Armenzug - Spendables Neerbusch

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Königlich Neerbusch, Ende Praios 1037 BF:

Von Norden kommend, bahnte sich der nunmehr mit den Gaben aus der Mark bereicherte Armenzug seinen Weg die Serrinmoorer Landstraße entlang nach Waldstein. Es war leicht zu merken wann der Zug die Grenze zwischen den Grafschaften überquerte, denn ab der wehrhaften Zollstation Windfest war die Straße deutlich besser ausgebaut. Der sehr umtriebige gräfliche Wegevogt Edorian von Feenwasser machte offenbar seine Arbeit gut, zumindest hier - was auch nicht weiter wunderte, lag doch das Junkergut des Wegevogtes an dieser Straße – anderswo in Waldstein sah die Lage ganz anders aus, von regelrecht komplett zugewucherten Wegen und Pfaden wussten Reisende zu berichten.

So ließ sich der Wegevogt auch nicht nehmen die Pilger auf seinem Herrensitz zu empfangen, bevor der Armenzug nur wenige Meilen hinter dem Gut die gut ausgebaute Serrinmoorer Landstraße verlassen und in die Tiefen des Reichsforstes eintauchen sollte um Kronvogt Leomar von Zweifelfels um Spenden zu bitten. Nach einer angemessenen Stärkung überreichte Edorian von Feenwasser dem Pilgerzug zwei Dutzend Schafsfelle – es mochte zwar noch Hochsommer sein, aber der nächste Winter würde mit Sicherheit kommen – sowie eine nicht geringe Menge von filigran bemalten Keramikkaraffen gefüllt mit Eibenhainer Feentraum, ein starker Schnaps und Spezialität aus den hiesigen Landen.

Etwas beklommen zumute machte sich die Gruppe am nächsten Morgen auf, die gut 15 Meilen zählende Reisestrecke nach Njerbusch durch den geheimnisvollen Reichsforst hinter sich zu bringen. Denn vor fast genau zwei Götterläufen war der sogenannte Njertalstieg vollständig vom Forst überwuchert worden. Ganze sechs Götterläufe hörte man keine Kunde aus dem Tal und deren Bewohner wie auch der damalige Kronvogt galten als verschollen, wenn nicht gar allesamt vom Forst geholt. Es waren schließlich die tapferen waldsteiner Niederadligen, darunter Junker Edorian und der nunmehrige Kronvogt Leomar von Zweifelfels, die das Tal aus namenlosen Fängen befreien konnten.

Um die allgemein gedrückte Stimmung zu heben, stimmte der Abtgeweihte Owilmar einen zwölfgöttergefälligen Gesang an, in dem auch die anderen Geweihten mit einstimmten und auch die den Zug begleitenden Alriksritter sangen voller Inbrunst mit. Einzig dem Wegevogt, der die Harsteener ins Njertal begleitete, konnte kein Ton entlockt werden. So verflog die Beklommenheit und der Pilgerzug erreichte am späten Nachmittag frohen Mutes Njerbusch, den Hauptort der hiesigen königlichen Lande.

Njerbusch war ein adretter kleiner Marktflecken der vor allem wegen der jeden Götterlauf im Phex statt findenden `Großen Warenschau´ überregional bekannt war. Vor allem edle Pelze, fein gearbeitete Keramik, sowie Bausch von exzellenter Qualität und andere Handelswaren die hier mit den Elfen getauscht wurden, wechselten hier ihre Besitzer und wurden bis nach Gareth gehandelt. Das Neerbuscher Bausch war in der Kaiserstadt sehr gefragt. Während der Warenschau ist der Ort mit seinen mit Schnitzereien verzierten Fachwerkhäusern bis zum Bersten gefüllt. Des Rest des Jahres war man hingegen eher unter sich und nur selten verirrten sich Händler hierher. Seit der Wiederentdeckung der heilsamen Quelle unterhalb der Hochnjerburg reisten nun allerdings vermehrt adlige Herrschaften ins Njertal um hier ihre Zipperlein auszukurieren.

So bahnte sich der Zug seinen Weg zum Marktplatz, wo schon einige der Bewohner versammelt waren. Auf einem hölzernen Podest wartete bereits mit freundlicher Miene Kronvogt Leomar. An seiner Seite standen seine frisch angetraute Gemahlin Ardare Rondriane von Trenck, sowie die königliche Vögtin des Njertals und neerbuscher Kastellanin Thalia Elida von Feenwasser. Etwas im Hintergrund standen die vier Hausritter des königlichen Hofes Gunwald von Mistelhain, Caradan von Greifstein, Bernhelm von Zweifelfels und Radobert von Waidbrod.

Der gräfliche Wegevogt erklomm nun ebenfalls das Podest und begrüßte mit einer herzlichen Umarmung seine Schwester Tahlia, wohingegen er der Gemahlin des Kronvogts mit keinem Blicke würdigte, was die atemberaubend schöne Rahja-Geweihte und Bademeisterin der königlichen Therme mit versteinerter Miene zur Kenntnis nahm. Die Gesichtszüge der kaisermärker Schönheit entgleisten jedoch als Edorian den Kronvogt mit einem rahjagefälligen Kuss begrüßte. Ein Verhalten, das bei einigen Teilnehmern des Pilgerzuges für Verwunderung sorgte.

„Meine verehrten Hartsteener Freunde“, erhob der Kronvogt seine Stimme, „vor wenigen Tagen erst feierten wir den zweiten Jahrestag der Befreiung des Njertals. Ich kann also mit Fug und Recht behaupten, die tapferen Bewohner, meine... der Königin loyale Untertanen, wissen was Leid und Kummer bedeutet, wurden sie doch über viele Götterläufe von namenlosen Mächten bedroht. Doch aus diesem Leid und der Trauer um verlorene Seelen erwuchs eine ungekannte Stärke und nun erblüht das Njertal umso größer und schöner als je zuvor.“ Unter den Schaulustigen brauch lauthals Jubel aus und nicht wenige reckten ihre recht Faust in den Himmel und skandierten göttergefällige zwölfmal `Für Waldstein´, was Leomar sichtlich genoss. „Danke meine Freunde, allerdings hätten wir das nicht ohne Hilfe von gütigen Seelen aus der ganzen königlichen Vogtei Neerbusch und anderen Teilen unsere geliebten Grafschaft geschafft.“ Der Kronvogt drehte sich zu dem Wegevogt und der Kastellanin. „Mein besonderer Dank gilt hierbei der Familie Feenwasser, die wie keine Zweite, von Heimatliebe getrieben, den Aufbau unserer schönen Lande vorangebracht hat.“ Wieder brauch lauter Jubel los. Einzig die Gemahlin des Kronvogtes schaute wenig rahjagefällig drein. „Daher ist es mir und den Bewohnern dieses herrlichen Flecken eine Selbstverständlichkeit, ja sogar ein inneres Bedürfnis, unseren hartsteener Brüdern und Schwestern in größter Not zur Seite zu stehen und zu geben um das Leid zu lindern, auf das daraus ebenfalls Stärke erwachsen werde.“ Nun waren es auch die Pilger aus Hartsteen die sich von der rede des Kronvogts mitreißen ließen und laut applaudierten.

Es war letztendlich an den Hochgeweihten der Tempel der Travia und Peraine die Gaben zu übergeben, darunter eine Vielzahl von Pelzen, Bausch und Keramiken, sowie drei Dutzend Njertaler Schafe. Der Kronvogt überreichte der sichtbar von Tsa gesegneten Baronin Iralda von Ochs eine Schatulle gefüllt mit Gold- und Silbermünzen als private Spende, welche diese sichtlich dankbar annahm.

In einem ruhigen Moment trat der Wegevogt grinsend zu Leomar. „Seit wann hast du so ein großes Herz für die Hartsteener?“

„Habe ich nicht, die haben ihre Lage mit dem unsinnigen Krieg selbst verschuldet. Sieh die Spende einfach als politische Investition. Der Feldzug gegen Haffax wird die politischen Kräfteverhältnisse neu ausrichten und wir werden dann Verbündete brauchen...“