damit hatte er ohne Zweifel zu tun. Doch wusste Selo nicht zu sagen was, die Bilder waren zu verschoben, der Inhalt krude. Dem Fuchs sei Dank hatte er heute etwas über Meister Albentir – dem Mann an der Seite seines Helburger Majordomus – zugetragen bekommen. Angeblich tat sich etwas unter den Herzen des Korgonder Ordens. Etwas musste also etwas passiert sein und vielleicht war er nicht der einzige der so einen leidigen Traum erfuhr, nach allem was er in den letzten Jahren gesehen hatte, durchaus nicht abwägig. Und so kam ihm in den Sinn diesem Boroni zu schreiben, dem er damals auf Perlenblick begegnet war – ein Traumdeuter. Vielleicht könnte er diesem lästigen Traum ein Ende setzen – hoffentlich.

(AB HIER BITTE ERST NACH DER CON WEITER LESEN)

Und so brachte der Baron nach einigen amüsanten Grußfloskeln den Inhalt des Traums zu Papier:
 
 
 
 
Ich kauere in schulterhohem Gras, nur ein Lenderschurz bedeckt meine Lenden. In meiner Hand trage ich ein mit schweren Steinen beschwertes Netz. Zudem sind dort andere – acht Krieger kauern in meiner Nähe, allesamt Babur-Nebachoten. Ihre Gesichter sind angespannt und mit purpurnen Zeichen bedeckt. Wir warten auf soetwas wie den richtigen Moment – Anspannung.

Dann erblicke ich unsere Beute und gebe den Kriegern ein Zeichen. Wir schwärmen aus und pirschen und heran, während das Gras sich – vom Wind erfasst – windet. Dann stürmen wir heran, die Speerbewaffneten 8 voran, sie umstellen das sich wehrende Tier. Ich stürme hintendrein und fange es mit dem Netz ein, dass zuvor einem Raubvogel gleich durch die Lüfte segelt. Die gefangene Leuin faucht und fixiert uns aus ihren wütenden, gelben Augen.

Dann wechselt die Szenerie schlagartig. Ich finde mich auf einer uralten, verwitterten Steinpyramide wieder. Ein tonloser Gesang umgibt mich und in meiner Hand halte ich einen Dolch aus seltsamen Gestein. Tanzend nähere ich mich einem Opferstein. Darauf liegt die Leuin, gefesselt. Ich hebe den Dolch und das Tier nimmt die Gestalt eines weinenden Mädchens an. Unbeeindruckt ramme ich ihr die Klinge ins pochende Herz und schreie wie von Sinnen: „Korgond!“

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Wie Ihr seht, Euer Gnaden, mein Traum zeichnet mir absurd unsinnige Bilder. Nicht dass ich eine Abneigung gegen Absurditäten und Unsinn hätte, ganz im Gegenteil. Doch kann ich mir keinen Reim darauf machen und wäre den Traum gerne los oder würde seine Scheinbilder gerne verstehen. So habe ich mir zwar schon eigene Gedanken darüber gemacht, bisher aber ohne Ergebnis, da es mich doch eher ermüdete. Welch Witz, ein Traum der den Träumer ermüdet, das muss einem Priester des Raben doch ein Lächeln aufs bleiche Gesicht treiben. Doch ich schweife ab. So hoffe ich Ihr als eben ein solcher könnt mir behilflich sein. Und so ende ich mit meinen eigenen Interpretationen und ersehne mir eine Antwort auf diese Aberwitzigkeit.

Zeit – Die Zeit wirkt absurd. Lendenschurz und der gleichen albern-archaische Hinweise deuten auf eine Zeit lang vor dem Aufstieg der Menschen hin. Als die hiesigen Völker noch jung waren und in Höhlen hausten und die Güldenländer noch ebendort waren wo sie herkamen. So wie es doch heisst. Nun, bis auf in der Mode haben wir uns kaum entwickelt, nicht wahr?

Zahlenmystik – Nun ich bin kein Freund von diesen ulkigen Zahlendrehern und Zifferfetischen, wie man Lust und Erkenntnis außerhalb der Mathematik daraus ziehen kann ist mir unbegreiflich, aber was den einen kalt lässt ist dem anderen seltsame Freud. Dennoch acht bzw. neun sind hier Schlagzahlen. Acht Krieger – Acht Schwerter und acht Märtyrer der Au soll es geben. Neun – die Anzahl der Krieger einschließlich mir – ist die doch so hoch geheiligte Zahl der Nebachoten und des Rondra Sohnes Kor. Auch der Fuchs wird mit ihr verbunden, aber den können wir wohl außen vor lassen, dafür ist der Traum zu unamüsant.

Die purpurne Farbe – Nun, ein Mensch böswilliger Absicht könnte diese Farbe dem Gefallenen ohne Namen zuordnen. Doch es könnte sich auch simpel um einfache Farbpigmente handeln die man so vorfand. Oder es ist noch simpler schlechter Stil.

Das Netz/der Raubvogel – Da habe ich nun wirklich keine Ahnung, ich hoffe ihr könnt mich da erhellen, ob es eine Bedeutung außerhalb des archaischen Werkzeugs gibt. Wohl nicht.

Die Leuin – Wäre ich kein von ihr doch so verlassener Nebachote, würde man die Leuin doch klassisch der Rondra zuordnen. Das man sie fängt und gar tötet könnte auf so vieles hinweisen. Die Vereinahmung der Leuin durch die Nebachoten, ihre letztliche Abkehr und ihrem angeblich auserwählten Volk. Aber auch passend zu den Ereignissen des letzten Jahres, die auch in dieses Jahr hinein reichen. Zwei große Stätten Rondras – Perricum und Arivor – erfahren fast zeitgleich einen schweren Schlag, das Schwert der Schwerter wird durch den verfluchten Erzverräter ermordet, ihr verlassenes Volk scheitert gemeinsam mit anderen an der Gaulsfurt. Ihre Priester ziehen sich zurück oder sind uneins und das Volk ist unmächtig oder im Streit. Vielleicht hat sie sich nicht nur abgewandt sondern liegt gar im Sterben, wie es einige hier verkünden. Und wir haben sie getötet. Vielleicht ist das ganze aber auch einfach nur eine ebenso albern-archaische Jagdszene, die meinen unstillbaren Hunger symbolisiert.

Die Steinpyramide – Wieder ein solcher Verweis auf längst vergangene Tage und Kulturen und vielleicht ebenso ein Verweis auf den Ursprung der Perricumer Tulamiden, weiter im Süden. Denn, bis auf eine Ausnahme, ist mir in dieser Region keine bekannt. Könnte man hier sagen man treibt es auf die Spitze?

Das Mädchen – Nun, ich unterlasse jetzt mal den Scherz mit dem Eindringen und der Unschuld, wäre dies doch nur geschmacklos und wahrlich aus der untersten Schublade herangezogen. Aber es zeigt vielleicht auch wie ratlos mich eben dieses Bild macht. Die starke Leuin verwandelt sich kurz vor dem Tod in ein wimmerndes Kind. Wie unheroisch.

Ihr seht der Traum lässt mir jede Form von Humor abkommen, helft mir doch ihn loszuwerden.
 
 
 
 
Ich verbleibe mit den aller stillsten Grüßen

von Selo von Pfiffenstock

Baron von Haselhain, etc. pp.
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Kapitel 2
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Briefspiel in Perricum
Zeit: Phe 1040 BF
Autor: Jan