Armenküchen der Badilakaner im Meilersgrund geschlossen

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»Wir hungern, Mutter Yadewine!«

Nachdem der Orden des Heiligen Badilak zu Gareth sich in den letzten Monden so aufopferungsvoll um die Armen von Roßkuppel und Meilersgrund sowie die tobrischen Flüchtlinge – vor allem um jene im Alten Hippodrom untergekommenen – gekümmert hatte, gingen Vorräte und Geldmittel aus. Wie die Leiterin des Ordenshauses Gareth, Ihre Gnaden Yadewine Gumbertinger, nun schweren Herzens mitteilen ließ, mußten die Armenküchen im Elendsviertel Meilersgrund geschlossen werden.

Diese Entscheidung sorgte nicht nur im Alten Hippodrom bei den Tobriern für Aufsehen, sondern vor allem im Meilersgurnd. Als am letzten Windstag die freilwilligen Helfer des Ordens sowie einige Brüder und Schwestern der wartenden Menge an Hilfsbedürftigen die Botschaft verkündeten und die Läden der Barracken und Räumlichkeiten der drei Einrichtungen schlossen, erhob sich spontaner Unmut zu einem lauten Zug der Hungrigen durch die Gassen von Meilersgrund. Mit Holzlöffeln, Stöckchen oder Messern schlugen die aufgebrachten Armen auf ihre Töpfe und Näpfe ein und veranstalteten ein großes Lärmen, das noch in Neu-Gareth zu hören gewesen ist.

Ein besonders aufgebrachter Haufe Meilersgrunder zog solcherart sogar bis in das Alte Gareth – von den Stadtwachen an der Stadtmauer mitleidig hindurchgelassen –, um Rechenschaft von Mutter Yadewine zu verlangen. Etwa dreißig Meilersgrunder nahmen Aufstellung vor der alten Arenaverwaltung, woselbst die Badilakaner Quartier genommen hatten, und riefen laut: »Wir hungern, Mutter Yadewine!« Anfühererin dieser Meilersgrunder war die Kesselflickerin Zylva Huisdorn, »Zylva die Große«, die mit ihrer massigen Gestalt zwischen den Anklagenden nicht zu übersehen war. Erst als Mutter Yadewine vor die Meilersgrunder trat, verstummten diese, und es entbrannte schnell ein hitziger Wortwechsel, bei dem die Große Zylva bedrohlich mit dem Zeigefinger fuchtelte, während die barmherzige Badilakanerin händeringend ihre Situation verteidigte.

Etwa fünfzig Tobrier eilten in diesem Augenblick aus dem gegenüberliegenden Hippodrom herbei – doch suchten sie alles andere als Streit mit den Meilersgrundern. Vielmehr trugen sie etwas von ihren spärlich bemessenen Lebensmitteln bei sich und fielen demonstrativ in das Lärmen ein: »Wir hungern, Mutter Yadewine!« Die Not, die die Leute aus Meilersgrund beklagten, kannten sie aus den Tagen ihrer Flucht und befürchteten, sie alsbald wieder kennenzulernen. Für arme Leute sind Hunger und Not ungern gesehene Gäste – vor allem, weil sie sich immer wieder selbst an die Mittagstische der Familien einladen.

Zum Tumult kam es, als die Stadtwache den Haufen auseinanderzutreiben versuchte; denn keiner der Versammelten wollte sich vom Fleck rühren, als bis nicht Zusagen von der Stadtobrigkeit kommen würden. Die schaulustigen Bürger aus Alt-Gareth hingegen fingen nun ihrerseits an, die Meilersgrunder und die Tobrier herumzuschubsen, unter ihnen taten sich vor allem einige Handwerksburschen und -mädel hervor, die aus der nahen Zimmermannsgasse gelaufen kamen. Ein Handgemenge begann nun, in dem Meilersgrunder, Tobrier, Alt-Garether und nicht zuletzt die Stadtwache dem Ärger Luft ließen. Mutter Yadewine mußte flüchten vor der heftigen Keilerei, die binnen weniger Augenblicke den Platz zwischen Badilakanerhaus und Altem Hippodrom mit fliegenden Fäusten und heftigen Tritten füllte. Erst als weitere Spießbürger und Stadtwachen heraneilten und die Kämpfenden auseinandertrieben, endete der plötzliche Zwist: Die Meilersgrunder flohen angeführt von Zylva der Großen aus Alt-Gareth, die Tobrier flohen in das Alte Hippdrom. Zurück blieb nur ein erstochener garethischer Bengel, dessen Name in Meilersgrund seitdem wohlbekannt ist und Aufruf zur Rache: Edo Gerling.

Bürgermeister Trautmann Karfenck von Alt-Gareth zeigte sich bestürzt über die Ausmaße des Elends in Meilersgrund, aber auch bei den Tobriern, und spendete sogleich einiges Gold. Weitere Schritte wollte er aber nicht unternehmen. Auch Burggraf Oldebor von der Raulsmark, dessen eigene finanzielle Lage nach zahlreichen falschen und ungedeckten Wechseln auf seinen Namen sowie einigen Hochzeiten und Mitgiften, die der Beginn des Ehelebens seiner Töchter mit sich brachten, nicht besonders rosig ist, ließ den Badilakanern Almosen zukommen, wohingegen Markvogt Berdin von Vierok sich empörte über die Gewalt in den Garether Elendsquartieren und seine Zahlungen mit dem Hinweis einstellte, daß der Pöbel zuerst den Frieden lernen solle, bevor er sich von den Herren durchfüttern lassen wolle. Keine der Kirchen hingegen äußerte sich zu dem Hungermarsch der Großen Zylva. Dennoch ist zu befürchten, daß der »Zug der Meilersgrunder« hiermit nur sein erstes Kapitel aufgeschlagen hat, dessen Fortsetzung bei der Bestattung des getöteten Edo Gerling nur durch zahlreiche bereitgestellte Spießbürger verhindert werden konnte – bisher.

Kerrie ui Brioghan

(Aventurischer Bote No. 90)

Tra 1024 BF
Armenküchen im Meilersgrund geschlossen
Ein Tempel den Göttern zur Ehr

Kapitel 5

Ein Monument wider die Hoffnungslosigkeit
Autor: BB