Armenzug - Versammlung in Tannenheim

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14. Ingerimm 1036 BF Kloster Tannenheim, Klosterlande Tannenheim in der Baronie Aldenried

Die Praiosscheibe schien für diesen Perainemorgen überraschend warm und so manche Blüte streckte bereits, wenn auch noch geschlossen, den Kopf aus dem Erdreich den Strahlen entgegen. Es war als wolle der Götterfürst darselbst das Zusammentreffen segnen, in dem er sich in milder Stimmung zeigte. Ob dieses Gedankens innerlich beschwingt sprang Baron Felan von seinem Roß in den Kies vor dem Eingang zum Innersten des Klosters und übergab die Zügel des Pferdes seiner Knappin, die es in Richtung der Stallungen führte, wohin sie einer der Brüder des Dreischwesternordens geleitete. Er drehte sich gerade um, um wieder in Richtung des Portals zu gehen, wo ihn der Prior des Klosters erwartete, als er hinter sich bemerkte, wie eine weitere Gruppe von Reisenden eintraf. An den Farben erkannte er, dass es seine Nachbarin war, Iralda von Ochs, die Baronin zu Bärenau. Er entschloß sich auf sie zu warten und ihr den Steigbügel halten, nicht als Zeichen der Untergebung, sondern als Zeichen persönlicher Freundschaft. Sie lächelte ihn an, und er reichte ihr die Hand, um ihr herab zu helfen.

"Die Zwölfe zum Gruße, Hochgeboren. Es freut mich, dass wir gemeinsam ankommen. Nicht mehr könnte es Symbol sein, wie wir gemeinsam für das Wohl der Grafschaft und seiner Bewohner einstehen, als dass wir gemeinsam uns zum Rat begeben.", meinte er mit einem ebensolchen Lächeln, dass man schon fast staatsmännisch hätte nennen mögen, wenn Felan nicht selbst eher ausgesehen hätte, als würde er sich eben sehr bemühen so auszusehen. Das blieb natürlich auch der Bärenauerin nicht verborgen, doch gelang es ihr diesen für ihn typischen Manierismus zu übergehen. "Das will ich doch hoffen. Ich musste schon zu eindringlich erfahren, was es heißt, wenn man diesen Dingen nicht mit der nötigen Vehemenz nachgeht.", erwiderte sie ihm, während sie sich gemeinsam, geleitet vom Prior-Bruder Travidan zum Versammlungsraum geleiten ließen.

Man hatte das Refektorium des Klosters zu diesem Zweck ausgewählt, ein mit Holz getäfelter Raum, der durch einen Kamin beheizt wurde. Ein Kreis von Stühlen um eine Tafel war aufgestellt worden, an dessen Kopf der Gastgeber, Abtgeweihter Owilmar von Schroeckh, stand und sich mit seiner Bärenauer Amtskollegin Anglinde Buchweiz vom Kloster des Neuanfangs unterhielt. Außerdem war der Hüter der Saat zu Bugenhog, Rukus von Hartsteen, der Meister der Ernte Perainian von Schwingenfels, der Bärenauer Stadtgeweihte Eslam Dinkelkorn und die Tsa-Geweihte Tsalieb Butterweck, Leiterin des Armenhauses zu Bärenau, anwesend. Gerade der Hüter der Saat und der Meister der Ernte hatten sich schon 1032 BF mit einem besonderes eindringlichen Aufruf um das einfache Volk vom Lande verdient gemacht, als es den kirchlichen Bann jenen gleich welchen Standes androhte, die sich Peraineungefällig an Feldern und Bevölkerung vergriffen. Zwar hatte das schlimmeres verhinderen können, doch die Taten zuvor und immer noch die Nachwirkungen der Angriffe aus den schwarzen Landen machten die Situation schon schiwerig genug. Man machet sich gegenseitig bekannt und plauschte einen Moment, ehe der Abtgeweihte von Tannenheim in die Runde zusammenrief.

"Werte Schwester und Brüder im Glauben, eure Hochgeboren.", eröffnete Owilmar die Versammlung, verneigte sich vor den Anwesenden und wies mit freundlicher Geste die Plätze, Rukus und Perainian rechts und links von sich, Felan und Iralda jeweils daneben nachfolgend die anderen Teilnehmer nach Stand folgend. "Ich freue mich, dass wir in dieser Runde nicht nur als Orden und Kirche zusammengekommen sind, sondern auch den Stand der Edlen begrüßen dürfen. Dies sind wahrhaft schwierige Zeiten und um so mehr ist es von Nöten, dass wir zusammenstehen, jeder nach dem Amt, dass uns die Zwölfe zugestanden haben, um unsere Pflichten und Rechte zum Wohl von Körper und Seele der Leidenden im Reich zu vereinen.", begann er seine Rede.

"Wohlgesprochen, euer Gnaden,", gab Dinkelkorn beifällig dazu. "Doch mir scheint wir werden mehr benötigen als nur den geistigen Segen. So nehme ich doch an ihr habt bereits eine Idee, wir wir unsere Möglichkeiten nutzen können, um das uns allen am Herzen liegende Ziel auch zu erreichen, das, wenn ich wohl so voraussetzen darf, vor allem darin liegt das leibliche Wohl der Bevölkerung wieder herzustellen und in erster Linie den Hunger zu besiegen." Er blickte den Abtgeweihten erwartungsvoll an.

"Das ist korrekt. Ich habe mir erlaubt bereits darüber mit ihro Gnaden Buchweiz darüber zu korrespondieren. Und hernach habe ich seine Hochgeboren von Schallenberg dazu konsultiert...." Er sah den Baron an und dieser nickte zustimmend. "...und ihn davon überzeugt, dass uns wie in Mühlingen oder weiland in Krolocksaue, Zustände drohen, die nicht nur kurzfristig Schaden zufügen." Die Baronin zu Bärenau war die Erinnerung an die rebellierenden Bauern sichtlich unangenehm und Owilmar ging schnell darüber hinweg als er fortfuhr. "Also kamen wir zu dem Ergebnis, dass wir uns dagegen wappnen müssen und beweisen sollten, dass es möglich ist etwas zu tun."

"Hrmhrm.", räusperte sich Rukus von Hartsteen. "Ihr habt aber immer noch nicht gesagt, wie dies aussehen soll." Perainian von Schwingenfels nickte, um anzuzeigen, dass er dies auch gerne erfahren wollte.

"Ja dazu komme ich..." "Euer Gnaden, lasst mich es doch bitte darlegen.", bat Felan von Schallenberg und der Abtgeweihte deutete mit einer Hand an, dass er gerne erläutern möge.

"Wir sind im Gespräch dazu übereingekommen, dass wir selbst wenig Mittel haben. Gerade die Baronien Bärenau und Aldenried haben in der Vergangenheit sehr gelitten, nicht nur durch den schwarzen Heerzug, sondern auch durch die unselige Grafenfehde und dazukommende Begleitumstände wie Raubritter und anderes Kroppzeug." Deutlich merkte man ihm an, dass er gerade die Raubritter, wie Geldor von Kallerberg, als Scharte an seinem Stand empfand, die es auszuwetzen galt. "Durch die Steuer des Blautanns und nun folgende Zahlungen für Heeresfolge und Brautgeld der Kaiserin sind unsere Truhen nicht nur leer, sondern wir selbst auch auf absehbare Zeit nicht in der Lage größere Summen aufzubringen."

"Verzeiht Hochgeboren, ich möchte keine falschen Vorwürfe machen, aber gibt es nicht auch Möglichkeiten vielleicht unnötiges einzusparen...", wagte Perainian von Schwingenfels einzuwerfen. "Gerade wo nun die Fehde beendet ist könntet ihr vielleicht eure militärische Präsenz einschränken und dadurch sparen."

"Ja, euer Hochwürden, aber bedenkt bitte, dass ich diese auch gegen den Feind Haffax in Marsch setzen werde. Würde ich diese entlassen müsste ich noch mehr Landwehr aufstellen lassen. Ich denke nicht, dass dies in eurem Sinne wäre, wenn ich jetzt die Leute füttere mit dem gesparten Gold, nur um sie in einen Krieg gegen die unseligen Horden des schwarzbeseelten Feindes zu schicken, in dem Veteranen auf deren Seite fechten, nicht wahr?"

"Dem kann ich nicht widersprechen..."

"Und außerdem.", ergriff Iralda von Ochs das Wort. "Denke ich, dass wir selbst im besten Falle nicht genug Gold aufbringen könnten. Auch in anderen Baronien Hartsteens steht es nicht zum Besten, wie mir Schwester Tsalieb und Bruder Eslam berichteten. Ich muss dabei nicht einmal an Reichsgau oder Feidewald verweisen wo Krieg und Fehde tiefe Spuren hinterlassen haben. Also was habt ihr im Sinn, Hochgeboren?"

"Nun, seine Gnaden von Schroeckh und ich kamen zu der Überzeugung, dass es notwendig wäre uns an diejenigen zu wenden, die nicht so sehr vom krieg geplagt hatten, die aber durchaus fürchten dürfen, wenn die Plage des Hungers und der Not sich über die Grenzen Hartsteens nach außen verlagern könnte, wenn es hier zu schlimm wird. Immerhin waren wir bisher ein Bollwerk gegen Feinde von außen. Sollten wir durch innere Probleme in Chaos versinken würden davon auch die anderen garetischen Grafschaften betroffen sein, da diejenigen, die besonders leiden, sich dorthin begeben würden, wo sie eher erwarten dürften etwas holen zu können, und das sicher nicht mehr in friedlicher Manier."

"Ihr wollt also in Eslamsgrund, Reichsforst und so weiter um Hilfe bitten?"

"So ist es. Wer so großzügig für das Geschenk an die Kaiserin spenden kann, der wird doch sicher auch in der Lage sein den Ärmsten der Armen etwas abzugeben. So ist es doch des Ritters Pflicht sich der Mildtätigkeit zu erinnern, die eine der Rittertugenden ist."

"Und ihr meint nicht es könnte von außen als Schwäche betrachtet werden, wenn man so darstellt, dass ihr nicht selbst in der Lage seid euren Einwohnern zum Überleben zu helfen?", warf der Hüter der Saat mit skeptischer Miene ein."

"Ja, das schließe ich nicht aus, aber ist nicht der stärker, der eingestehen kann, dass es einen Mißstand gibt, als derjenige, der diesen zu verschweigen versucht. Wie oft haben wir selbst uns doch darüber ereifert, wenn einer der Edlen seine Pflichtenmit Verweis auf die Ehre vernachlässigte aus Furcht, er könne darob weniger geschätzt werden? Und wenn wir zur Erkenntnis bringen, dass dies auch ein Signal nach außen ist, dass die Stärke des Königreiches darin liegt, dass wir nicht in Mißgunst zueinander stehen, sondern bereit sind innere Probleme auch gemeinsam zu lösen, bevor sie zu Problemen für alle werden, dann bin ich sicher, dass es einen allgemein positiven Anklang finden wird."

"Zumindest dürfte niemand dieses noble Ansinnen in Zweifel ziehen, wenn wir einen offiziellen Segen der Kirchen von Tsa, Peraine und Travia dafür aussprechen.", warf die Äbtissin Anglinde Buchweiz ein.

"Hrmhrm, und ihr wollt also von Ort zu Ort reisen und Adel, Kirche und Bürger um eine Spende bitten, habe ich das recht erfasst?", fragte Perainian, der sich wohl nur langsam für die Idee erwärmen konnte.

"Ja, so ist es.", bestätigte Felan.

"Und dürfte ich dazu anregen die Alriksritter zum offiziellen Schutz des Bittzuges zu erklären?", gab Iralda von Ochs ihren Gedankengang dazu. "Damit würden wir nicht nur unseren Teil leisten können, sondern dürften auch durch das in der nahen Vergangenheit erworbene Ansehen des Ritterbundes nutzbringend einsetzen: der begleitende Klerus würde das Einsammeln der Spenden und ihre Verwaltung übernehmen, damit nicht der Anschein erregt wird, es könnte durch den Adel veruntreut werden, und der Stand könnte seinen Schild über den Zug halten, um damit gleichsam die ritterliche Tugend zu repräsentieren und den Schutz vor Räubern und anderem Gelichter, dass dem Anliegen schaden wollen könnte, gewährleisten."

"Ah, eine formidable Idee, werte Iralda!", rief Felan begeistert aus und auch die anderen Teilnehmer nickten zustimmend, wenn auch nicht immer ohne Zweifel, ob des Gelingens.

"Aus meiner Sicht spricht nichts gegen, aber vieles dafür es zu versuchen. Mit dem Segen der drei göttlichen Schwestern sollten wir es angehen.", fasste es Rukus von Hartsteen zusammen.

Abt Owilmar sah sich in der Runde um. "Darf ich das als allgemeine Zustimmung aufassen? Gut, dann sollten wir uns in die weiteren Details vertiefen. Der Aufruf des Dreischwesternordens in Hartsteen soll erklingen, noch bevor die Ernte die Kornkammern erreicht hat."