Anmeldung Quelina von Hardt und Sigman von Karrrenstein

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Mit Erleichterung erkannte Sigman von Karrenstein, dass sie sich inmitten dieses steinernen Meeres endlich dem Ziel näherten: Dort lag wohl die Alte Residenz mit dem Feld der Turney. Das Haupttor prunkte mit überflüssigem Zierrat und erhob sich hinter einer größer werdenden Traube an Gauklerwagen und Marktständen. Gerade wurden zwischen den nächsten Ständen am Tor und der Mauer noch Wimpelbänder in den Reichsfarben gespannt, als gäbe es hier nicht schon genug Tand und Kurzweil. Gesprächsfetzen, Lachen und der Rauch einer Garküche, die gerade angefeuert wurde, wehten heran.

Der früh ergraute Ritter sog den Rauch tief in seine Lungen: Erinnerungen an die brennende Vorstadt Mendenas erfüllten ihn ebenso wie das Verlangen nach einem Krug rauchigem Drachenbluts.

Sigman seufzte und streifte die Gedankensplitter seines Lebens ab, als ihn das leise Flattern der Banner über ihm wieder in die Realität zurückbrachte. Als Edler zu Raulsborn und Vogt der Lande der Pfalz Randersburg oblag es ihm und der Tochter des Pfalzgrafen die Farben von Kaiserlich Randersburg auf das Feld der Ehre zu tragen. Er wandte sich um, ließ seinen Blick über das Gefolge streifen und nickte Quelina neben ihm aufmunternd zu. Stolz auf seine ehemalige Knappin erfüllte den erfahrenen Kämpen.

Nach Einschätzung ihres Vaters, Udilbert von Hardt, war dies ihre erste Bewährungsprobe, doch Sigman mochte diese Meinung nicht uneingeschränkt teilen, da sein langjähriger Lehnsherr nicht vor Eslamsbrück und Mendena gestanden hatte. Doch trotz der Gräuel, die sie bereits überlebt hatte, mühte sich die junge Ritterin sichtlich, ihre Aufregung zu unterdrücken.

Quelina von Hardt spürte, wie sich ihr Pulsschlag beschleunigte, als sie glaubte, vor sich die Farben der Hirschfurter zu erkennen. Sie war sich nicht sicher, da die Gruppe kein Banner führte, aber als die Menschen der Schar mitunter zujubelten, glaubte sie sich bestätigt.

‚Der beste Turnierreiter des Mittelreichs!‘

Also war dies alles wahr, schalt sie sich aufzuwachen, da sie diesen Moment nicht verderben wollte. Langsam glaubte sie auch zu verstehen, was ihr Vater gemeint hatte, als er ihr gesagt hatte, dass das Kaiserturnier ihr Prüfstein werden würde: Sie war herausgeputzt - dafür hatte ihr Vater gesorgt - und doch war sie weder hübsch noch von hoher Geburt, also vermochte sie andere nur durch ihr Wesen und ihren Namen einzunehmen. Und gegenwärtig hatte ihr Name hier in dieser fremden Heimat keinen Klang, der allzu weit reichte.

Als sie die Trauben von Menschen vor dem Tor passierten, die neugierig die Ankunft der ersten Turneyteilnehmer verfolgten, scheute sie sich nicht, den Menschen freundlich zu zuwinken. Dann waren sie schon am Tor und den Löwengardisten vorbei und erreichten die Anmeldung. Eine Gruppe von Adligen und Gefolge hatte sich dort versammelt, doch erstaunt bemerkte Quelina, wie die Hirschfurter und ihre Gefolgsleute begleitet von drei Fanfarenstößen bereits die Anmeldung verließen. Die missmutigen Blicke der Wartenden folgten ihnen.

‚Die Sturmherrin wählt!‘, dachte Sigman angesichts des selbstbewussten und geltungs-süchtigen Auftretens des Turniersiegers. Kritisch musterte er den Baron zu Hirschfurten, da er allzu oft auch die großen Namen hatte straucheln oder fallen sehen. Aber er hatte auch die Worte Udilberts nicht vergessen und die Warnung, die deutlich darin zum Ausdruck gekommen war: Der Mann mochte der berühmteste Turnierstreiter des Mittelreichs sein und sich hier in seinem Erfolg feiern lassen, doch auch er hatte Schuld auf sich geladen, soviel war sicher.

Und vor der Göttin war ein jeder fehlbar und hatte sich stets aufs Neue in Demut zu beweisen. Nur zu gut erinnerte sich Sigman an die Windehager Turney von 1032 und seinen Lanzengang gegen den heimatlosen Ritter, der den entwurzelten Baum auf Silber auf seinem Schild getragen hatte und sich später als Graf Hagrobald und heutiger Herzog der Nordmarken zu erkennen gegeben hatte. Damals hatte er sich spät dem von der Leuin beseelten Rittersmann geschlagen geben müssen, aber später erfahren, dass der Graf auf seiner Rückreise in einem Raubritter seinen Meister gefunden hatte. Nach allem was er wusste, war der Herzog daran gewachsen - auch wenn er allem Anschein nach, sein Gemächt noch immer in falschem Schoss versenkte. Aillyns letzter Brief war hinsichtlich dem herauf dämmernden Ungemach im albernischen Seenland hier recht eindeutig gewesen – und auch was den Tod des berüchtigten Raubritters, des Grauen Fuchses, ihrem Anteil daran und ihrer Entlehnung als Ritterin von Hohenfluh betraf.

Obwohl Sigman nicht begrüßte, dass seine ehemalige Knappin ihr Erbrecht ausgeschlagen hatte, war er stolz auf sie, da sie es ablehnte, falsche Gefolgschaft zu geloben.

‚Treue will von beiden Seiten verdient sein...‘.

Auch Heldis blickte der prächtig ausstaffierten Gruppe der Hirschfurter nach und sah dann ihren Herrn behände aus dem Sattel seines erfahrenen Teshkalers gleiten. Weithin leuchtete die Schabracke in weiß und schwarz und auch der Wappenrock Sigmans zeigte den schwarzen Drillingssturzsparren auf silbernem Grund. Seit seiner Erhebung zum Edlen trug er im Herzschild auf der Brust den steigenden, oberhalben Hirsch in Grün auf goldenem Grund, das Symbol seiner Herrschaft Raulsborn.

Ihr Blick schweifte zu den Bannern hinauf, wo sich neben dem Banner der Pfalzgrafschaft auch das Wappen des Hauses Hardt zeigte - schrägrechts geteilt mit gezahntem Spitzenschnitt in Blau auf Silber. ‚Mochte die junge Quelina von der Sturmherrin gesegnet werden‘, dachte Heldis und saß ebenfalls ab. Rasch gesellte sie sich zu Sigman, dessen engste Vertraute sie seit Gräflich Greifenklamm war.

Ihr Blick glitt über die mächtige Burg mit dem hohen Bergfried jenseits des Turnierfeldes, dann drehte sie sich um und konnte über den Dächern gerade noch den güldenen Schein über den Dächern der Stadt des Lichts ausmachen: ‚Ein langer Weg für eine Gemeine aus dem fernen Windhag‘. Und doch war sie hier.

Geduldig wartete sie schweigend an Sigmans Seite bis sie an der Reihe waren.

„Der Lichtbringer mit Euch!“, grüßte Sigman von Karrenstein den Schreiber am Anmeldetisch brummig. „Quelina von Hardt, Tochter des Pfalzgrafen Udilbert von Hardt auf der Randersburg“, er wies auf die junge Ritterin zu Pferd, „bittet um Aufnahme in die Turnierrolle. Nehmt mich ebenfalls auf, mein Name ist Sigman von Karrenstein, Edler zu Raulsborn.“ Heldis beeilte sich zu seinen langsamen und bedachten Worten die beiden Adelsbriefe zu präsentieren.

Als sie schließlich zum Zeltlager aufbrechen konnten, kündete keine Fanfare von ihrer Ankunft.

Texte der Hauptreihe:
K5. Anmeldung Quelina von Hardt und Sigman von Karrrenstein
1. Pra 1041 BF zur morgendlichen Firunstunde
Anmeldung Quelina von Hardt und Sigman von Karrrenstein
Anmeldung Nimmgalf von Hirschfurten + Tsaiane von Talbach + Berulf von Hirschfurten

Kapitel 5

Anmeldung Yandriga von Urbet
Autor: (Arland)